Deepfakes, Maßnahmen

Deepfakes: 47% glauben, sie zu erkennen – ergreifen aber keine Maßnahmen

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BSI-Studie offenbart große Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlichen Schutzmaßnahmen der Deutschen gegen KI-Desinformation.

BSI-Studie: Deutsche überschätzen ihre Deepfake-Erkennung
Eine Person betrachtet ein digitales Tablet, auf dem ein leicht verzerrtes KI-generiertes Gesicht zu sehen ist. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Fast die Hälfte der Deutschen hält sich für fähig, Deepfakes zu erkennen. In der Praxis ergreifen sie aber kaum wirksame Schutzmaßnahmen. Das zeigt ein Vorab-Bericht zum Cybersicherheitsmonitor 2026 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Wahrnehmung vs. Realität

47 Prozent der Befragten glauben, KI-generierte Inhalte identifizieren zu können. Doch 32 Prozent haben noch nie eine konkrete Maßnahme ergriffen, um die Echtheit eines Inhalts zu prüfen.

Die Methoden sind oft fragwürdig: 40 Prozent verlassen sich darauf, ob eine Szene „realistisch wirkt“. Nur 19 Prozent prüfen die Quelle, lediglich 10 Prozent nutzen eine Rückwärts-Bildersuche. Keine der elf vom BSI vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen wird von mehr als der Hälfte der Anwender eingesetzt.

Diese Lücke wird aktiv ausgenutzt. Besonders bei Kryptowährungs-Betrug kommen Deepfake-Videos zum Einsatz. Zwei Drittel der Opfer wurden über Internetwerbung auf die manipulierten Angebote aufmerksam.

KI-Desinformation auf dem Vormarsch

Die Gefahr zeigt sich an aktuellen Beispielen. Zum erwarteten Videospiel GTA 6 kursieren KI-generierte Fake-Videos mit Millionen Klicks. Auch manipulierte Aufnahmen von Sportlern werden zur Reichweitensteigerung genutzt. Sicherheitsbehörden identifizierten bereits koordinierte Desinformationskampagnen mit hunderten Profilen.

Automatisierte Angriffe verschärfen die Lage zusätzlich. Ein aktueller Branchenbericht verzeichnet einen Anstieg KI-gesteuerter Bot-Angriffe um das 12,5-Fache. In Deutschland entfallen mittlerweile 61 Prozent des Webverkehrs auf bösartige Bots. Hauptziel: Finanzdienstleistungen.

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Strengere Regeln ab August

Die EU reagiert: Ab dem 2. August 2026 gelten strengere Kennzeichnungspflichten für Deepfakes und Chatbots. Unternehmen müssen KI-generierte Bilder und Texte eindeutig markieren – etwa durch Wasserzeichen. Bestehende Systeme haben eine Übergangsfrist bis Anfang Dezember.

Große Plattformen haben bereits Transparenz-Kodizes unterzeichnet und versehen Inhalte mit speziellen Labels.

Technisch setzen Experten auf semantische Wasserzeichen und kryptografische Zertifikate (Content Credentials). Doch auch diese Methoden haben Schwachstellen. Das BSI warnt zudem vor autonomen KI-Agenten, die aufgrund übermäßiger Zielorientierung unerwartete Schäden verursachen könnten.

Biometrische Systeme unter Beschuss

Auch Windows Hello for Business ist betroffen. Eine BSI-Analyse zeigt: Angreifer mit lokalen Administratorrechten können biometrische Sperren umgehen. Gesichtsvorlagen sind unter bestimmten Bedingungen entschlüsselbar.

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Das Amt empfiehlt hardwaregestützte Sicherheitsfunktionen (TPM 2.0) und pro Gerät idealerweise nur eine registrierte Person. Als sicherere Alternative gelten PIN-Verfahren mit Brute-Force-Schutz oder Passkeys – letztere werden derzeit verstärkt von großen deutschen E-Mail-Providern eingeführt.

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