Darmbakterium Bacteroides vulgatus: Tierversuche zeigen weniger Zuckerhunger
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende der Jiangnan University haben einen biologischen Regelkreis zwischen Darmbakterien und Hormonsignalen beschrieben, der die Steuerung des Zuckerverlangens beeinflussen könnte.
Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler führten Stoffwechselprodukte des Bakteriums Bacteroides vulgatus in Tierversuchen zu einem Anstieg der Hormone GLP-1 und FGF21. Diese Reaktion ging mit einem verringerten Verlangen nach Zucker sowie einer verbesserten Kontrolle des Blutzuckerspiegels einher. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie Stoffwechselprozesse im Verdauungstrakt direkt auf das Essverhalten einwirken.
Zusammenspiel von Darmbakterien und Hormonen
Im Zentrum der Untersuchung steht der Einfluss bakterieller Stoffwechselprodukte auf hormonelle Signalwege. In tierexperimentellen Versuchen an der Jiangnan University zeigte sich, dass Stoffwechselprodukte von Bacteroides vulgatus die Freisetzung der Signalstoffe GLP-1 und FGF21 anregten.
Bei GLP-1 handelt es sich um ein Peptidhormon, das unter anderem die Insulinausschüttung stimuliert und das Sättigungsgefühl reguliert. FGF21 wiederum ist an der Steuerung des Energiehaushalts und an Nahrungsvorlieben beteiligt.
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Die Steigerung beider Botenstoffe dämpfte in den Experimenten den Appetit auf zuckerhaltige Nahrungsmittel messbar. Zugleich beobachteten die Forschenden, dass sich die Blutzuckerregulation der Versuchstiere verbesserte. Die Mechanismen deuten darauf hin, dass bestimmte Zusammensetzungen des Mikrobioms eine schützende Wirkung gegen übermäßigen Zuckerkonsum entfalten könnten.
Genetische Faktoren und Vorliebe für Süßes
Ergänzend zu den Tierversuchen untersuchte das Team der Jiangnan University auch Proben von Menschen. Im Rahmen von Blutanalysen verglichen die Forschenden 60 Personen mit Typ-2-Diabetes mit 24 gesunden Freiwilligen. Dabei stellten sie fest, dass Mutationen im Gen Ffar4 mit einer geringeren Produktion des Hormons FGF21 einhergingen. Bei den betroffenen Personen zeigte sich zugleich eine stärkere Neigung zu süßen Lebensmitteln.
Diese Beobachtungen stützen Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen. Demnach verband eine vorangegangene Studie am Menschen bestimmte Genvarianten von FGF21 mit einer um rund 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für einen hohen Zuckerkonsum. Die genetische Ausstattung scheint somit mitzubestimmen, wie stark der Körper auf hormonelle Signale reagiert, die das Verlangen nach Kohlenhydraten drosseln.
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Grenzen und offene Fragen für Therapien
Obwohl die Mechanismen theoretische Ansatzpunkte für neue Behandlungsformen bieten, mahnen die Forschenden zur Zurückhaltung. Die klinische Wirksamkeit und die Sicherheit einer gezielten mikrobiombasierten Therapie sind bislang nicht belegt.
Vor einer möglichen therapeutischen Anwendung beim Menschen sind weitere Studien erforderlich, um zu prüfen, ob sich die im Labor und in Tierversuchen beobachteten Effekte kontrolliert und nebenwirkungsarm auf den Menschen übertragen lassen.

