Deliveroo-Roboter: Start an fünf britischen Standorten geplant
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Lieferdienst Deliveroo bereitet den Start autonomer Lieferroboter im Vereinigten Königreich vor. Wie aus Branchenberichten hervorgeht, sollen die fahrerlosen Lieferfahrzeuge in den kommenden Wochen an fünf britischen Standorten in Betrieb gehen. Der Einsatz ist für Canary Wharf im Osten Londons sowie für Milton Keynes, Leeds, Stockton-on-Tees und Nottingham geplant, jeweils abhängig von den Genehmigungen der lokalen Behörden.
Partnerschaft mit US-Hersteller Coco
Für das Vorhaben hat Deliveroo eine exklusive Vereinbarung mit dem US-amerikanischen Unternehmen Coco geschlossen. Die vierrädrigen Roboter werden in der markentypischen blauen Farbe des Lieferdienstes gestaltet und bewegen sich mit Schrittgeschwindigkeit fort. Für die Orientierung im Verkehrsraum und auf Bürgersteigen nutzen die Einheiten integrierte Kameras, Sensoren sowie KI-gestützte Navigationssysteme.
Deliveroo-Chef Miki Kuusi erklärte, dass der Einsatz der Maschinen nicht auf einen Ersatz menschlicher Kuriere abziele, sondern als Ergänzung gedacht sei. In dicht besiedelten urbanen Zentren würden weiterhin menschliche Kuriere benötigt.
Ziel sei eine optimale Aufteilung der Flotte, wobei der 37-jährige Manager zudem auf das Potenzial zur Kostensenkung verwies. Die Flotte solle schrittweise aufgebaut werden; eine Auslegung auf Nachfragespitzen, wie etwa am Freitagabend, sei nicht vorgesehen.
Parallel zu den aktuellen Plänen werben Vertreter von Deliveroo nach Medienberichten bei weiteren Kommunen und beim britischen Verkehrsministerium um Genehmigungen für einen noch breiteren Rollout. Auf der britischen Insel sind nach Unternehmensangaben mehr als 100.000 Kuriere für Deliveroo aktiv. Diese sind als Selbstständige tätig und erhalten weder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall noch Beiträge zur Altersvorsorge.
Branchenumfeld und arbeitsrechtliche Debatten
Die Technologie ist im britischen Markt bereits vertreten. Der Wettbewerber Just Eat nutzt in Teilen des Landes Roboter des Anbieters Starship Technologies. Deliveroo selbst sammelt darüber hinaus Erfahrungen mit alternativen Liefermethoden und testet in Dublin die Zustellung per Drohne.
Der geplante Start autonomer Lieferroboter an fünf britischen Standorten zeigt, wie schnell Kommunen vollendete Tatsachen schaffen, während ein einheitlicher nationaler Rechtsrahmen weiter fehlt. Wer heute Flotten plant, braucht Genehmigungswege, Haftungsfragen und Datenschutz vorab geklärt — nicht erst beim ersten blockierten Gehweg. Kostenlosen Robotik-Compliance-Report anfordern
Starship Technologies verzeichnete seit 2018 über zwei Millionen Lieferungen im Vereinigten Königreich. Nach Unternehmensangaben weisen 25 Prozent der Kundschaft eine Behinderung auf. Bei einer behördlichen Freigabe für weitere Expansionen erwägt der Anbieter eine Fertigung im Land. Die britische Regierung beabsichtigt, den entsprechenden Rechtsrahmen anzupassen, sobald dafür parlamentarische Beratungszeit zur Verfügung steht.
Der Schritt von Deliveroo erfolgt vor dem Hintergrund wiederkehrender Diskussionen über die Arbeitsbedingungen in der Branche. Nach einer Recherche der Daily Mail im August arbeiteten teils Migranten aus illegalen Zeltlagern für Deliveroo, Just Eat und Uber Eats, woraufhin Deliveroo Überprüfungen der Arbeitsberechtigungen ankündigte.
In Frankreich sieht sich das Unternehmen zusammen mit Uber Eats einer Klage von vier Kampagnengruppen wegen des Vorwurfs des Menschenhandels ausgesetzt.
Bedenken von Fußgängerverbänden
Gleichzeitig formiert sich Widerstand gegen den zunehmenden Einsatz autonomer Kleinfahrzeuge im öffentlichen Raum. Die Fußgängerschutzorganisation Living Streets hatte im Juli den Einzelhändler Co-op vor Risiken durch Starship-Roboter gewarnt. Die Organisation argumentierte, solche Einheiten stellten eine Gefahr für Fußgänger dar und könnten Gehwege für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen unsicherer machen.
Fußgängerverbände warnen bereits vor blockierten Wegen und Überwachungskameras auf Gehwegen — und Anwohner in Testgebieten berichten genau davon. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Sicherheits- und Datenschutzbedenken in eine belastbare Risikoanalyse übersetzen, bevor Ihr Pilot zum Politikum wird. Risikoanalyse autonomer Lieferung jetzt sichern
Zak Viney von Living Streets kritisierte nun auch den Start bei Deliveroo und verwies darauf, dass ein einheitlicher nationaler Rechtsrahmen bislang fehle. Anwohner im Testgebiet Leeds berichteten bereits über blockierte Fußwege sowie über Datenschutzbedenken infolge der an den Robotern montierten Überwachungskameras.
