Datenaustausch, Status

Datenaustausch im ÖGD: 57,5 Prozent bewerten den Status quo kritisch

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
80 Prozent der befragten Führungskräfte halten gemeinsame Standards und kompatible Systeme für unverzichtbar; der Datenaustausch bleibt meist mangelhaft.
Ein minimalistischer, moderner Flur in einem Gesundheitszentrum mit klaren architektonischen Linien und neutralen Grautönen. Illustration mit AI erstellt.

Einheitliche Standards und interoperable Systeme gelten unter Führungskräften als zentrale Voraussetzung für die weitere Digitalisierung im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD).

Wie aus einer Untersuchung der ]init[ AG in Zusammenarbeit mit der INNOFACT AG hervorgeht, über die am 3. November 2026 berichtet wurde, stufen 80 Prozent der befragten Entscheidungsträger diese Faktoren als unverzichtbare Grundlage für künftige Fortschritte ein.

Zugleich offenbart die Erhebung erhebliche Lücken im aktuellen Datenaustausch sowie eine deutliche Kluft zwischen dem erkannten Nutzen von Prozessstrukturen und deren tatsächlicher Beachtung.

Diskrepanz zwischen wahrgenommenem Nutzen und Beachtung

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutliche Unterschiede zwischen den als wirksam eingestuften Maßnahmen und den Themen, die im Arbeitsalltag die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Während 97 Prozent der Befragten einheitlichen Workflows einen hohen Nutzen zuschreiben, finden diese lediglich bei 10 Prozent entsprechende Beachtung.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Befähigungs- und Veränderungsmanagement: 96 Prozent der Führungskräfte erkennen den Nutzen an, aber nur 7 Prozent verzeichnen hierfür eine starke Beachtung. Cloud-Lösungen und modernisierte IT-Architekturen bewerten 84 Prozent als nützlich, während sie in der Praxis bei 7 Prozent im Fokus stehen.

Der aktuelle Diskurs wird der Erhebung zufolge primär von anderen Schwerpunkten dominiert. Im Vordergrund stehen demnach Einzelprojekte mit 67 Prozent, gefolgt von Künstlicher Intelligenz mit 46 Prozent und allgemeinen Zukunftstechnologien mit 44 Prozent. Dagegen finden grundlegende strukturelle Themen weniger Raum: Prozessoptimierung liegt bei 44 Prozent, Datenqualität bei 40 Prozent und Interoperabilität ebenfalls bei 40 Prozent.

Anzeige

Wer sich mit der Digitalisierung von Behörden befasst, muss auch die rechtlichen Leitplanken beim Einsatz neuer Technologien kennen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Verwaltungen KI 2026 nutzen können, ohne die Rechtsstaatlichkeit oder Entscheidungskompetenz zu gefährden. KI-Leitfaden für den öffentlichen Dienst gratis herunterladen

Schlechte Noten für den aktuellen Datenaustausch

Der Status quo beim Informationsfluss wird von den Akteuren überwiegend kritisch beurteilt. Rund 57,5 Prozent der Befragten bewerten den aktuellen Datenaustausch als weniger gut oder gar nicht gut. Lediglich 3,8 Prozent bezeichnen die gegenwärtige Situation als gut.

Hinsichtlich der größten Defizite zeigen sich je nach Sektor unterschiedliche Schwerpunkte: Im Öffentlichen Gesundheitsdienst werden vor allem Defizite bei einheitlichen Standards ausgemacht. Bei Public-Health-Institutionen wird die Datenqualität als größte Schwachstelle gesehen, während Leistungserbringer insbesondere Hürden bei der Prozessoptimierung verzeichnen.

Die Erhebung wurde von der INNOFACT AG im Zeitraum vom 16. Juli bis zum 17. August 2026 als computergestützte telefonische Befragung durchgeführt. An der nicht repräsentativen Studie nahmen 106 Führungskräfte teil, darunter 30 Personen aus dem ÖGD und den Landesgesundheitsämtern, 26 aus Public-Health-Institutionen sowie 50 Leistungserbringer.

Anzeige

Moderne Verwaltungsführung bedeutet heute, den Überblick zwischen technologischem Wandel und komplexen Zuständigkeiten zu behalten. Ein praxisnaher Ratgeber unterstützt Führungskräfte dabei, ihren Amtsalltag wirkungsvoll, rechtssicher und strukturiert zu gestalten. Kostenlosen Führungsleitfaden für die Verwaltung sichern

Nationale und internationale Standardisierungsdebatte

Die in der Untersuchung genannten Problemfelder spiegeln breitere Herausforderungen im europäischen Gesundheitswesen wider. So betont beispielsweise die schwedische E-hälsomyndigheten, dass Interoperabilität die Grundvoraussetzung für nationale digitale Infrastrukturen darstelle und Daten nicht nur austauschbar, sondern auch für alle beteiligten Stellen verständlich und nutzbar sein müssten.

Auf europäischer Ebene wird dieser Rahmen durch Initiativen wie den Europäischen Gesundheitsdatenraum weiter forciert, der verbindliche Vorgaben für den grenzüberschreitenden Austausch und gemeinsame Formate etabliert.

Für den deutschen ÖGD verdeutlicht die aktuelle Untersuchung, dass der Erfolg digitaler Vorhaben maßgeblich davon abhängt, ob neben Pilotprojekten und neuen Technologien auch die strukturellen Grundlagen bei Datenqualität, Standards und Arbeitsabläufen geschaffen werden.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70453367 |