Demenz, Fälle

Demenz: 45 Prozent aller Fälle durch Lebensstil vermeidbar

15.06.2026 - 02:39:23 | boerse-global.de

Lancet-Studie zeigt: 45% aller Demenzfälle sind durch veränderbare Risikofaktoren vermeidbar. Bewegung und soziale Kontakte schützen.

Demenzrisiko senken: Lebensstil als Schlüssel zur Prävention
Demenz - Ältere Menschen, die sich an verschiedenen gesunden Lebensstilaktivitäten beteiligen, darunter Sport, Lesen und soziale Interaktion. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zu diesem Ergebnis kommt die renommierte Lancet-Kommission. Die gute Nachricht: Wer rechtzeitig gegensteuert, kann sein Risiko massiv senken.

14 Risikofaktoren im Fokus

Die Forscher identifizierten 14 spezifische Einflüsse, die das Demenzrisiko erhöhen. Dazu zählen mangelnde Bildung, Rauchen, soziale Isolation und chronische Krankheiten wie Diabetes. Auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung spielen eine Rolle.

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Für Deutschland bedeutet das: Etwa ein Drittel aller Demenzfälle wäre durch gezielte Maßnahmen vermeidbar. Kein Grund also, die Hände in den Schoß zu legen.

Bewegung als Schutzschild

Körperliche Aktivität wirkt wie ein Schutzschild fürs Gehirn. Das zeigt eine groß angelegte Beobachtungsstudie im British Journal of Sports Medicine. Fast 150.000 Teilnehmer wurden über bis zu 30 Jahre begleitet.

Das Ergebnis: Wer wöchentlich 90 bis 119 Minuten Krafttraining absolviert, senkt das Risiko für einen demenzbedingten Tod um 27 Prozent. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gingen in dieser Gruppe um 19 Prozent zurück.

Noch effektiver ist die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Bei 60 bis 119 Minuten pro Woche sinkt das allgemeine Sterberisiko um satte 45 Prozent. Allerdings: Mehr als 120 Minuten Krafttraining bringen keinen zusätzlichen Nutzen – hier zeigt sich ein Plateau-Effekt.

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Der Multidomänen-Ansatz: Mehrere Hebel gleichzeitig

Besonders vielversprechend sind Programme, die verschiedene Lebensstilbereiche gleichzeitig anpacken. Die finnische Finger-Studie untersuchte diesen ansatz über elf Jahre.

Die Ergebnisse aus dem Jahr 2025 sprechen für sich: Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse sank um 20 Prozent, chronische Krankheiten traten 60 Prozent seltener auf. Alltagsbeeinträchtigungen verringerten sich um 30 Prozent.

Die Leipziger AgeWell.de-Studie bestätigt diese Effekte. Bei 1.152 Patienten zeigte sich: Kombinierte Lebensstiländerungen wirken sich positiv auf die kognitive Gesundheit aus. Und selbst bei körperlicher Passivität kann geistige Aktivität schützend wirken.

Medikamente: Noch kein Durchbruch in Sicht

Parallel zur Lebensstilforschung laufen pharmakologische Ansätze. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab zur Behandlung leichter Demenz zugelassen.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt die Anwendung unter bestimmten Voraussetzungen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht dagegen keinen belegten Zusatznutzen – eine Einschätzung, der sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) anschloss.

Auch der Diabetes-Wirkstoff Semaglutid enttäuschte in den Phase-III-Studien EVOKE und EVOKE+. Bei jeweils 1.800 Probanden zeigte sich keine Überlegenheit bei frühen Alzheimer-Erkrankungen. Die Ergebnisse wurden im April 2026 auf einer Fachtagung in Chicago vorgestellt.

Die Botschaft ist klar: Während die Pharmaforschung noch Rätsel löst, können wir heute schon aktiv werden. Bewegung, Bildung und soziale Kontakte – das sind die wirksamsten Mittel gegen Demenz.

de | wissenschaft | 69541251 |