Darmkrebs, Immuntherapie

Darmkrebs: Immuntherapie erreicht 86,3% krankheitsfreies Überleben

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studiendaten zeigen bessere krankheitsfreie Überlebensraten durch Immuntherapie, während Risikofaktoren und der Vorsorgebeginn diskutiert werden.

Darmkrebs: Immuntherapie und Roboterchirurgie machen Fortschritte
Ein minimalistisches, helles medizinisches Forschungslabor mit modernen Edelstahleinrichtungen und weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Fachwelt richtet den Fokus verstärkt auf die Bedeutung einer rechtzeitigen Früherkennung sowie den Einsatz moderner Therapiemethoden zur Bekämpfung von Darmkrebserkrankungen. Aktuelle Daten und klinische Studien unterstreichen dabei den rasanten Fortschritt in der Behandlung, der insbesondere durch die Immuntherapie und innovative chirurgische Verfahren vorangetrieben wird.

Fortschritte in der Immuntherapie und robotischen Chirurgie

Im Rahmen des Fachkongresses der European Federation for ColoRectal Cancer (EFR), der vom 10. bis zum 12. September 2026 im Teaching Center der MedUni Wien stattfand, tauschten sich Fachleute aus 28 Ländern über neue Ansätze aus.

Unter dem Motto „Über die Grenzen: Von Mikrobiologischer Forschung bis zu Roboterchirurgie“ wurde die Entwicklung der letzten Jahre bilanziert. Der Chirurg Bela Teleky konstatierte in diesem Zusammenhang, dass die Behandlung in den vergangenen fünf Jahren mehr Fortschritte erzielt habe als in den vorangegangenen fünf Jahrzehnten.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind neue Studienergebnisse zur medikamentösen Therapie. Die ATOMIC-Studie, eine Phase-III-Untersuchung mit 721 Personen, die an einem resezierten Adenokarzinom des Kolons im Stadium III mit einer bestimmten genetischen Ausprägung (dMMR) litten, lieferte dazu konkrete Kennzahlen.

Die Kombination aus dem Wirkstoff Atezolizumab und dem Chemotherapie-Schema mFOLFOX6 erzielte eine 3-Jahres-DFS-Rate (krankheitsfreies Überleben) von 86,3 Prozent, während die Vergleichsgruppe mit mFOLFOX6 allein auf 76,2 Prozent kam. Trotz der höheren Wirksamkeit wurden in der Kombinationsgruppe bei 72,5 Prozent der Teilnehmenden Nebenwirkungen der Grade 3 oder 4 beobachtet.

Neue Risikofaktoren und internationale Versorgungsstandards

Neben therapeutischen Ansätzen gewinnen neue Erkenntnisse über Risikofaktoren an Bedeutung. Eine in der Fachzeitschrift „eGastroenterology“ veröffentlichte Analyse von 43 Studien, die Daten von knapp 48,7 Millionen Menschen berücksichtigte, deutet auf einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Helicobacter pylori und einem erhöhten Darmkrebsrisiko hin.

Demnach ist die Infektion mit einem rund 1,6-fach höheren Risiko verbunden. Weltweit könnten etwa 22 Prozent der Darmkrebsfälle mit dieser Infektion assoziiert sein, wobei in Deutschland schätzungsweise 30 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

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Die Behandlung von Darmkrebs hat in den vergangenen fünf Jahren mehr Fortschritte gemacht als in den fünf Jahrzehnten davor — von der Immuntherapie bis zur Roboterchirurgie. Für Familien mit familiärem Risiko zählt vor allem eines: den richtigen Zeitpunkt für die Vorsorge zu kennen. Unser kostenloser Fahrplan zeigt Ihnen, wann Sie mit der Früherkennung beginnen sollten und was die neuen Studiendaten für Sie bedeuten. Kostenlosen Vorsorge-Fahrplan anfordern

Die Gastroenterologin Quirine Van Pelt beziffert das allgemeine Darmkrebsrisiko auf etwa 5 Prozent, wobei sich dieser Wert bei einem erstgradig erkrankten Familienmitglied auf circa 10 Prozent verdopple.

International gibt es unterschiedliche Ansätze in der Versorgung: In den Niederlanden wurde das Máxima MC in Eindhoven und Veldhoven als Topklinisch Expertisecentrum für kolorektale Onkologie anerkannt. Das Zentrum, das jährlich über 1.000 Patienten behandelt, setzt unter anderem auf Prehabilitations-Programme vor Operationen, um die Genesung zu beschleunigen.

Debatte um das Startalter der Darmkrebs-Vorsorge

Ein zentrales Thema in der Fachdiskussion bleibt der optimale Zeitpunkt für den Beginn von Screening-Maßnahmen. Prof. Dr. Mehmet Ali Gülçelik weist darauf hin, dass die Inzidenz von Kolorektalkarzinomen bei Personen unter 50 Jahren ansteigt, was in einigen Ländern bereits zu einer Senkung des Screening-Alters auf 45 Jahre geführt hat.

In Deutschland traf der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Ende August 2026 die Entscheidung, das organisierte Früherkennungsprogramm vorerst nicht auf Personen unter 50 Jahren mit familiärem Risiko auszuweiten, da die Evidenz hierfür als nicht ausreichend erachtet wurde.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) bezeichnete diesen Beschluss zwar als nachvollziehbar, fordert jedoch weiterhin eine risikoadaptierte Früherkennung. Prof. Seufferlein von der Uniklinik Ulm rät dazu, bei familiärem Risiko die Vorsorge bereits zehn Jahre vor dem Alter zu beginnen, in dem der jüngste betroffene Angehörige erkrankte.

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Ein erstgradig erkranktes Familienmitglied verdoppelt Ihr eigenes Darmkrebsrisiko auf rund 10 Prozent — doch der G-BA hat die Ausweitung des organisierten Screenings auf unter 50-Jährige mit familiärem Risiko Ende August 2026 vorerst abgelehnt. Fachleute empfehlen dennoch, zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des jüngsten Angehörigen mit der Vorsorge zu beginnen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie dieses Fenster für sich nutzen. Risiko-Check für Ihre Familie starten

Zur weiteren Aufklärung sind in den kommenden Wochen verschiedene Informationsformate geplant. So veranstalten die Kliniken Köln am 24. September 2026 eine Fachveranstaltung, bei der Experten wie Dr. Sibbing und Prof. Ströhlein über Vorsorge und robotische Chirurgie informieren.

Bereits am 19. September 2026 findet in Ludwigsburg eine Aktion mit einem begehbaren Darmmodell statt, bei der zudem immunologische Stuhltests an Personen im Alter zwischen 45 und 49 Jahren ausgegeben werden.

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