Demenz, Fälle

Demenz: 45 Prozent der Fälle durch Lebensstil vermeidbar

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Prof. Eline Slagboom präsentiert einen skalierbaren Risikoscore, der Gebrechlichkeit, Demenz, Krebs und weitere Altersrisiken erfassen soll.

Personal-MetaboHealth: Neuer Risikoscore für gesundes Altern
Ein gläsernes Probenröhrchen mit einer klaren Flüssigkeit in einem klinischen Labor, das für medizinische Forschung steht. Illustration mit AI erstellt.

Die frühzeitige Identifikation individueller Gesundheitsrisiken gewinnt in der Altersforschung zunehmend an Bedeutung. Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGG/DGGG) am 23. September 2026 in Frankfurt stellt Prof. Eline Slagboom von der Universität Leiden den Risikoscore „Personal-MetaboHealth“ vor.

Das Instrument dient dazu, das Risiko für Gebrechlichkeit, kognitiven Abbau, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs sowie Ateminsuffizienz abzubilden. Nach Angaben der Forscherin ist das Verfahren skalierbar, kostengünstig und für den praktischen Einsatz in Interventionsstudien mit älteren Erwachsenen geeignet.

Stoffwechsel- und Biomarker für das biologische Altern

Die Entwicklung standardisierter Risikoscores fügt sich in eine Reihe neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Erfassung biologischer Alterungsprozesse ein.

Eine am 16. September 2026 im Fachjournal Science erschienene Untersuchung von Julia El-Sayed Moustafa vom King's College London dokumentiert die molekularen Verschiebungen: Bei 335 Frauen der TwinsUK-Kohorte im Alter von 32 bis 80 Jahren, die über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren und im Median über sechs Jahre hinweg wiederholt untersucht wurden, veränderten sich mehr als 5.000 Gene und 181 von insgesamt 1.197 erfassten Stoffwechselprodukten im Blutserum. Unter anderem sank die Aktivität des Tumorsuppressor-Gens TP53.

Parallel dazu zeigte die Universität Lausanne anhand von Untersuchungen an mehr als 70.000 Personen zwischen 40 und 79 Jahren, dass künstliche Intelligenz das biologische Alter anhand von Netzhautbildern mit einer Abweichung von unter drei Jahren bestimmen kann.

Ein überhöhtes Netzhautalter korreliert mit höheren Risiken für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs sowie Demenz. Den stärksten Einfluss auf eine beschleunigte Alterung der Netzhaut übt demnach das Rauchen aus.

Auch der Lebensstil greift direkt in das biologische Altern ein. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) stellte am 16. September 2026 in Nature Communications fest, dass zehn unterschiedliche gesunde Ernährungsmuster – darunter mediterrane, nordische, pflanzliche oder die DASH-Ernährung – mit einem verlangsamten biologischen Altern einhergehen.

Die Daten von rund 7.500 Teilnehmenden zeigten anhand dreier epigenetischer Uhren und rund 850.000 erfassten DNA-Abschnitten, dass es keine isoliert beste Ernährungsform gibt; über 70 Prozent der relevanten Signalwege sind den verschiedenen Diäten gemeinsam.

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Kognitive Risiken und therapeutische Grenzen

In Deutschland leben nach Erhebungen vom 16. September 2026 rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz, wobei bis 2050 ein Anstieg auf 2,3 bis 2,7 Millionen erwartet wird.

Demenznetzwerke und universitäre Zentren betonen den Stellenwert beeinflussbarer Faktoren: Das Netzwerk Demenz Mayen-Koblenz verwies mit Bezug auf die Lancet Commission darauf, dass bis zu 45 Prozent der Demenzfälle durch Lebensstilmodifikationen verhindert oder verzögert werden könnten.

Die Uniklinik Freiburg hebt hierbei regelmäßige Bewegung, geistige und soziale Aktivität, Nichtrauchen sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes hervor. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 belegt zudem, dass auch eine Influenza-Impfung mit einer relativen Risikoreduktion von rund 13 Prozent verbunden ist.

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Medikamentöse Therapien bleiben derzeit auf enge Patientengruppen begrenzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfahl nach erneuter Überprüfung die Zulassung des Antikörpers Donanemab für das frühe Alzheimer-Stadium, über welche die Europäische Kommission entscheidet.

Das Präparat, das das Fortschreiten um bis zu ein halbes Jahr verzögern kann, ist in den USA, Japan, China und Großbritannien bereits zugelassen. Es eignet sich jedoch nur bei leichten kognitiven Einschränkungen und ist für etwa zehn Prozent der Patientengruppe mit maximal einer ApoE4-Genkopie anwendbar.

An Einrichtungen wie der Gedächtnisambulanz der Medizinischen Universität Graz stehen Antikörper wie Donanemab und Lecanemab für die Frühphase zur Verfügung, begleitet von Register- und Interventionsstudien.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gebrechlichkeit

Herz-Kreislauf-Leiden bleiben die zentrale gesundheitliche Belastung im Alter. Laut dem Update 2026 des Deutschen Herzberichts für das Erfassungsjahr 2024 stiegen die vollstationären Aufenthalte wegen Herzerkrankungen auf über 1,65 Millionen an.

Zwar sank die Sterberate bei der koronaren Herzkrankheit um 7,1 Prozent auf 118,3 pro 100.000 Einwohner und bei Herzschwäche um 2,9 Prozent auf 37,1, jedoch leben über 1,6 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. In der Altersgruppe ab 70 Jahren ist rund jede zehnte Person betroffen.

Im Bereich der medikamentösen Begleittherapie bei kardiovaskulären Risiken legten Forschende der SELECT-Studie im Jahr 2026 eine explorative Auswertung in JAMA Cardiology vor: Bei gebrechlichen Teilnehmenden zeigte der Wirkstoff Semaglutid kein erhöhtes Risiko und ein stabiles Sicherheitsprofil ohne Zunahme schwerwiegender unerwünschter Ereignisse.

Nach Angaben der Studienleitung verringerte sich die Gebrechlichkeit, die Lebensqualität stieg und die kardiovaskuläre Schutzwirkung blieb über alle Gebrechlichkeitsgrade hinweg stabil.

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