Darmflora: Hefepilz Malassezia signalisiert spätere Allergien
27.06.2026 - 03:32:05 | boerse-global.de
Jetzt rücken Pilze in den Fokus – und könnten den Schlüssel zu Allergien liefern.
Aktuelle Daten zeigen: Die Besiedlung mit dem Hefepilz Malassezia in den ersten Lebensmonaten könnte ein Frühindikator für spätere allergische Erkrankungen sein.
Malassezia-Besiedlung und das Risiko für Neurodermitis
Die CHILD Cohort Study der University of Calgary liefert zentrale Erkenntnisse. Die Ergebnisse erschienen im Juni 2026 in Nature Communications. Forscher analysierten mehr als 2.200 Stuhlproben von 1.409 Kindern.
Die Korrelation ist signifikant: Säuglinge mit vermehrtem Malassezia-Nachweis entwickelten später häufiger Neurodermitis und Nahrungsmittelallergien. Tiermodelle stützen diese Beobachtung. Der Pilz verstärkt allergisch bedingte Entzündungsprozesse im Darm und in den Atemwegen. Das Mykobiom fungiert demnach als aktiver Regulator des Immunsystems – bestimmte Pilzstämme erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen.
Antibiotika als Brandbeschleuniger
Ein wesentlicher Faktor für die Pilzbesiedlung ist der Medikamenteneinsatz in der frühen Entwicklung. Antibiotika bei Säuglingen unter sechs Monaten begünstigen das Wachstum von Malassezia. Durch die Reduktion konkurrierender Bakterienstämme entsteht ein Milieu, das allergiefördernde Hefepilze begünstigt. Diese Dysbalance wird mit einer gesteigerten Entzündungsneigung in den Atemwegen in Verbindung gebracht – und könnte die Entstehung von Asthma fördern.
Umweltchemikalien greifen ins Mikrobiom ein
Die CHILD Cohort Study zeigt: Eine frühe Besiedlung mit dem Hefepilz Malassezia kann spätere Allergien vorhersagen. Mit der richtigen Früherkennung und natürlichen Maßnahmen können Sie das Risiko für Ihr Kind senken. Jetzt kostenlosen Präventions-Report anfordern
Neben biologischen Faktoren untersuchen Experten den Einfluss von Umweltbelastungen. Das im Juli 2026 startende EMVIC-Projekt – vom BMBF mit 1,2 Millionen Euro gefördert – widmet sich der Frage, wie PFAS, Phthalate und Bisphenol A (BPA) das Mikrobiom von Schwangeren und Jugendlichen beeinflussen.
Dass solche Stoffe früh im Organismus nachweisbar sind, belegt das LIFE-MILCH-Projekt der Universität Parma. In einer Kohorte von 336 Mutter-Kind-Paaren wurde BPA in 51 Prozent der Muttermilchproben einen Monat nach der Geburt nachgewiesen. Der Anteil belasteter Säuglinge stieg von 30 Prozent bei der Geburt auf über 67 Prozent im Alter von sechs Monaten. Rund 90 Prozent der Muttermilchproben enthielten zudem das Phthalat Dibutylphthalat.
Parallel dazu deutet eine epigenetische Studie der Chinese University of Hong Kong an 571 Säuglingen darauf hin: Spezifische DNA-Methylierungen im Nabelschnurblut korrelieren mit einer geringeren Diversität der späteren Darmflora.
Neue Diagnostik und Prävention
Die Identifizierung mikrobieller Signaturen eröffnet neue Wege für die Diagnostik. Eine Meta-Analyse des Mi-EOCRC-Konsortiums wertete mehr als 6.700 Mikrobiomprofile aus. Mittels maschinellen Lernens gelang es, eine konsistente Signatur für Darmkrebs zu identifizieren – geprägt durch das Bakterium Fusobacterium nucleatum.
Antibiotika bei Säuglingen unter sechs Monaten begünstigen Malassezia-Wachstum – und damit Allergien. Erfahren Sie, wie Sie die Darmflora Ihres Kindes schützen und Allergien vorbeugen können. Darmflora-Schutz-Guide jetzt sichern
Für den klinischen Alltag entwickeln Forscher nicht-invasive Verfahren. Das Projekt MikrobiomProCheck in Nordrhein-Westfalen arbeitet an einer KI-basierten Analyse von Stuhlproben für personalisierte Therapien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Im Bereich der Prävention zeigen aktuelle Studien das Potenzial pflanzlicher Inhaltsstoffe. Urolithin A – ein Stoffwechselprodukt aus Granatäpfeln und Walnüssen – kann das NLRP6-Inflammasom aktivieren und die Darmbarriere schützen. Die Gelbe Lupine wiederum aktiviert über ihre Lipidtransferproteine spezifische Immunzellen. Ein weiterer Puzzlestein im komplexen Zusammenspiel von Ernährung und Allergierisiko.
