Demenz, Fälle

Demenz: 36 Prozent der Fälle durch Lebensstil vermeidbar

16.06.2026 - 15:33:53 | boerse-global.de

Bis 2060 könnten 2,1 Millionen Menschen betroffen sein. Pflege setzt auf haptische Reize, Naturerlebnisse und Slow-TV.

Demenz in Deutschland: Neue Therapien und Präventionsansätze
Demenz - Ältere Hände legen ein großes, weiches Puzzleteil in einen Rahmen, umgeben von taktilen Objekten, die Demenzpatienten ansprechen. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuell leiden rund 1,3 Millionen Menschen an der Erkrankung. Bis 2060 könnten es laut einer Analyse des AOK-Wissenschaftszentrums (WIdO) sowie der Universitäten Trier, Rostock und Köln vom 15. Juni bis zu 2,1 Millionen sein. Der Druck auf das Pflegesystem wächst – und damit die Suche nach wirksamen, nicht-medikamentösen Therapien.

Haptische Reize gegen Unruhe

Immer mehr Pflegeeinrichtungen setzen auf haptische Stimulation. Spezielle Beschäftigungsdecken mit unterschiedlichen Oberflächen und integrierten Elementen sollen die Sinne der Patienten anregen und Unruhezustände mildern. Mitte Juni wurde der Einsatz solcher Hilfsmittel gewürdigt – sie kommen unter anderem im Kantonsspital Glarus zum Einsatz.

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Auch kreative Gemeinschaftsprojekte zeigen Wirkung. In Hettstadt (Unterfranken) begleiten Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) und des Universitätsklinikums Würzburg Demenzpatienten in einem Mehrgenerationengarten. Gemeinsames Pflanzen und Bemalen von Steinen setzen gezielt Reize durch Düfte und Farben.

Erinnerungen wecken: Vom Tierpark bis zum Meeresrauschen

Vertraute Umgebungen und biografische Reize können bei Demenzkranken Erstaunliches bewirken. In Berlin zeigen Besuche im Tierpark: Selbst bei fortgeschrittener Erkrankung lösen Begegnungen mit Tieren wie Eisbären spontane Erkennungsprozesse und Kommentare aus.

Die Tagespflege St. Kilian in Mellrichstadt verfolgt einen anderen Ansatz. Seit Juni 2026 läuft dort ein Projekt zur „Natur-Aktivierung“. Meeresgeräusche, Muschelsuche und das Basteln von Papierschiffen sollen Urlaubsstimmung erzeugen und emotionale Resonanz stärken.

Slow-TV für Demenzkranke

Auch das Fernsehen entdeckt die Zielgruppe. Seit dem 15. Juni bietet der ORF ein spezielles „Slow-TV“-Format an – entwickelt mit dem Verein Promenz. Die rund zweistündigen Folgen verzichten auf schnelle Schnitte und Reizüberflutung. Zielgruppe: die schätzungsweise über 170.000 Betroffenen in Österreich.

Die Forschung liefert parallel neue Impulse. Eine Studie in „Frontiers in Neuroscience“ aus Brasilien untersuchte die Wirkung von Psilocybin bei einer 80-jährigen Alzheimer-Patientin im Spätstadium. Nach der Gabe zeigten sich zeitlich begrenzte Verbesserungen bei der Wiedererkennung von Familienmitgliedern und der Mobilität.

Prävention könnte Hunderttausende Erkrankungen verhindern

Die Leopoldina betonte Mitte Juni: Rund 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland wären vermeidbar – durch gezielte Beeinflussung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Schwerhörigkeit oder Blutfettwerten. Eine Reduktion dieser Faktoren um 15 Prozent könnte bis 2050 rund 170.000 Neuerkrankungen verhindern.

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Doch Vorsicht bei Blutdruckwerten. Eine Studie der Michigan Technological University mit fast 790.000 Teilnehmern zeigt: Auch zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist mit einem deutlich erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden.

Regionale Unterschiede enorm

Die Verteilung der Demenzfälle in Deutschland ist extrem ungleich. Während in München etwa 1,7 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, liegt der Wert im Landkreis Elbe-Elster bei bis zu 6,2 Prozent. Die Versorgungsstrukturen müssen sich diesen lokalen Gegebenheiten anpassen – sonst drohen Versorgungslücken.

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