Datenschutz: Reddit zahlt 14,47 Millionen Pfund für Kinderdaten
29.06.2026 - 00:21:22 | boerse-global.de
Im Fokus: Jugendschutz, Suchtdesign und die Einhaltung der DSGVO.
Verfahren gegen TikTok und Meta laufen
Bereits im Februar 2024 leitete die EU ein formales Verfahren gegen TikTok ein. Die Vorwürfe: mangelnder Minderjährigenschutz und ein suchtförderndes Plattformdesign. Ähnliche Untersuchungen unter dem Digital Services Act (DSA) starteten im Frühjahr 2024 gegen Meta und AliExpress.
Die möglichen Strafen sind empfindlich. Meta droht ein Bußgeld von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, falls die Sicherheitsvorkehrungen für Minderjährige nicht ausreichen. Die EU will die Verantwortung der Plattformen für die psychische Gesundheit ihrer Nutzer rechtlich durchsetzen.
Deutsche Behörden prüfen chinesische KI-Apps
Parallel zu den EU-Verfahren untersuchen nationale Datenschutzbeauftragte die Datenpraktiken chinesischer Anwendungen. Im Fokus steht die KI-App DeepSeek. Dieter Kugelmann, der Landesdatenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, kritisiert die Erfassung sensibler Daten wie IP-Adressen, Chat-Protokolle und Tipp-Rhythmen der Nutzer.
Die Prüfungen sind Teil einer breiteren Debatte über die DSGVO-Konformität von Datenübertragungen in Drittstaaten. Ein Präzedenzfall: Die österreichische Datenschutzbehörde stellte bei Microsoft 365 Education fest, dass die Software Schüler unzulässig verfolgte und den geforderten Datenzugriff verweigerte – ein klarer DSGVO-Verstoß.
Reddit muss Millionenstrafe zahlen
Die 14,47-Millionen-Pfund-Strafe gegen Reddit zeigt: Leicht zu umgehende Altersprüfungen werden zum Haftungsrisiko. Unser kostenloser Leitfaden liefert eine DSGVO-Checkliste für Altersverifikation und den korrekten Umgang mit Auskunftsanträgen nach Art. 15. Jetzt Compliance-Leitfaden anfordern
Ein deutliches Signal sendete die britische Datenschutzbehörde ICO: Sie verhängte gegen Reddit eine Geldstrafe von 14,47 Millionen Pfund. Grund war die unrechtmäßige Verarbeitung von Daten von Kindern unter 13 Jahren zwischen Mai 2018 und Juli 2025. Die Behörde bemängelte die leicht zu umgehenden Altersprüfungen.
Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) präzisiert den Datenschutzrahmen. In einem Urteil vom 19. März 2026 (Az. C-526/24) stellte das Gericht klar: Auskunftsanträge nach Artikel 15 DSGVO können als exzessiv gelten, wenn sie missbräuchlich gestellt werden. Schadensersatz nach Artikel 82 DSGVO setzt zudem einen nachweisbaren tatsächlichen Schaden voraus – bloße Befürchtungen reichen nicht.
Altersprüfung: Segen und Fluch zugleich
Viele Staaten setzen auf striktere Alterskontrollen für soziale Medien. Doch das birgt neue Risiken. Die US-Bürgerrechtsorganisation FIRE warnt vor einer „Infrastruktur der Überwachung“ durch verpflichtende Ausweise im Internet. Ein Vorfall in Australien bestätigt die Sorge: Ein Hack einer Drittanbieter-App für Altersprüfungen legte die Daten von rund 70.000 Nutzern offen.
Trotz dieser Risiken verschärfen Länder weltweit ihre Gesetze:
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- Australien verdoppelte die Höchststrafe für systematische Verstöße gegen das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige auf 99 Millionen AUD. Eine Studie im British Medical Journal zeigt jedoch: Solche Verbote werden oft durch Fake-Accounts umgangen.
- Die Türkei verabschiedete ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren. Die Identitätsprüfung erfolgt über staatliche Systeme – Kritiker bemängeln die aufgehobene Anonymität.
In Deutschland fordert die Initiative smarterstartab14.de mit über 15.000 Unterschriften ein Verbot bis zum 16. Lebensjahr. Die Kinderpsychologin Kerstin Paschke vom UKE plädiert für gestufte Regeln. Ihr Argument: Die Algorithmen von Plattformen wie TikTok befördern nachweislich schädliche Inhalte – von toxischer Männlichkeit bis zu gefährlichen Trends.
