Darmflora, Antibiotika

Darmflora unter Antibiotika: 100 g Zucker senken die Bakterienvielfalt um 21 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 21:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Krebspatienten ging mehr Zucker mit geringerer Bakterienvielfalt und einer stärkeren Ausbreitung von Enterokokken einher.

Studie: Zucker verstärkt Antibiotika-Schäden an der Darmflora
Ein minimalistisches, steriles Tablett mit einem Glas Wasser und einer leeren Schale auf einem Krankenhaustisch. Illustration mit AI erstellt.

Eine gemeinschaftliche Untersuchung der NYU Langone, von City of Hope und dem Memorial Sloan Kettering liefert neue Erkenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Ernährung und der Stabilität der Darmflora während einer medizinischen Behandlung.

Laut einer in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie kann eine zuckerreiche Ernährung die durch Antibiotika verursachten Störungen des Mikrobioms signifikant verschlimmern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wahl der Lebensmittel einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie stark die bakterielle Vielfalt im Darm unter einer antibiotischen Therapie leidet.

Datengrundlage der klinischen Beobachtung

Die wissenschaftliche Analyse stützt sich auf umfangreiche Daten von 173 hospitalisierten Krebspatienten, die sich einer allogenen hämatopoetischen Zelltransplantation unterzogen hatten. Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 9.419 Mahlzeiten erfasst, um den Zusammenhang zwischen dem Zuckerkonsum und der Zusammensetzung der Darmflora detailliert zu dokumentieren.

Zur Überwachung des Mikrobioms werteten die Forschungsteams mehr als 1.000 Stuhlproben von 158 Patienten aus. Der klinische Kontext der Probanden war dabei besonders relevant, da etwa 80 % der Patienten im Untersuchungszeitraum mindestens ein Breitbandantibiotikum erhielten.

Diese Kombination aus schwerer Erkrankung, intensiver Medikation und kontrollierter Ernährung bot den Forschenden eine präzise Grundlage für die Beobachtung mikrobieller Veränderungen.

Signifikanter Rückgang der bakteriellen Vielfalt

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Die quantitativen Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Belastung des Mikrobioms durch die Kombination von Zucker und Medikamenten. Den Daten zufolge sank die sogenannte Alpha-Diversität – ein Maß für die Vielfalt der vorhandenen Bakterienarten – pro 100 g Zucker, die in den 48 Stunden vor einer Behandlung konsumiert wurden, zusätzlich um 21 %.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei der gleichzeitigen Gabe von Breitbandantibiotika und dem Verzehr süßer Lebensmittel. In diesen Fällen verringerte sich die bakterielle Vielfalt je 100 g Süßigkeiten um 24 %. Neben dem allgemeinen Verlust an Diversität beobachteten die Wissenschaftler, dass die Kombination aus Zucker und Antibiotika die Ausbreitung des potenziell schädlichen Keims Enterococcus faecium begünstigte.

Ergebnisse aus dem Tiermodell und offene Fragen

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Ergänzende Versuche an Mäusen untermauerten die klinischen Beobachtungen. In den Experimenten führte die Gabe des Antibiotikums Biapenem in Verbindung mit Saccharose zu einer massiven Vermehrung von Enterokokken. Gegenüber dem Ausgangswert stieg die Menge dieser Bakterien bis zum dritten Tag um das 16,3-Fache an. Bis zum sechsten Tag erhöhte sich dieser Wert sogar auf das 33,4-Fache.

Trotz der deutlichen Datenlage bleibt der genaue Wirkmechanismus Gegenstand weiterer Forschung. Es sei laut den Berichten vom 30. September 2026 noch ungeklärt, ob der Zucker den Keim direkt fördert oder ob die Effekte über andere biologische Mechanismen vermittelt werden.

Empfehlungen für die klinische Praxis

Die beteiligten Forschenden halten eine Reduktion des Zuckerkonsums während und unmittelbar nach einer Antibiotikagabe für potenziell hilfreich, um das Mikrobiom zu schützen. Dennoch betonen Experten, dass eine allgemeine Empfehlung zur Zuckermeidung während der Einnahme von Antibiotika zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgesprochen werden könne.

Weitere klinische Studien seien notwendig, um den tatsächlichen Nutzen einer solchen Ernährungsumstellung zweifelsfrei zu belegen und in medizinische Leitlinien zu überführen. Die detaillierten Ergebnisse der Untersuchung wurden unter der DOI 10.1038/s41586-026-11077-3 in der Fachwelt zur Diskussion gestellt.

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