DeepSeek, Microsoft

DeepSeek V4: Microsoft erwägt 350-mal günstigeres KI-Modell

22.06.2026 - 11:58:04 | boerse-global.de

Steigende KI-Kosten treiben Microsoft zur Prüfung des günstigen DeepSeek V4-Modells für Copilot. CEO Nadella fordert mehr Wettbewerb.

Microsoft prüft DeepSeek V4 für günstigeren Copilot
DeepSeek - A digital brain with blue and green glowing nodes, symbolizing Microsoft and DeepSeek, connected by data streams. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Softwarekonzern erwägt den Einsatz einer angepassten Version des chinesischen Open-Source-Modells DeepSeek V4 in seinem KI-Tool Copilot Cowork. Hintergrund sind die explodierenden Kosten für KI-Dienste.

Kostenexplosion treibt Microsoft zu neuer Strategie

Die Rechnung ist einfach: Hochleistungs-KI kostet. Und zwar richtig. Microsoft sucht deshalb händeringend nach günstigeren Alternativen zu den Modellen seiner etablierten Partner OpenAI und Anthropic. DeepSeek V4 könnte die Lösung sein – zumindest für alltägliche Aufgaben im Unternehmen.

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Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Seit dem 16. Juni 2026 rollt Microsoft das neue Abrechnungssystem „Copilot Credits“ weltweit aus. Statt Pauschalpreisen zahlen Kunden nun nach Verbrauch. Schon am 1. Juni war GitHub Copilot auf eine token-basierte Abrechnung umgestellt worden.

Der Grund für den Strategiewechsel: Die Betriebskosten für autonome KI-Agenten sind seit 2023 um das Dreißigfache gestiegen. Zwar verzeichnet Microsoft 365 Copilot mit über 20 Millionen bezahlten Plätzen starkes Wachstum – allein 5 Millionen kamen im letzten Quartal hinzu. Doch die Infrastrukturkosten fressen die Gewinne auf.

DeepSeek V4: 350-mal günstiger als die Konkurrenz

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. DeepSeek V4 bringt es auf 1,6 Billionen Parameter und ist unter der MIT-Lizenz frei verfügbar. Das chinesische Unternehmen sammelte kürzlich 7,4 Milliarden US-Dollar ein – bei einer Bewertung von über 50 Milliarden US-Dollar.

Der Preisunterschied ist frappierend: Während Spitzenmodelle wie Anthropic Fable 5 bis zu 50 US-Dollar pro Million Output-Tokens kosten, verlangt DeepSeek V4 Flash gerade einmal 0,28 US-Dollar. Das ist ein Faktor von fast 350. Für Aufgaben, die keine Höchstleistung erfordern, wäre das eine massive Ersparnis.

Nadella fordert „pluralistischeres“ KI-Ökosystem

Microsoft-CEO Satya Nadella hat sich in den letzten Tagen öffentlich für mehr Wettbewerb stark gemacht. Am 21. und 22. Juni betonte er die Notwendigkeit von niedrigeren Kosten und breiterem Zugang. „Die KI-Branche muss sich eine gesellschaftliche Betriebserlaubnis verdienen“, so Nadella. Ein Markt, der nur von wenigen riesigen Modellen dominiert werde, sei gefährlich.

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Sicherheitsbedenken und regulatorische Hürden

Doch der plan hat politischen Sprengstoff. Australien hat DeepSeek bereits verboten, große Unternehmen wie Woolworths und die Commonwealth Bank blockieren das Tool. Microsoft arbeitet deshalb an einer Azure-gehosteten Version des Modells. Das Argument: Wenn DeepSeek in der eigenen Cloud läuft, ändere sich das Risikoprofil grundlegend. Kunden in regulierten Märkten könnten das Modell dann compliant nutzen.

Die Diversifizierung kommt auch nach technischen Problemen: Im Juni 2026 gab es mehrfach Ausfälle bei Copilot. Mit mehreren Modellanbietern will Microsoft die Widerstandsfähigkeit und Erschwinglichkeit seiner KI-Dienste erhöhen. Ob DeepSeek den Sprung in den Microsoft-Kosmos schafft, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.

de | wissenschaft | 69601953 |