Darmbakterium, Akkermansia

Darmbakterium Akkermansia: Studie zeigt 50% weniger Jojo-Effekt

25.05.2026 - 09:29:02 | boerse-global.de

Zwei aktuelle Studien zeigen: Darmbakterien und ein dreitägiges Wasserfasten beeinflussen den Gewichtsverlust deutlich stärker als bisher angenommen.

Darmbakterium Akkermansia: Studie zeigt 50% weniger Jojo-Effekt - Foto: über boerse-global.de
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Zwei aktuelle Studien zeigen: Darmbakterien und biologische Fasten-Schwellenwerte sind die wahren Gamechanger.

Akkermansia muciniphila: Das Wunderbakterium gegen den Jojo-Effekt

Ein Team um Ellen Blaak von der Universität Maastricht veröffentlichte heute in Nature Medicine eine vielversprechende Studie. 84 Erwachsene durchliefen eine achtwöchige Diät und verloren dabei mindestens acht Prozent ihres Körpergewichts. Danach erhielt eine Gruppe täglich pasteurisiertes Akkermansia muciniphila, die andere ein Placebo.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Bakterien-Gruppe nahm nur 14 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu. In der Kontrollgruppe waren es 33 Prozent. Insgesamt lag der Gewichtsverlust in der Bakteriengruppe um drei Kilogramm höher. Zudem zeigten die Teilnehmer eine stabilere Insulinwirkung und geringere Entzündungswerte im Fettgewebe.

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Das Bakterium macht normalerweise ein bis fünf Prozent der Darmflora aus. Es stärkt über das Membranprotein Amuc_1100 die Darmbarriere. Experten zufolge lässt sich die Ansiedlung auch durch Ballaststoffe und Polyphenole fördern – etwa in Cranberry-Extrakt.

Wasserfasten: Die entscheidende Schwelle liegt bei drei Tagen

Eine Studie in Nature Metabolism vom 23. Mai 2026 liefert neue Daten zum Wasserfasten. Forscher der Queen Mary University London untersuchten zwölf gesunde Freiwillige während eines siebentägigen Fastens. Die Analyse zeigt: Bedeutende biologische Veränderungen an Proteinen im Gehirn, Stoffwechsel und Immunsystem treten erst nach etwa drei Tagen ein.

Die Teilnehmer verloren durchschnittlich 5,7 Kilogramm. Der reine Fettverlust setzte jedoch erst nach der dritten Nacht massiv ein – und blieb auch nach der Wiederaufnahme der Nahrung über drei Tage bestehen.

Was bedeutet das für das populäre Intervallfasten? Für 18- bis 30-Jährige gilt die 16:8-Methode weiterhin als effektiv. Ab 35 Jahren empfehlen Fachleute einen moderateren Einstieg mit 14:10. Ab 40 Jahren sollte das Essensfenster in die erste Tageshälfte fallen, um den zirkadianen Rhythmus zu unterstützen. Für über 50-Jährige steht milde Methoden wie 12:12-Fasten im Vordergrund – mit besonderem Fokus auf ausreichend Protein gegen Muskelabbau.

Expertin Adaeze Wolf warnt zudem vor Intervallfasten in den Wechseljahren. Die hormonellen Umstellungen senken ohnehin den Grundumsatz. Lange Essenspausen könnten den Cortisolspiegel erhöhen und Stressreaktionen auslösen. Empfohlen werden hier regelmäßige Mahlzeiten mit Pausen von vier bis fünf Stunden und eine nächtliche Fastenzeit von etwa zwölf Stunden.

Jeder Stoffwechsel tickt anders

Die Forschung zeigt: Der Stoffwechsel reagiert hochgradig individuell. Stoffwechselforscher Tim Hollstein vom NIH Arizona unterscheidet zwischen „sparsamen“ und „verschwenderischen“ Typen. In einer sechswöchigen Studie unter identischen Bedingungen verloren einige Probanden über zwölf Prozent ihres Körpergewichts, andere nur vier Prozent.

Ein wesentlicher Faktor ist das braune Fettgewebe, das Energie verbrennt statt sie zu speichern. Kälteexposition und mediterrane Kost können es aktivieren.

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Diese Variabilität zeigt sich auch bei Abnehmspritzen wie Ozempic. Eine Auswertung des British Medical Journal vom 23. Mai 2026 zeigt: Nach dem Absetzen nehmen Patienten durchschnittlich 400 Gramm pro Monat zu. Das ursprüngliche Ausgangsgewicht wird oft nach 1,5 bis zwei Jahren wieder erreicht. Endokrinologin Lucie Favre betont: Adipositas ist eine chronische Krankheit – ein Rückfall nach Behandlungsende ist erwartbar, besonders weil Muskelverlust während der Therapie den Grundumsatz senkt.

Technologie als Helfer: Atemanalyse und personalisierte Konzepte

Anbieter wie die Erfinderinnen des Lumen-Geräts setzen auf Echtzeit-Atemanalysen. Das Gerät misst, ob der Körper aktuell Fette oder Kohlenhydrate verbrennt. Ziel ist es, die metabolische Flexibilität zu erhöhen – also die Fähigkeit, effizient zwischen Energiequellen zu wechseln. Möglich wird das durch gezielten Muskelaufbau und strategische Kohlenhydratzufuhr um Trainingseinheiten herum.

Eine Studie in Cell vom 23. Mai 2026 unterstreicht zudem den Einfluss der ethnischen Herkunft. Bei 322 Personen zeigte sich: Die Herkunft beeinflusst Immunsystem und Mikrobiom unabhängig vom Wohnort. Ostasiaten außerhalb Asiens altern biologisch schneller, Europäer außerhalb Europas biologisch jünger.

Ausblick: Die Zukunft ist personalisiert

Die Entwicklung geht klar in Richtung Präzisionsmedizin. Technologische Hilfsmittel wie Atemtests oder Glycan-Age-Bestimmungen sind derzeit noch Nischenprodukte. Doch sie könnten bald breitere Anwendung finden.

Der Fokus der kommenden Jahre wird auf der Kombination liegen: Mikrobiom-Supplementierung, gezieltes Muskeltraining und zeitlich an den Hormonstatus angepasste Nahrungsaufnahme. Für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie eröffnen sich neue Geschäftsfelder – besonders bei Probiotika der nächsten Generation und personalisierten Ernährungsprogrammen.

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