Dauerstress, Smartphone

Dauerstress durch Smartphone: Acht von zehn jungen Menschen fühlen sich oft gestresst

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhebungen dokumentieren Smartphone-Stress bei Jung und Alt; eine Studie verbindet drei Tage ohne digitale Geräte mit weniger Stressreaktionen.
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit einem leeren Holzstuhl vor einem Fenster mit Blick in einen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Weltstress-Tages warnt der Theologe und Meditationslehrer Michael Mann vor den Folgen einer anhaltenden Informationsflut. Push-Benachrichtigungen sowie Plattformen wie WhatsApp und Instagram fungieren nach seiner Einschätzung als Stressfaktoren, die das menschliche Gehirn einer dauerhaften Überlastung aussetzen.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Erhebungen verdeutlichen, wie tiefgreifend die ständige Präsenz digitaler Kommunikationsmittel den Alltag und das seelische Wohlbefinden prägt.

Was im überlasteten Gehirn geschieht

Die Mechanismen hinter der mentalen Erschöpfung untersucht unter anderem Teresa Cramer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ihren Erkenntnissen zufolge vermag das Gehirn eine Überlastung über längere Zeiträume hinweg zu verbergen. Betroffene fänden abends trotz ausgeprägter Erschöpfung häufig nicht zur Ruhe, weil das Nervensystem in ständiger Alarmbereitschaft verharre.

Eine solche chronische Belastung mindere die Plastizität im Hippocampus, beeinträchtige den präfrontalen Kortex und steigere die Reaktivität der Amygdala. Laut einem Bericht der Welt am Sonntag rühre die abendliche Unruhe oft nicht vom Kaffeekonsum her, sondern von seit Wochen fehlender echter Erholung.

Ein Ausgleich am Wochenende reiche laut Cramer nicht aus, um aufgelaufene Belastungen einfach wegzuschlafen. Zudem verursache digitales Multitasking sogenannte Wechselkosten im Denkapparat.

Zur Entlastung rät die Forscherin zu Mikropausen ohne komplexe Informationsverarbeitung, etwa dem einfachen Blick aus dem Fenster oder rhythmischer Bewegung, sowie zum Abschalten von Benachrichtigungen und dem Verzicht auf parallele Mediennutzung wie Fernsehen bei gleichzeitiger Smartphone-Bedienung.

Verbreitung von Nomophobie und Dauerstress

Wie weit die Bindung an digitale Geräte fortgeschritten ist, zeigen mehrere Erhebungen. Laut der dritten Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis zur sogenannten Nomophobie weisen in der Deutschschweiz 28 Prozent der 16- bis 74-Jährigen deutliche Anzeichen einer Smartphone-Abhängigkeit auf.

Bei 29 Prozent sorge allein der Gedanke, mindestens 24 Stunden ohne das Smartphone auszukommen, für Unruhe; 20 Prozent verspürten ohne Empfang oder Internetzugang Angstgefühle. In der Westschweiz liege der Anteil der Ängstlichen bei 40 Prozent, während 37 Prozent deutliche Anzeichen einer Abhängigkeit zeigten.

Schweizweit weise fast ein Drittel der Bevölkerung deutliche Merkmale auf, was über zwei Millionen Menschen entspricht; weitere 7 Prozent zeigten eine ausgeprägte Form. Die Hälfte aller Befragten prüfe das Smartphone fortlaufend, 35 Prozent empfänden ohne Gerät Stress, und 34 Prozent reagierten nervös auf einen niedrigen Ladestand.

Anzeige

Wer sich intensiv mit der mentalen Belastung durch digitale Reize befasst, findet in der gezielten Stimulation des Nervensystems einen wirksamen Hebel zur Entspannung. Dieser kostenlose Report enthüllt, wie Sie Ihren körpereigenen „Gesundheitsschalter“ ganz einfach selbst aktivieren können. Vagus-Therapie: Stress und Erschöpfung natürlich entgegenwirken

Auch jüngere Generationen stehen unter erheblichem Druck. Die repräsentative Studie „Zukunft Gesundheit 2026“ der vivida bkk und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“, für die im August 2026 insgesamt 1.045 Menschen im Alter von 14 bis 34 Jahren befragt wurden, belegt dieses Bild: Acht von zehn jungen Bundesbürgern fühlen sich oft gestresst. 75 Prozent der Gestressten klagen über häufige mentale Erschöpfung, mehr als zwei Drittel über Schlafprobleme, und bei 55 Prozent führt die Belastung zum Rückzug.

Zudem gaben 84 Prozent an, den Eindruck zu haben, in vielen Lebensbereichen gleichzeitig funktionieren zu müssen, während 78 Prozent meinen, ständig an sich arbeiten zu müssen.

Auszeiten und Methoden zur Regeneration

Um der Reizüberflutung entgegenzuwirken, empfiehlt Michael Mann gezielte Verhaltensänderungen im Alltag. So solle das Smartphone in der ersten Stunde nach dem Aufstehen ausgeschaltet bleiben und auch am Abend rechtzeitig deaktiviert werden.

Ergänzend rät er zu Abendmeditationen, täglicher Tiefenentspannung sowie bewusster Atmung und der Wiederholung von Worten bei akutem Stress. Seine rund 15-minütigen Meditationen werden montags bis samstags um 21 Uhr auf DOMRADIO ausgestrahlt.

Anzeige

Dauerstress und die ständige Erreichbarkeit können das Nervensystem nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringen. Ein kostenloser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Selbstheilungskräfte durch einfache tägliche Übungen stärken und wieder zu mehr Energie finden. Kostenlosen Vagus-Therapie-Report jetzt herunterladen

Wissenschaftliche Belege für den messbaren Nutzen digitaler Pausen liefert zudem eine internationale Studie unter Leitung von Prof. René Riedl von der FH Oberösterreich am Campus Steyr, die im Fachjournal Annals of Tourism Research veröffentlicht wurde.

Bei 23 Personen, die je drei Nächte in abgelegenen englischen Ferienhütten ohne Smartphone und Internetzugang verbrachten, registrierten Sensorarmbänder nach dem Aufenthalt weniger Hautleitfähigkeitsreaktionen als zuvor. Eine dreitägige digitale Auszeit könne demnach Erholung, innere Ruhe und die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen spürbar fördern.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70455710 |