Demenz: 45 Prozent aller Fälle lassen sich verhindern
09.06.2026 - 13:41:27 | boerse-global.de
Bis 2050 könnten es 2,8 Millionen sein. Die Medizin sucht nach neuen Wegen – und entdeckt dabei die Kraft der Musik neu.
Prävention beginnt früh
Bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle ließen sich verhindern oder hinauszögern. Das zeigt die Alzheimer Forschung Initiative. 14 Risikofaktoren sind entscheidend – allen voran Bluthochdruck und Bewegungsmangel.
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Eine Studie der Universität Leipzig untermauert das. Forscher analysierten Daten von 150.000 Teilnehmenden der NAKO-Gesundheitsstudie. Das Ergebnis: Schon junge Erwachsene zwischen 20 und 39 Jahren zeigen kognitive Einbußen, wenn ihr Demenzrisiko erhöht ist.
Bei jüngeren Menschen dominieren Rauchen, Depressionen und Bewegungsmangel. Mit zunehmendem Alter rücken Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus.
Warum Musik das Gehirn erreicht
Wenn Worte nicht mehr greifen, bleiben Klänge. Musik aktiviert Gehirnareale, die Sprache nicht mehr erreicht. Physiotherapeut Frank Vossen betont: Musik spricht die emotionale Ebene an, unterstützt aber auch Gleichgewicht und Bewegung.
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Das Projekt PAMI der Universität Aalborg untersucht genau diesen Effekt. Vertraute Stimmen, Rhythmen und Melodien schaffen emotionale Sicherheit. Sie werden zur Brücke, wenn die Sprachfähigkeit nachlässt.
Menschen mit Demenz nehmen Gefühle oft sehr bewusst wahr. Musik kann hier ansetzen – und sogar helfen, grundlegende Bedürfnisse zu signalisieren. Rituale und vertraute Klänge kompensieren, wenn das Gehirn Signale wie Durst nicht mehr zuverlässig sendet.
Neue Konzepte für die Praxis
Die Erkenntnisse wandern in den Pflegealltag. Fachstellen wie die DIKO Oldenburg und Netzwerke der „Lokalen Allianzen“ unterstützen neue Betreuungskonzepte. Pflegeexpertin Marlene Dirks verweist auf innovative Wohnformen wie „Green Care“-Höfe.
Schon im Frühjahr 2026 liefen verstärkt Schulungen. Die Malteser boten im April Fortbildungen zur Aktivierung durch Musik, Tanz und Spiele an. Der Jugend- und Familiendienst Rheine zertifizierte neue Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI.
Musik als fester Bestandteil der Therapie
Die Praxis folgt der Forschung. Mitte Juni widmet sich das Alzheimer Café Vaals der Frage: Welche Wirkung hat Musik auf den Menschen? Am 10. Juni findet in Kolding ein Thementag zur Musik in der Demenzpflege statt.
Für den 24. Juni planen das Demenznetz Viernheim und die Alzheimer Gesellschaft Rhein-Erft-Kreis Sommerfeste. Livemusik und Bewegungsangebote stehen im Mittelpunkt. Im September folgen Veranstaltungen zum gemeinsamen Singen alter Lieder.
Der Trend ist klar: Musik ist längst mehr als Freizeitbeschäftigung. Sie wird zum integralen Bestandteil einer ressourcenorientierten Demenzstrategie.
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