Darmkrebs, Lipide

Darmkrebs: 249 erhöhte Lipide rücken Ceramide als Metastasen-Treiber in den Fokus

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Maus- und Zellversuche verknüpfen Ceramide mit Darmkrebsmetastasen und zeigen mögliche Effekte von Pfefferextrakt bei AML.

Krebsforschung: Ceramide fördern Metastasen, Pfefferextrakt zeigt AML-Potenzial
Mikroskopische Aufnahme zellulärer Strukturen in einem Laborumfeld als Symbol für die Krebsforschung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse darüber, wie Stoffwechselveränderungen das Fortschreiten von Krebserkrankungen begünstigen und welche therapeutischen Ansätze sich daraus ableiten lassen. Im Fokus der Forschung stehen dabei insbesondere die Rolle von Lipiden bei der Metastasierung von Darmkrebs sowie die Wirkung pflanzlicher Inhaltsstoffe auf die Zellteilung bei akuten Leukämien.

Ceramide als Treiber der Metastasierung bei Darmkrebs

Wissenschaftliche Analysen des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) und der Uniklinik Essen verdeutlichen den Einfluss der Ernährung auf den Krankheitsverlauf bei Darmkrebs. Den Untersuchungen zufolge treibt insbesondere der Fettgehalt der Nahrung die Bildung von Metastasen voran.

In Versuchen mit Mäusen, die eine fettreiche Diät erhielten, konnten Forscher 249 Lipidspezies identifizieren, die signifikant erhöht waren. Unter diesen erwiesen sich Ceramide als die am stärksten angereicherten Lipide.

Diese Stoffwechselveränderung hat unmittelbare Auswirkungen auf das Verhalten der Tumorzellen. Organoide, die aus fettreich ernährten Mäusen gewonnen wurden, bildeten in den Untersuchungen deutlich mehr Lebermetastasen. Diese Tendenz blieb auch dann bestehen, wenn die Ernährung zu einem späteren Zeitpunkt auf eine Kontrolldiät umgestellt wurde.

Der zugrunde liegende Mechanismus basiert darauf, dass Ceramide über das Enzym PP2A das Protein YAP aktivieren. Dies steigert die sogenannte Zellplastizität und ermöglicht es den Darmkrebszellen, ein Regenerationsprogramm zu nutzen, das die Ansiedlung in der Leber fördert.

Die Forschungsergebnisse, die unter anderem in einer Publikation in der Fachzeitschrift Science dokumentiert sind, deuten zudem auf eine Übertragbarkeit auf den Menschen hin. Ein höherer Body-Mass-Index (BMI) ist demnach mit einer stärkeren Aktivität von YAP1 und einer geringeren Überlebenswahrscheinlichkeit assoziiert.

Ein potenzieller Therapieansatz könnte in der Hemmung der Ceramidsynthese liegen. In Laborversuchen unterbrach diese Maßnahme die Metastasierungskaskade, was die Notwendigkeit weiterer klinischer Prüfungen unterstreicht.

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Potenzial von Pflanzenextrakten bei der Behandlung akuter Leukämien

Parallel zur Erforschung der Lipidstoffwechselprozesse untersuchen Wissenschaftler neue Behandlungsoptionen für die akute myeloische Leukämie (AML). In einer Studie, die am 18. August 2026 in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research veröffentlicht wurde, stand die Wirkung von Pfefferextrakt (Piper nigrum) im Mittelpunkt. In Zellversuchen konnte beobachtet werden, dass der Extrakt das Überleben und die Proliferation von AML-Zellen verringerte.

Die Forscher vermuten, dass dieser Effekt durch die Modulation des PI3K/AKT/mTOR-Signalwegs erzielt wird, der für das Zellwachstum zentral ist. In Versuchsreihen mit Mäusen führte die Behandlung zu einer signifikanten Senkung der zirkulierenden Blasten und einer allgemeinen Verbesserung der hämatologischen Parameter. Zudem wurde eine Verlängerung der Überlebensdauer festgestellt.

Auf immunologischer Ebene bewirkte der Einsatz des Extrakts einen Anstieg der Effektor-Gedächtnis-CD8+-T-Zellen sowie eine Reduktion proinflammatorischer Zytokine. Damit könnte der Wirkstoff nicht nur direkt die Tumorzellen angreifen, sondern auch die körpereigene Immunantwort gegen die Leukämie stärken.

Zukünftige Anforderungen an die klinische Erprobung

Beide Forschungszweige befinden sich derzeit noch in einem Stadium, das weitere Untersuchungen erfordert, bevor eine Anwendung in der breiten klinischen Praxis möglich ist. Während bei der Darmkrebsforschung die gezielte Störung der Ceramidsynthese als vielversprechendes Ziel für pharmakologische Ansätze identifiziert wurde, müssen bei den pflanzlichen Wirkstoffen gegen AML noch weiterführende präklinische und klinische Studien folgen.

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Die vorliegenden Daten unterstreichen jedoch die Bedeutung eines tieferen Verständnisses molekularer Signalwege und metabolischer Anpassungen. Die Verknüpfung von Ernährungsfaktoren mit genetischen Regenerationsprogrammen der Tumorzellen eröffnet neue Perspektiven für die Prävention und personalisierte Therapie in der Onkologie.

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