Datenleck IDScan.net: 153 Millionen Führerscheine im Dark Web
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 18:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das FBI New Orleans hat eine offizielle Untersuchung zu einem mutmaßlichen massiven Datenleck bei dem Identitätsdienstleister IDScan.net eingeleitet. Hintergrund der Ermittlungen ist das Auftauchen von rund 153 Millionen Führerscheindaten aus den USA und Kanada auf einer Dark-Web-Plattform namens „Nexus“.
Wie Behördenvertreter Anfang September bestätigten, umfasst der Vorfall auch sensible Informationen hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter und Beamter.
Die Untersuchung wurde am 1. September eröffnet, nachdem Sicherheitsforscher und Journalisten auf den umfangreichen Datensatz aufmerksam geworden waren. Das FBI bestätigte inzwischen, dass die Aktivitäten der Dark-Web-Seite „Nexus“ im Fokus der Ermittlungen stehen.
Der Vorfall gilt aufgrund der schieren Menge und der hohen Qualität der entwendeten Informationen als einer der bedeutendsten Datendiebstähle im Bereich der Identitätsdokumente in der jüngeren Zeit.
Hochwertige Datensätze prominenter US-Amtsträger betroffen
Die auf „Nexus“ angebotenen Informationen gingen weit über einfache Textdaten hinaus. Das Angebot umfasste neben den 153 Millionen Führerscheinen auch 10 Millionen ID-Karten, 3 Millionen Reisedokumente sowie eine Anzahl von Krankenversicherungskarten, die in verschiedenen Berichten mit 579.000 beziehungsweise 580.000 beziffert wird.
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Besonders besorgniserregend ist die technische Beschaffenheit der Daten: Die Scans enthalten Informationen zu UV- und Infrarot-Sicherheitsmerkmalen. Diese sind nach Einschätzung von Fachleuten dazu geeignet, selbst fortgeschrittene Identitätsprüfungen bei Banken und Finanzinstituten zu umgehen.
Unter den kompromittierten Dokumenten befanden sich offenbar auch die Daten prominenter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. So wurde der Führerschein des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth auf der Plattform für einen Preis von 100 US-Dollar zum Kauf angeboten.
Ebenso sollen Informationen eines Assistenzdirektors des FBI Teil des Datensatzes gewesen sein. Der Journalist Brian Krebs, der die Plattform „Nexus“ entdeckte, konnte die Authentizität der Daten verifizieren, indem er Kontakt zu neun betroffenen Personen aufnahm und die Angaben abglich.
Ermittlungen zum Ursprung des Datenlecks dauern an
Während Sicherheitsforscher deutliche Hinweise darauf sehen, dass die Daten aus den Systemen von IDScan.net stammen, hat das Unternehmen selbst den Diebstahl bislang nicht offiziell bestätigt.
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Ein Sprecher des Unternehmens erklärte jedoch, dass man eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet habe und den Hinweisen nachgehe. IDScan.net ist darauf spezialisiert, Identitätsdokumente für Unternehmen zu scannen und zu verifizieren, was die potenziell hohe Qualität der im Dark Web aufgetauchten Scans erklären würde.
Kurz nach der Veröffentlichung der ersten Berichte über das Ausmaß des Lecks wurde die Webseite „Nexus“ offline genommen und war für potenzielle Käufer nicht mehr erreichbar. Ob dies auf eine Intervention der Strafverfolgungsbehörden oder auf eine Reaktion der Betreiber zurückzuführen ist, blieb zunächst unklar.
Die Ermittler des FBI New Orleans konzentrieren sich nun darauf, den Weg der Daten nachzuvollziehen und festzustellen, wie die Angreifer Zugriff auf die hochauflösenden Scans erlangen konnten.
Da die entwendeten Dokumente aufgrund der enthaltenen UV- und Infrarot-Daten für professionelle Fälschungen und komplexen Identitätsbetrug genutzt werden können, stufen Experten die langfristigen Risiken für die betroffenen Bürger und Institutionen als erheblich ein.
