Darmmikrobiom, Bewertungsmethode

Darmmikrobiom: Neue Bewertungsmethode erfasst Funktionsverlust bei Krankheiten

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 04:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Prof. Kim Hee-nams Bewertungsrahmen berücksichtigt neben fehlenden Bakterien auch beeinträchtigte Funktionen und könnte Diagnostik sowie Therapien präzisieren.
Nahaufnahme einer Petrischale mit organischen mikrobiellen Wachstumsmustern in einem Labor. Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung des menschlichen Mikrobioms stand lange vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche Bakterienarten im Darm vorhanden sind oder fehlen. Ein am 15. Oktober 2026 im Fachjournal Gut Microbes mit einem Impact Factor von 15,3 veröffentlichtes Fachpapier von Prof. Kim Hee-nam von der Korea-Universität rückt nun einen erweiterten Blickwinkel in den Fokus.

Die Arbeit mit dem Titel „Functionally Declining Microbiota in Chronic Disease: Beyond Taxonomic Loss“ stellt ein Bewertungsmodell vor, das neben dem reinen taxonomischen Verlust auch die funktionelle Beeinträchtigung verbleibender Mikroben bei chronischen Krankheiten erfasst.

Erweiterung bestehender Hypothesen zur Mikrobiom-Verarmung

Der von Kim vorgeschlagene Rahmen knüpft an frühere Konzepte der mikrobiologischen Forschung an. Konkret baut das Modell auf der bekannten Hypothese der mikrobiellen Verarmung auf, die von Martin Blaser aus den USA formuliert wurde.

Während klassische Ansätze primär analysieren, ob bestimmte Bakterienstämme im Verdauungstrakt mengenmäßig abnehmen oder komplett verschwinden, geht das neue Konzept einen Schritt weiter. Demnach können Bakterien im Darm zwar weiterhin physisch nachweisbar sein, ihre gesundheitsfördernden oder regulierenden Eigenschaften jedoch infolge von Umwelt- oder Medikationseinflüssen teilweise oder vollständig verloren haben.

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Funktionelle Einbußen bei Akkermansia und Faecalibacterium

Als zentralen Beleg für derartige funktionelle Verluste führt das Fachpapier wissenschaftliche Untersuchungen an bestimmten Bakteriengattungen an. Eine Publikation von Han et al. aus dem Jahr 2025 im Journal Microbiome verdeutlichte diesen Mechanismus am Beispiel des Bakteriums Akkermansia muciniphila.

In entsprechenden Tiermodellen wies eine Mutante, die zuvor Antibiotika ausgesetzt war, eine stark reduzierte Wirkung bei der Linderung von Adipositas auf, obwohl die mikrobielle Präsenz weiterhin gegeben war.

Ein weiteres im Papier detailliertes Beispiel betrifft die Gattung Faecalibacterium. Bei Kindern, die an atopischer Dermatitis leiden, zeigte sich ein gestörtes Gleichgewicht zwischen vorteilhaften und potenziell schädlichen Stämmen.

Ergänzend dazu dokumentierten Studien von Song et al. aus dem Jahr 2016 im Journal JACI sowie von Lee et al. aus dem Jahr 2025 in Microbiome, dass mütterliche Mikrobiomveränderungen bei Nachkommen Symptome auslösen konnten, die einer atopischen Dermatitis ähneln. Diese Effekte wurden insbesondere durch einen Mangel an Ballaststoffen zusätzlich verstärkt.

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Neue Ansätze für Diagnostik und zielgerichtete Therapien

Das von Prof. Kim Hee-nam formulierte Konzept zielt darauf ab, die klinische Herangehensweise an chronische Leiden grundlegend weiterzuentwickeln. Indem nicht mehr allein die bloße Zusammensetzung der mikrobiellen Flora bestimmt wird, sollen künftig präzisere Biomarker etabliert werden, die den tatsächlichen Funktionszustand der Darmmikroben messen.

Auf dieser Basis könnten neuartige therapeutische Strategien entstehen. Statt wie bei gängigen Behandlungsformen lediglich zu versuchen, fehlende Bakterienstämme pauschal zu ersetzen, liegt der Fokus des neuen Rahmens auf Interventionen, die gezielt beeinträchtigte mikrobielle Funktionen im Organismus wiederherstellen.

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