Darmmikrobiom bei Herzinsuffizienz: Bakterienprofil unterscheidet Patienten mit AUC 0,95
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend den Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Darmmikrobioms und der kardiovaskulären Gesundheit.
Eine aktuelle multi-omische Studie, über die Ende September 2026 in Nature Cardiovascular Research berichtet wurde, liefert neue belege dafür, wie spezifische mikrobielle Profile mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz (HF) bei Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie (NICM) verknüpft sind.
Mikrobiom-Signaturen und klinische Verläufe bei Herzinsuffizienz
Die Analyse der Darmflora von HF-Patienten zeigt signifikante Unterschiede gegenüber gesunden Kontrollgruppen. In der Untersuchung wurde eine verminderte Alpha-Diversität sowie eine Reduktion anti-inflammatorischer Mikroben festgestellt.
Insbesondere Keime wie Bifidobacterium und verschiedene Produzenten kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) – darunter Gattungen wie Lachnospiraceae, Anaerobutyricum, Anaerostipes, Blautia und Lachnospira – traten in geringerer Konzentration auf. Im Gegensatz dazu zeigten sich Bakterien der Gattungen Prevotella und Sutterella vermehrt.
Ein integriertes Modell, das diese mikrobiellen Daten nutzt, konnte HF-Patienten mit einer Genauigkeit von AUC = 0,95 von Gesunden unterscheiden. In Follow-up-Untersuchungen, die nach durchschnittlich 6 Monaten bei 26 Patienten und nach durchschnittlich 27 Monaten bei 51 Patienten durchgeführt wurden, korrelierte eine höhere Abundanz von Bifidobacterium mit einem milderen Krankheitsverlauf und klinischen Verbesserungen.
Als möglicher zugrunde liegender Mechanismus wird die Produktion von Indol-3-propionsäure (IPA) diskutiert. Die Forscher wiesen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse auf einer kleinen, überwiegend männlichen und weißen Single-Center-Kohorte basieren.
Chronische Entzündungen als Risikofaktor für die Herzstruktur
Ergänzend zur Rolle des Mikrobioms verdeutlicht eine großangelegte Studie des Imperial College London den Einfluss chronischer Entzündungen auf das Herz. Auf Basis von Daten von 488.079 Erwachsenen aus der UK Biobank wurde der Entzündungsmarker GlycA untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine chronische niedriggradige Entzündung direkt mit strukturellen Veränderungen des Herzens korreliert.
Demnach weisen Personen mit erhöhten GlycA-Werten im Durchschnitt kleinere Herzkammern, dickere Herzwände und einen geringeren Blutauswurf pro Herzschlag auf.
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Probanden mit den höchsten Entzündungswerten trugen ein um 43 % höheres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu jenen mit den niedrigsten Werten. Dieser Zusammenhang erwies sich als besonders deutlich bei Patienten mit hoher psychischer Belastung oder sozialer Benachteiligung.
Systemische Zusammenhänge und präventive Ansätze
Die Forschung erstreckt sich zudem auf die Interaktion zwischen Krankheitserregern und Gewebestrukturen. Wissenschaftler der Charité Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin entschlüsselten laut einem Bericht vom September 2026 die Signalkette, über die der Keim Helicobacter pylori die Magenschleimhaut umbaut.
Durch die Ausschüttung von Interleukin-1? werden Bindegewebszellen aktiviert, was die Schleimhaut in einen unkontrollierten Reparaturmodus versetzt. Gastroenterologen empfehlen daher, Risikopatienten konsequent auf den Keim zu testen und bei positivem Befund antibiotisch zu behandeln.
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Zur Unterstützung eines gesunden Mikrobioms, das je nach Lebensweise 150 bis 450 Keimstämme umfasst, raten Ernährungsmediziner zu einer täglichen Zufuhr von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen.
Präbiotische Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, Artischocken und insbesondere unreife grüne Bananen – die mit 12 Gramm pro 100 Gramm eine hohe Menge an resistenter Stärke liefern – fördern die bakterielle Vielfalt.
Studien deuten zudem darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Mandeln oder ein Esslöffel Leinsamen täglich die Anzahl gesundheitsförderlicher Bakterienstämme bereits innerhalb weniger Wochen signifikant erhöhen kann. Ein gestörtes Mikrobiom steht nachweislich in engem Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten.
