Daten-Agenten: Tech-Konzerne steuern Datenbanken per Sprache
06.06.2026 - 10:43:05 | boerse-global.de
Sie steuern Datenbanken per natürlicher Sprache und schließen die wachsende Lücke zwischen rasanter KI-Einführung und mangelnder Datenqualität.
Datenqualität als Achillesferse der KI-Revolution
Informatica kündigte am 4. Juni ein umfassendes Plattform-Update an. Der Konzern bringt einen „Data Quality Agent" und sogenannte „Headless Data Management"-Funktionen auf den Markt. Weitere KI-Integrationen und Tools zur Metadaten-Anreicherung sollen im vierten Quartal 2026 folgen.
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Der Schritt kommt nicht von ungefähr. Eine aktuelle Umfrage unter Chief Data Officers zeigt: 76 Prozent der Datenverantwortlichen glauben, dass ihre Governance-Strukturen mit der KI-Entwicklung nicht Schritt halten. 61 Prozent sehen dringenden Nachholbedarf bei der Datenqualität, bevor KI-Anwendungen produktiv eingesetzt werden können.
Amazon Web Services zog am selben Tag nach. Der Cloud-Riese veröffentlichte den SageMaker Data Agent für seinen Unified Studio Query Editor. Das Tool übersetzt natürliche Sprachbefehle automatisch in SQL-Code. Es greift dabei auf Metadaten aus dem AWS Glue Data Catalog zurück und ermöglicht mehrstufige Dialoge zur Verfeinerung von Abfragen für Dienste wie Amazon Redshift und Amazon Athena.
Chat statt Datenbank-Abfragen
Die Softwarebranche ersetzt zunehmend klassische Datenbank-Schnittstellen durch Chat-basierte Automatisierung. Manus präsentierte am 5. Juni einen neuen Airtable-Connector. Nutzer verwalten ihre Datenbanken künftig per Sprachbefehl – von der Pipeline-Anreicherung bis zur Inventar-Aktualisierung. Airtable selbst wurde im Dezember 2021 in einer Series-F-Runde mit 11,7 Milliarden Dollar bewertet.
Bereits einen Tag zuvor hatte Manus eine Shopify-Integration vorgestellt. Händler können damit komplette Online-Shops per Chat-Schnittstelle aufbauen und verwalten. Die KI übernimmt den Store-Aufbau, während Shopify die Zahlungsabwicklung und Logistik im Hintergrund steuert.
Auch ZoomInfo mischt mit. Der Datenanbieter launchte am 5. Juni einen nativen Connector für Anthropics Claude. Die Integration bringt Vertriebsdaten von 100 Millionen Unternehmen und 500 Millionen Kontakten direkt in die KI-Umgebung.
Fusionen und neue Standards
Der Datenbank-Management-Sektor konsolidiert sich. Fivetran bestätigte am 5. Juni den Abschluss seiner Fusion mit dbt Labs – ein reiner Aktientausch, der erstmals im Oktober 2025 angekündigt worden war. Das gemeinsame Unternehmen, das zunächst als Fivetran + dbt Labs firmiert, bedient über 100.000 Data-Teams. Erste Ergebnisse: ein offenes „Agents Schema" und ein neuer KI-Assistent.
OneStream brachte am selben Tag einen Snowflake-Connector auf den Markt. Die Brücke zwischen Finanzplattformen und der Snowflake Data Cloud adressiert ein brisantes Problem: Laut unternehmenseigenen Studien haben 47 Prozent der Führungskräfte bereits Entscheidungen auf Basis falscher Daten getroffen. 62 Prozent nutzen KI-Daten aus unkoordinierten Systemen.
Pinecone erweiterte seine Integrationsmöglichkeiten und verband seine Nexus-Plattform mit Microsoft OneLake. KI-Agenten können nun mit einer speziellen Sprache namens KnowQL auf Unternehmensdaten zugreifen. Pinecone verspricht deutlich schnellere Aufgabenabwicklung und geringeren Token-Verbrauch.
Spezialisierte Agenten für Compliance und Wissenschaft
Der Trend zu „agentischen" Workflows erfasst auch Spezialbereiche. Veeam stellte am 5. Juni drei KI-Agenten für seine DataAI Command Platform vor. Sie automatisieren Datenschutz-Governance. Ein „Consent Agent" ist sofort verfügbar, weitere Tools für die Bearbeitung von Betroffenenanfragen folgen im dritten Quartal 2026. Der Hintergrund: Verstöße gegen bestimmte globale Datenschutzregelungen können inzwischen mit Strafen von bis zu sieben Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden.
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RudderStack zog am 4. Juni mit RudderAI nach. Die Suite umfasst fünf spezialisierte Agenten für Aufgaben wie Codebase-Audits und Pipeline-Debugging.
Im Wissenschaftsbereich sicherte sich das Startup Lium (ehemals Astromind) am 4. Juni 5,5 Millionen Dollar in einer Seed-Finanzierungsrunde. Das Unternehmen hat ein „agentisches Geschirr" entwickelt, das große Sprachmodelle befähigt, komplexe wissenschaftliche Daten zu verarbeiten – darunter Satellitenbilder und seismische Aufzeichnungen. Zu den Kunden zählt das North Carolina Institute for Climate Studies.
Ein Meilenstein in der Datenarchitektur markierte bereits der 5. Mai 2026: Cohesity erhielt ein US-Patent für eine Retrieval-Augmented-Generation-Architektur (RAG) auf Basis von Backup-Daten. Die Technologie erlaubt es Unternehmen, generative KI-Anwendungen direkt gegen sekundäre Datensysteme laufen zu lassen – ohne große Datenmengen verschieben oder duplizieren zu müssen.
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