Darmpilze: Malassezia fördert Neurodermitis und Asthma
25.06.2026 - 00:01:26 | boerse-global.de
Forscher fanden einen klaren Zusammenhang zwischen der Pilzbesiedlung im Säuglingsdarm und späteren Allergien.
Malassezia – ein unterschätzter Risikofaktor
Wissenschaftler der University of British Columbia analysierten im Rahmen der CHILD Cohort Study über 2200 Stuhlproben von 1409 Kindern. Ihr Befund: Der Darmpilz Malassezia trat bei Säuglingen, die später eine Neurodermitis entwickelten, signifikant häufiger auf.
Die Ergebnisse veröffentlichte das Team im Juni 2026 in Nature Communications. Parallel dazu untersuchten Forscher der University of Calgary die Ursachen für das verstärkte Pilzwachstum. Schuld war demnach oft eine Antibiotika-Gabe bei Säuglingen unter sechs Monaten.
In Mausversuchen bestätigte sich der Verdacht: Eine Malassezia-Besiedlung verstärkte allergische Entzündungen – sowohl im Darm als auch in den Atemwegen.
Für die rund 30 Prozent der Menschen in Deutschland, die im Laufe ihres Lebens eine Allergie entwickeln, könnten diese mikrobiellen Marker neue Therapieansätze eröffnen.
Wenn pflanzliche Proteine zur Gefahr werden
Nicht nur Pilze, auch die Wechselwirkung von Nahrungsmitteln mit dem Immunsystem rückt in den Fokus. Eine Studie des Forschungszentrums Borstel untersuchte die Allergenität der Gelben Lupine. Die Ergebnisse erschienen ebenfalls im Juni 2026 in Scientific Reports.
Die Forscher entdeckten: Lipidtransferproteine binden Fettmoleküle wie Phosphatidylglycerol. Diese Verbindung verstärkt die Aktivierung basophiler Granulozyten – Immunzellen, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind.
Für die über drei Millionen Menschen mit Nahrungsmittelallergien in Deutschland ist das ein wichtiger Hinweis. Die Bindung von Lipiden an Allergene könnte entscheidend für die Intensität einer Immunreaktion sein.
Epigenetik: Die Verbindung von Genen und Darmflora
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Wie interagieren genetische Steuerung und Mikrobiom schon vor der Geburt? Forscher der Chinese University of Hong Kong gingen dieser Frage nach. Sie untersuchten bei 571 Säuglingen die DNA-Methylierung im Nabelschnurblut und setzten sie in Relation zur Darmflora im ersten Lebensjahr.
Das Ergebnis: Eine höhere Methylierung immunrelevanter Gene korrelierte mit einer geringeren Diversität der Darmflora. Mit drei Jahren zeigten sich zudem Zusammenhänge zwischen bestimmten epigenetischen Markern, spezifischen Bakterienarten wie Lachnospira pectinoschiza und Verhaltensauffälligkeiten.
Die Botschaft der Wissenschaftler: Eine stabile mikrobielle Besiedlung ist für die gesamte kindliche Entwicklung entscheidend.
Neues Großprojekt untersucht Umweltgifte
Im Juli 2026 startet das Projekt EMVIC. Es soll die komplexen Einflüsse von Schadstoffen auf das Immunsystem entschlüsseln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben mit 1,2 Millionen Euro.
Die Forscher untersuchen, wie PFAS, Phthalate oder Bisphenol A zusammen mit Stress und Ernährung das Mikrobiom von Schwangeren und Jugendlichen verändern. Die Medizinische Hochschule Hannover ist mit rund 295.000 Euro beteiligt und nutzt Daten der LiNA-Kohorte des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Darmmikrobiom, Impfstatus und Infektionsanfälligkeit – etwa bei Masern oder SARS-CoV-2 – zu klären.
Granatapfel als Schutz für die Darmbarriere
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Einen Hoffnungsschimmer liefert die Natur: Aktuelle Arbeiten in Nature Communications zeigen, dass Urolithin A die Darmbarriere stärken kann. Die Verbindung entsteht beim Verzehr von Granatäpfeln oder Walnüssen.
Forscher der University of Louisville fanden heraus: Urolithin A aktiviert spezifische Rezeptoren in den Epithelzellen und stimuliert das NLRP6-Inflammasom. Das wirkt chronischen Entzündungen entgegen – und eröffnet neue Präventionsmöglichkeiten für Darmerkrankungen.
