Demenz, Millionen

Demenz: 1,8 Millionen Betroffene, Ausstellungen und Erinnerungsarbeit

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kulturelle Projekte, persönliche Geschichten und Aktionswochen fördern den Austausch über Demenz und rücken Betroffene sowie Angehörige ins Zentrum.

Demenz im Fokus: Ausstellungen, Erinnerungsarbeit und neue Initiativen
Ein sonnendurchfluteter Raum mit einem antiken Holztisch, auf dem nostalgische Gegenstände und alte Fotografien liegen. Illustration mit AI erstellt.

Um das gesellschaftliche Verständnis für Demenzerkrankungen zu vertiefen und Erinnerungen lebendig zu halten, setzen verschiedene Initiativen verstärkt auf kulturelle Formate, Ausstellungen sowie die Aufarbeitung individueller Biografien.

Angesichts steigender Betroffenenzahlen – die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beziffert die Zahl der Demenzkranken in Deutschland auf rund 1,8 Millionen – gewinnen künstlerische und narrative Zugänge in der Begleitung und Aufklärung an Bedeutung.

Visuelle Vermittlung und biografische Erinnerungsarbeit

Ein zentraler Baustein liegt in der visuellen Vermittlung und der Reaktivierung von Erinnerungen. Im Foyer des Mathias-Spitals in Rheine präsentiert die Initiative der Klinikclowns Kreis Steinfurt seit dem 17. September die Ausstellung „Das Herz wird nicht dement" in einem neuen Konzept.

Die Schau tourt bereits seit Mai 2013 durch den Kreis Steinfurt. Flankiert wurde die Präsentation von einem Maskottchen-Wettbewerb, dessen Siegerbild von Marie Lossau von der Johannesschule Rheine-Elte stammt und der am 3. September prämiert wurde.

Auch auf internationaler Ebene kommen Archive zum Einsatz: Das Krankenhaus Ac?badem Kent Hastanesi im türkischen Izmir zeigt im Rahmen des Demenz-Monats bis zum 30. September die Fotoausstellung „?zmir'in Haf?zas?" mit historischen Aufnahmen aus dem Hamza-Rüstem-Archiv von der Republik-Ära bis zur Gegenwart. Der Neurologe Doç.

Dr. Mustafa Seçkin erläuterte hierzu, dass Erinnerungstherapie die zwischenmenschliche Bindung und Kommunikation stärken könne. Zudem verwies er darauf, dass die Erkrankung heute bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome per Bluttest feststellbar sei und krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung stünden.

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Praktische Erinnerungsarbeit fand auch in Niedersachsen statt: Seniorinnen und Senioren der Rotkreuz-Tagespflege Langenhagen besuchten das Erlebnis-Küchenmuseum „World of Kitchen" in Hannover, wo historische Herde, Kaffeemühlen und Emaille-Töpfe persönliche Erinnerungen an früher anregten.

Dokumentation persönlicher Lebenswege

Neben musealen Konzepten dient die autobiografische Dokumentation dazu, den Alltag mit der Diagnose begreifbar zu machen. Die Betroffene Claudia Blaurock, die im Jahr 2023 im Alter von Anfang 60 ihre Demenzdiagnose erhielt, gestaltete gemeinsam mit der Demenzberaterin Kathrin Kroppach den 24 Folgen umfassenden Podcast „Sag mal schnell".

Nach Blaurocks Tod am Ostersonntag 2026 veröffentlichte der Isensee Verlag das Buch „Claudia, wie geht's dir heute?". Am 21. September 2026 wurde dazu eine Lesung in der Buchhandlung am Schloßplatz in Oldenburg angesetzt, wo nach Erhebungen rund 3600 Demenzkranke leben.

Vernetzung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Kulturelle und aktivierende Angebote sind zunehmend in übergeordnete Strategien eingebunden. Im Freistaat Bayern startete die siebte Bayerische Demenzwoche für den Zeitraum vom 18. bis 27. September 2026 im Rahmen der seit 2013 bestehenden Demenzstrategie und des Demenzpakts von 2020. Nach Angaben von Judith Gerlach verzeichnete die Aktionswoche einen Rekord von über 2400 Anmeldungen; Experten prognostizieren für Bayern bis 2040 einen Anstieg auf rund 380.000 Betroffene.

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In Österreich, wo rund 170.000 Menschen mit Demenz leben, setzt der Träger Häuser zum Leben auf eine Verbindung von Pflege, Betreuung und Aktivierung. Zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2026 feiert das Betreuungszentrum Rosenberg sein 25-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Für den 6. Oktober 2026 ist zudem geplant, das demenzfreundliche Pop-up-Restaurant „Zum Augenblick" im Haus Döbling erstmals für externe Gäste zu öffnen. Sozialstadtrat Peter Hacker und Geschäftsführer Christian Hennefeind hoben in diesem Kontext hervor, wie wichtig der Erhalt der Selbstbestimmung Betroffener und die gezielte Entlastung pflegender Angehöriger sind.

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