Darmmikrobiom, Veganer

Darmmikrobiom: Veganer kommen auf 12 Prozent Protein, Omnivore auf 17

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vegane Teilnehmende hatten weniger bakterielle Vielfalt, zugleich aber günstigere Stoffwechselwerte und mehr ballaststoffabbauende Bakterien.
Nahaufnahme verschiedener roher Hülsenfrüchte und Getreidesorten auf einem hölzernen Untergrund bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine pflanzenbasierte Ernährung gilt gemeinhin als förderlich für die Vielfalt des Mikrobioms. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Kopenhagen liefert nun jedoch differenzierte Ergebnisse: Trotz einer hohen Aufnahme von Ballaststoffen wiesen sich vegan ernährende Personen im Durchschnitt eine geringere bakterielle Diversität im Darm auf als Menschen mit einer omnivoren Ernährungsweise.

Die Forschungsarbeit des Novo Nordisk Foundation Center for Basic Metabolic Research, die im Fachjournal „Microbiome“ publiziert wurde, überraschte das Team um den Studienleiter Oluf Borbye Pedersen, da ursprünglich von einer höheren Artenvielfalt bei Veganern ausgegangen worden war.

Für die Erhebung wurden Stuhl-, Blut- und Urinproben von 150 gesunden dänischen Erwachsenen analysiert, aufgeteilt in 75 vegan und 75 omnivor lebende Personen.

Die Proteinzufuhr als möglicher Einflussfaktor

Bei der Analyse der Ernährungsmuster zeigten sich deutliche Unterschiede in der Makronährstoffverteilung. Während Veganer vermehrt Kohlenhydrate und Ballaststoffe konsumierten und weniger Fett zu sich nahmen, deckte Protein bei ihnen durchschnittlich 12 Prozent der täglichen Energiezufuhr. Bei den Omnivoren lag dieser Wert hingegen bei 17 Prozent.

Anzeige

Blutwerte geben oft den entscheidenden Hinweis darauf, wie sich die tägliche Ernährung tatsächlich auf die Stoffwechselprozesse im Körper auswirkt. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst richtig zu deuten und mögliche Defizite frühzeitig zu erkennen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos anfordern

Die Daten legen nahe, dass die geringere Proteinzufuhr eine mögliche Erklärung für die beobachteten Unterschiede im Mikrobiom darstellen könnte. So erreichten jene Veganer, die die höchste Proteinzufuhr innerhalb ihrer Gruppe aufwiesen, eine bakterielle Diversität, die dem Niveau der Mischköstler entsprach.

Positive Stoffwechselmarker und spezialisierte Bakterien

Trotz der geringeren Gesamtvielfalt an Bakterienarten zeigte die vegane Gruppe in anderen Bereichen deutliche gesundheitliche Vorteile. Bei den Veganern wurden vermehrt Ballaststoff-abbauende Bakterien sowie höhere Anteile von Blastocystis nachgewiesen, einem Mikroorganismus, der mit niedrigerem Blutdruck assoziiert ist.

Darüber hinaus fielen die kardiometabolischen Blutwerte bei den pflanzlich lebenden Teilnehmern günstiger aus: Sie wiesen niedrigere Blutzuckerwerte sowie ein geringeres LDL-Cholesterin auf. Zudem ließen sich bei ihnen weniger Entzündungsmarker und eine geringere Zahl weißer Blutkörperchen feststellen.

Anzeige

Wer sich mit dem Einfluss der Nahrung auf Entzündungswerte und Blutzucker befasst, sollte die Bedeutung stiller Entzündungen für das Wohlbefinden kennen. Ein spezieller Ratgeber liefert einen Selbsttest sowie die 12 stärksten natürlichen Entzündungs-Killer für Ihren Alltag. Kostenlosen Ratgeber für antientzündliche Ernährung sichern

Methodische Grenzen und Ernährungsempfehlungen

Fachleute weisen darauf hin, dass es sich um eine kleine Beobachtungsstudie handelt. Derartige Untersuchungen können statistische Zusammenhänge aufzeigen, belegen jedoch keine Kausalität. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen einer niedrigen Proteinzufuhr und einer reduzierten Diversität ist damit nicht bewiesen.

Studienleiter Pedersen erklärte, dass sich aus den Daten derzeit keine konkreten Ernährungsempfehlungen ableiten ließen. Dennoch sollten Veganer auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten. Als pflanzliche Eiweißquellen werden unter anderem Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Quinoa, Hanfsamen, Chiasamen sowie Mandeln und andere Nüsse genannt.

Die Ergebnisse der Untersuchung regen zudem zu einer Neubewertung bisheriger Annahmen in der Mikrobiomforschung an. Die Darmgesundheit hängt den Wissenschaftlern zufolge möglicherweise nicht allein von der reinen Anzahl der vorhandenen Bakterienarten ab, sondern maßgeblich von deren funktioneller Effizienz. Die absolute mikrobielle Diversität fungiere demnach nicht zwingend als alleiniger Maßstab für einen gesunden Darm.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70453407 |