Darmmikrobiom, Bakterienvielfalt

Darmmikrobiom: Bakterienvielfalt entscheidet über Therapieerfolg

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 05:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen die Darmflora mit Therapieerfolgen bei Hautkrankheiten. Digitale Verfahren und neue Wirkstoffe sollen Vorhersagen verbessern.

Darmmikrobiom beeinflusst Therapien bei chronischen Hauterkrankungen
Mikroskopische Aufnahme organischer Zellstrukturen als Symbol für die mikrobielle Vielfalt im menschlichen Körper. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen weisen eine deutliche Korrelation zwischen der individuellen Zusammensetzung des Darmmikrobioms und der Wirksamkeit medizinischer Behandlungen bei chronischen Hauterkrankungen auf. Verschiedene Forschungsprojekte belegen, dass die bakterielle Vielfalt im Darm maßgeblich darüber entscheiden kann, ob Patienten auf Therapien wie Akupunktur oder Biologika ansprechen.

Mikrobiom als Indikator für den Erfolg von Akupunktur

Forscher des Koreanischen Medizinzentrums der Kyung Hee University untersuchten im Rahmen einer klinischen Studie die Auswirkungen der Darmflora auf die Behandlung von Atopischer Dermatitis.

An der Untersuchung nahmen 43 Patienten teil, von denen 29 eine echte Akupunkturbehandlung und 14 eine Scheinakupunktur erhielten. Innerhalb der Gruppe, die mit echter Akupunktur behandelt wurde, identifizierten die Wissenschaftler 15 sogenannte Responder, bei denen die Therapie ansprach, sowie 14 Non-Responder.

Die Ergebnisse, die im Fachjournal Microbiology Spectrum veröffentlicht wurden, zeigen signifikante Unterschiede in der Mikrobiom-Zusammensetzung beider Gruppen. Demnach verfügten die Responder über ein stabileres Darmmikrobiom und einen höheren Anteil an Mikroben mit entzündungshemmenden Eigenschaften.

In einem ergänzenden Mausmodell bestätigte das Forschungsteam diese Beobachtungen: Eine Transplantation des Mikrobioms von Respondern führte zu einer Reduktion von Hautläsionen, einer verringerten Dicke der Epidermis sowie sinkenden Entzündungswerten. Das Projekt wurde von der Koreanischen Forschungsstiftung gefördert.

Technologische Ansätze zur Analyse der Haut-Darm-Achse

Parallel zu klinischen Studien treibt die Industrie die Entwicklung digitaler Analysewerkzeuge voran. Das Unternehmen CJ Bioscience schloss am 24. März 2026 eine Kooperationsvereinbarung mit der Beauty On Clinic (Filiale Dolgoti), um den Zusammenhang zwischen Hauttyp und Darmmikrobiom bei koreanischen Erwachsenen weiter zu erforschen. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Anwendung der Analyseplattform „GUT INSIDE“.

Dieses System nutzt Next-Generation Sequencing (NGS) und künstliche Intelligenz, um einen speziellen Darmgesundheitsindex (GMI), den Darmtyp sowie die Diversität der Mikroben zu bestimmen. Ziel der Partnerschaft ist es, wissenschaftliche Evidenz für die sogenannte Haut-Darm-Achse zu generieren und die Analyse direkt in der Patientenversorgung zu testen.

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Digitale Biomarker und immunologische Forschung in Deutschland

Auch in Deutschland widmet sich die Forschung der Vorhersage von Therapieerfolgen bei schweren Hauterkrankungen. Am Uniklinikum Würzburg untersucht das Projekt HS-ORIGINS unter der Leitung von Prof. Dr. Astrid Schmieder immunologische und digitale Muster bei der Erkrankung Hidradenitis suppurativa (HS).

Da laut Studienlage nur etwa jeder zweite Patient ausreichend von Biologika wie IL-17- und TNF-?-Blockern profitiert, ist die frühzeitige Identifikation von Rückfallmustern von hoher klinischer Relevanz.

Das Projekt wird von Sanofi gefördert und nutzt die Smartphone-App „Wunderkint“. Diese soll mithilfe von künstlicher Intelligenz zu sogenannten Rückfallkarten weiterentwickelt werden.

Die Forscher erhoffen sich dadurch die Identifikation von Biomarkern, mit denen das Ansprechen auf eine Therapie und mögliche Rückfälle präzise vorhergesagt werden können. Die Prävalenz von HS liegt Schätzungen zufolge bei 0,4 %, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.

Neue therapeutische Ansätze und präventive Ernährung

Ergänzend zu den Untersuchungen des Mikrobioms werden Fortschritte bei der Behandlung von Entzündungsprozessen gemeldet. Das Unternehmen GC Green Cross Wellbeing veröffentlichte Studienergebnisse zu „RaiNec“, einem humanen Plazenta-Hydrolysat. In einem Mausmodell zur Atopischen Dermatitis konnte der IgE-Wert um 27 % gesenkt werden, während der Filaggrin-Wert um 31 % stieg.

Eine weitere Studie in der Fachzeitschrift Pharmaceuticals belegte eine Hemmung entzündlicher Zytokine wie TNF-?, IL-6 und IL-1? um bis zu 75 %. Zudem wurde eine Schmerzlinderung beobachtet, die bis zu 25 % über den Werten herkömmlicher Vergleichspräparate lag.

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Neben der klinischen Forschung betonen Experten auch die Rolle der Ernährung für die Hautgesundheit. Die Ernährungsberaterin Rakhi Roy Chowdhury berichtete von einer deutlichen Verbesserung ihres Hautbildes nach etwa sechs Wochen durch eine entzündungshemmende Diät. Sie empfahl eine tägliche Ballaststoffzufuhr von 30 Gramm und die Einhaltung einer 80/20-Regel beim Konsum von Zucker und Alkohol, um die Darmgesundheit langfristig zu stabilisieren. Dennoch blieben externe Faktoren wie Staub oder Pollen weiterhin potenzielle Auslöser für Schübe.

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