Demenz: 36 Prozent aller Erkrankungen durch Prävention vermeidbar
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 11:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 17. September 2026 verzeichnete der Aktionstag Gesundheit im ORF Landesstudio Oberösterreich rund 600 Besucher. Die vom Land Oberösterreich und dem ORF Landesstudio initiierte Veranstaltung bot der Bevölkerung kostenlose Überprüfungen zentraler Vital- und Vorsorgewerte.
Interessierte konnten Messungen von Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Vitamin D und Sauerstoffsättigung durchführen lassen sowie Seh- und Hörtests und pharmazeutische Medikationschecks in Anspruch nehmen.
Die oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander hob hervor, dass das primäre Ziel des Aktionstags darin bestehe, gesunde Lebensjahre zu verlängern und die Prävention nachhaltig zu stärken.
Beeinflussbare Faktoren und wissenschaftliche Befunde
Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck oder Blutfettwerten spielen in der Altersmedizin eine tragende Rolle. Fachleute verweisen rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September 2026 darauf, wie eng kardiovaskuläre Parameter mit der kognitiven Leistungsfähigkeit zusammenhängen.
Nach Angaben von Prof. Svenja Caspers vom Forschungszentrum Jülich und der Universität Düsseldorf gehören Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen, ein hoher Cholesterinspiegel sowie soziale Isolation und mangelnde geistige Aktivität zu den maßgeblichen, beeinflussbaren Demenzrisiken.
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Da das menschliche Gehirn auch im fortgeschrittenen Alter veränderbar bleibe, ziele die Wissenschaft auf eine datengetriebene Demenzprävention über Kohortenstudien mit vielen tausenden Probanden ab.
Dass gezielte Vorsorgemaßnahmen Wirkung zeigen, unterstreicht die Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Durch eine konsequente Prävention seien rund 36 Prozent aller Demenzerkrankungen in Deutschland vermeidbar. Derzeit leben dort rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf etwa 2,3 bis 2,7 Millionen Betroffene erwartet.
Insgesamt werden in der Forschung 14 modifizierbare Risikofaktoren benannt. Neuere medikamentöse Ansätze wie die Anti-Amyloid-Antikörper Lecanemab und Donanemab verlangsamen den kognitiven Verfall zwar, ihr therapeutischer Nutzen gilt jedoch als umstritten und ist nur in der Frühphase gegeben.
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Wie eine im Fachblatt Age and Ageing publizierte Metaanalyse aus dem Jahr 2025 belegt, lässt sich zudem über eine Influenza-Impfung eine relative Risikoreduktion von rund 13 Prozent erzielen.
Lebensstilfaktoren und praxisnahe Begleitung
Neben medizinischen Messungen gewinnt der alltägliche Lebensstil für den Erhalt der geistigen Gesundheit an Relevanz. Der Neurologe Heinz Wiendl von der Universitätsklinik Freiburg betont, dass eine frühe Diagnose zwar neue Behandlungsoptionen eröffne, der persönliche Lebensstil jedoch maßgeblich helfen könne.
Eine effektive Demenzprophylaxe stütze sich im Wesentlichen auf die vier Faktoren Lernen, Laufen, Lachen und Lieben. Wiendl ordnet zudem ein, dass Vergesslichkeit an sich zunächst ein normales physiologisches Ereignis darstellt.
Die Notwendigkeit präventiver Konzepte spiegeln auch österreichische Erhebungen wider: Rund 170.000 Menschen leben nach Zahlen der Organisation Häuser zum Leben sowie der Caritas Wien im Land mit Demenz.
Dass alltagsnahe Initiativen die Stabilität älterer Menschen gezielt fördern können, demonstriert das Projekt „Gesundheitsbuddies“ von der MedUni Wien, der Sportunion und dem Wiener Hilfswerk. Im Rahmen des Projekts verbesserten geschulte Laien ab 50 Jahren über persönliche Kontakte, Bewegungsangebote und Ernährungsthemen den Zustand älterer, mangelernährter Menschen nachweislich.
Aktionen wie der oberösterreichische Gesundheitstag unterstreichen, dass frühzeitige Diagnostik und alltagsnahe Gesundheitskompetenz entscheidende Voraussetzungen bilden, um Selbstständigkeit und Wohlbefinden im Alter zu bewahren.
