Datencenter-Krise, Projekte

Datencenter-Krise: Bis zu 40 Prozent der Projekte verzögert sich

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 04:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Strommangel, Lieferengpässe und Bürgerproteste gefährden den Bau vieler Rechenzentren. Tech-Konzerne setzen auf Atomkraft und Weltraum-Lösungen.

Datencenter-Krise: Bis zu 40 Prozent der Projekte drohen Verzögerungen
Weitläufiges, modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Server-Racks und digitalem Raster. Silhouette betrachtet Stromnetz-Projektion. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Schuld sind Strommangel, Lieferengpässe und Bürgerproteste.

Die globale Datencenter-Industrie steckt in der Krise. Laut einer Analyse der Investmentbank Bernstein vom 12. Juli sind 35 bis 40 Prozent der angekündigten Kapazitäten von Verzögerungen oder Komplettausfällen bedroht. Besonders betroffen: die großen Knotenpunkte in Nord-Virginia, London und Frankfurt.

Stromnetze am Limit – Wartezeiten von bis zu vier Jahren

Das größte Problem ist schlichtweg der fehlende Strom. In den wichtigsten Datenzentrum-Regionen betragen die Wartezeiten für einen Netzanschluss inzwischen drei bis vier Jahre. Die Kosten für den Bau neuer Rechenzentren sind seit 2023 um 20 bis 25 Prozent gestiegen.

Doch die eigentliche Bremse sitzt tiefer in der Lieferkette. Während die Halbleiterknappheit langsam abklingt, fehlt es an simpler Elektrotechnik. Die Nachfrage nach Spannungswandlern ist seit 2019 um 274 Prozent explodiert. Die Lieferzeiten für diese essenziellen Komponenten betragen je nach Typ zwischen 80 Wochen und fünf Jahren. Ein Grund zur Hoffnung: Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen vermehrt effizientere 800-Volt-Gleichstromsysteme zum Einsatz kommen.

Widerstand wächst – 75 Projekte im Wert von 130 Milliarden Euro gestoppt

Die Branche bekommt zunehmend Gegenwind aus der Bevölkerung. Allein im ersten Quartal 2026 hat sich die Zahl der aktiven Bürgerinitiativen gegen Datenzentren in den USA auf über 800 verdoppelt. 75 Großprojekte im Gesamtwert von umgerechnet rund 130 Milliarden Euro wurden blockiert oder verzögert.

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Zu den spektakulärsten Fällen zählen die Absage eines zwölf Milliarden Euro schweren Campus in Wisconsin und ein gestopptes Projekt in Delaware City. Anwohner und Kommunalpolitiker fürchten vor allem die immensen Stromkosten, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden.

Die US-Bundesstaaten reagieren mit neuen Auflagen:

  • New York verlangt von großen Rechenzentren ab 2040 einen Anteil von 90 Prozent erneuerbarer Energien.
  • Michigan knüpft Steuererleichterungen an die Auflage, binnen sechs Jahren 90 Prozent sauberen Strom zu nutzen.
  • Colorado zwingt Versorger, Großkunden den Bau eigener Ökostromanlagen zu erlauben.

Milliarden für Atomkraft – Tech-Konzerne setzen auf Kernenergie

Trotz aller Widrigkeiten steigen die Investitionen rasant. Die großen Hyperscaler – also Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft – werden 2026 voraussichtlich rund 725 Milliarden Euro in den Bau von Rechenzentren stecken. Das ist ein Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Um die gigantischen Strommengen CO?-neutral zu decken, setzen die Tech-Riesen zunehmend auf Atomkraft. Microsoft hat einen 20-Jahres-Vertrag zur Wiederinbetriebnahme eines Blocks des berüchtigten Three-Mile-Island-Kraftwerks unterzeichnet. Meta sicherte sich langfristige Lieferverträge mit den Nuklearfirmen Vistra, TerraPower und Oklo. Google investiert in kleine modulare Reaktoren (SMRs) von Kairos Power, Amazon in die Projekte X-energy und Energy Northwest.

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Goldman Sachs rechnet vor: Der KI-Boom wird den Strombedarf der Rechenzentren bis 2030 um 160 Prozent steigen lassen. Dann könnten die Anlagen zehn Prozent des gesamten US-Stroms verbrauchen.

Ausweg aus dem Orbit? – SpaceX plant Satelliten-Rechenzentren

Die Probleme am Boden treiben Unternehmen zu radikalen Lösungen. SpaceX arbeitet am Projekt Starmind: Bis zu eine Million solarbetriebene Satelliten sollen künftig KI-Berechnungen im All durchführen. Der Vorteil: Keine Kühlung nötig, keine Grundstückskonflikte, keine lokalen Baugenehmigungen.

Kurzfristig reagieren die Marktteilnehmer pragmatischer. Meta etwa will überschüssige Kapazitäten über seine Cloud-Sparte an externe Kunden vermieten. Die Bernstein-Analysten bleiben für die Zeit nach 2027 optimistisch – vorausgesetzt, die Stromnetze werden endlich ausgebaut.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

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