Datenschützer Schrems warnt: US-Geheimdienste greifen auf EU-Daten zu
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der bekannte Datenschützer Max Schrems hat sich kritisch zur Sicherheit von Nutzerdaten bei US-amerikanischen Technologiekonzernen geäußert. Im Zentrum seiner Warnung steht die Befürchtung, dass US-Geheimdienste systematisch Zugriff auf Informationen erhalten, sobald diese von Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten verarbeitet werden. Dies gelte unabhängig davon, ob sich die physischen Server in Europa oder in Übersee befinden.
Standortvorteil als rechtliche Illusion
Schrems thematisierte die Problematik insbesondere mit Blick auf das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf im Bezirk Linz-Land. Seiner Einschätzung nach spiele der konkrete Speicherort der Daten – ob in Oberösterreich oder direkt in den USA – rechtlich keine entscheidende Rolle.
Entscheidend sei vielmehr die Unternehmensstruktur des Betreibers. Solange ein US-amerikanisches Unternehmen den Zugriff auf die Daten habe, könnten sich die US-Geheimdienste Einblick verschaffen. Der Speicherort in Kronstorf sei unter diesen Umständen ohne Belang für den tatsächlichen Schutz vor staatlicher Überwachung durch Drittstaaten.
Diese Äußerungen tätigte Schrems im Rahmen des ORF-Oberösterreich-Formats „Auf ein Wort“. Er verdeutlichte dabei, dass die physische Präsenz von Infrastruktur auf europäischem Boden nicht automatisch den Schutzstandard bietet, den viele Nutzer und politische Entscheidungsträger erwarten, sofern die Verfügungsgewalt bei Konzernen aus den USA verbleibt.
Ein Jahrzehnt juristischer Auseinandersetzungen
Max Schrems, der heute 38 Jahre alt ist, blickt auf eine langjährige Geschichte rechtlicher Konflikte mit großen Technologieunternehmen zurück. Der Vorsitzende des in Wien ansässigen Vereins „none of your business“ (noyb) erlangte internationale Bekanntheit, als er vor 15 Jahren noch als Jurastudent gegen den Konzern Facebook klagte.
Dieses Verfahren hatte weitreichende Konsequenzen für den internationalen Datentransfer: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) kippte in der Folge die „Safe Harbour“-Regelung, die bis dahin den Datenaustausch zwischen der EU und den USA legitimiert hatte.
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Die Arbeit des Vereins noyb und die damit verbundenen juristischen Schritte gegen globale IT-Riesen sind für Schrems jedoch mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Aktuellen Berichten zufolge haftet er persönlich für Verfahrenskosten vor dem EuGH in einer Gesamthöhe von 10 Mio. Euro.
Trotz dieser Belastung setzt Schrems sein Engagement für den Datenschutz fort und thematisiert regelmäßig die Spannungsfelder zwischen nationalen Sicherheitsinteressen der USA und europäischen Grundrechten.
Fokus auf Künstliche Intelligenz
Neben den klassischen Fragen des Datentransfers rücken zunehmend neue Technologien in den Fokus der Datenschützer. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).
In diesem Zusammenhang wird Max Schrems am 16. September 2026 in der Arbeiterkammer Linz einen Vortrag halten. Die Veranstaltung widmet sich dem Thema „KI und Datenschutz“ und soll die aktuellen Herausforderungen beleuchten, die durch automatisierte Datenverarbeitung und die Vorherrschaft internationaler Plattformen entstehen.
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Die Warnungen von Schrems unterstreichen die anhaltende Debatte über digitale Souveränität in Europa. Während Investitionen in lokale Infrastruktur oft als Schritt zur Unabhängigkeit gewertet werden, weisen Experten darauf hin, dass die rechtliche Kontrolle über die Datenströme die eigentliche Hürde bleibt.
Die kommenden Auseinandersetzungen dürften zeigen, inwieweit europäische Datenschutzstandards gegenüber den Zugriffsansprüchen ausländischer Nachrichtendienste effektiv durchgesetzt werden können.
