Darmentzündung, IBD-Patienten

Darmentzündung: 85 Prozent der IBD-Patienten berichten Unverträglichkeiten

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei IBD-Patienten waren Unverträglichkeiten häufiger; die Studie verbindet sie mit verändertem bakteriellen Nahrungsabbau.

Darmentzündung verändert Darmflora und begünstigt Nahrungsmittelreaktionen
Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Darmschleimhaut mit detaillierten Strukturen der Darmzotten. Illustration mit AI erstellt.

Darmentzündungen können die bakterielle Aufspaltung von Nahrungsmitteln grundlegend verändern und in der Folge allergieartige Immunreaktionen auf zuvor verträgliche Speisen hervorrufen. Dies zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung, die zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Gastroenterology vorgesehen ist.

Betroffen sind dabei unter anderem alltägliche Nahrungsbestandteile wie Milchprodukte oder Gluten. Die Ergebnisse liefern neue Erklärungsansätze dafür, warum Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen häufig über neu auftretende Unverträglichkeiten berichten.

Veränderungen im Mikrobiom verstärken allergieartige Reaktionen

Im Zentrum der Untersuchung stand der Mechanismus, wie Entzündungsprozesse im Darm das Zusammenspiel zwischen Mikrobiom und Verdauung beeinflussen. Den Erkenntnissen zufolge führt eine Entzündung zu einem Rückgang jener Darmbakterien, die für den Abbau spezifischer Nahrungsbestandteile zuständig sind. Werden diese Stoffe nicht mehr vollständig zersetzt, können sie Reaktionen des Immunsystems anstoßen.

In zwei Kolitis-Mausmodellen zeigte sich, dass eine bestehende Darmentzündung nach dem Kontakt mit Milchprodukten oder Gluten allergieartige Immunreaktionen hervorrief. Ein erneuter Kontakt mit diesen Nahrungsbestandteilen verstärkte in den Versuchen die Darmsensitivität sowie die Symptome der Kolitis weiter.

Dass die Zusammensetzung der Darmflora hierbei eine Schlüsselrolle einnimmt, belegten weiterführende Tests: Wurde die Mikrobiota entzündeter Mäuse auf keimfreie Tiere übertragen, stieg auch bei diesen die Sensibilisierung. Wurden die fehlenden Bakterien hingegen gezielt wiederhergestellt, schwächte sich die Immunreaktion ab.

Hohe Rate an Unverträglichkeiten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Ergänzend zu den tierexperimentellen Daten wurden Proben und Angaben von menschlichen Probanden ausgewertet. An der Untersuchung nahmen 104 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) teil, die sich in Remission befanden – darunter 58 Personen mit Morbus Crohn und 46 mit Colitis ulcerosa –, sowie 44 Kontrollpersonen.

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Während in der Kontrollgruppe 33 % der Teilnehmenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten angaben, lag dieser Anteil in der IBD-Gruppe bei rund 85 %. Die betroffenen IBD-Teilnehmer nannten durchschnittlich drei Auslöser für ihre Beschwerden. Zu den besonders häufig genannten Lebensmitteln und Stoffen zählten:
- Milchprodukte und Weizen
- Erdnüsse und Baumnüsse
- Koffein sowie Ballaststoffe

Analysen von Stuhlproben der IBD-Gruppe ergaben, dass Milchproteine schlechter abgebaut wurden. Dieser verminderte Abbau tritt besonders deutlich bei jenen Patienten zutage, die von Unverträglichkeiten berichteten. Bei IBD-Patienten mit entsprechenden Beschwerden fielen sowohl die mikrobielle Abbauleistung als auch die Werte der zuständigen Bakterien messbar niedriger aus.

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Einordnung als Machbarkeitsnachweis

Die Autoren ordnen die Arbeit als Proof of Concept ein. Neben den beobachteten mikrobiellen Veränderungen könnten auch Faktoren wie Genetik, vorangegangene Infektionen und Stress zur Entstehung von Unverträglichkeiten beitragen, weshalb weitere Forschung erforderlich sei.

Aus den Resultaten lassen sich derzeit noch keine direkten klinischen Handlungsempfehlungen ableiten. Betroffene sollten daher keine Lebensmittelgruppen eigenständig aus ihrem Speiseplan streichen, da eine unausgewogene Ernährung ohne medizinische Begleitung Risiken birgt.

Weitere wissenschaftliche Studien müssen klären, inwieweit gezielte mikrobiologische Therapien künftig dabei helfen können, die Toleranz gegenüber Nahrungsmitteln bei entzündlichen Darmerkrankungen zu stabilisieren.

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