Darmbakterien, Probiotika

Darmbakterien: Probiotika senken Atemwegsinfekte um 54 Prozent

10.06.2026 - 19:41:10 | boerse-global.de

Forschung belegt: Ein gesundes Darmmikrobiom senkt das Risiko für Atemwegsinfekte und Ekzeme bei Kindern deutlich.

Darmbakterien als Schlüssel: Neue Studien zu Asthma und Allergien
Darmbakterien - Eine stilisierte Darstellung von Darm, Lunge und Gehirn, verbunden durch leuchtende, komplexe biologische Pfade. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die medizinische Forschung entschlüsselt zunehmend die Verbindung zwischen Darmbakterien und chronischen Atemwegserkrankungen. Aktuelle Studien aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigen: Ein stabiles Darmmikrobiom reguliert das Immunsystem und beeinflusst das Risiko für Allergien und Asthma.

Probiotika schützen Kinder vor Infekten

Eine zentrale Erkenntnis liefert eine Studie im Fachjournal Frontiers in Nutrition. Forscher untersuchten das Probiotikum Bifidobacterium animalis subsp. lactis BLa80 bei 360 Säuglingen und Kleinkindern. Über sechs Monate senkte die tägliche Gabe von fünf Milliarden koloniebildenden Einheiten die Atemwegsinfekte auf 19,4 Prozent – in der Vergleichsgruppe lag die Rate bei 42,5 Prozent.

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Noch deutlicher fiel der Effekt bei Ekzemen aus: Das Auftreten sank von 70 auf 27,6 Prozent. Die Forscher beobachteten zudem einen Anstieg des sekretorischen Immunglobulins A und eine Verringerung der Entzündungswerte im Stuhl. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund bestätigt: Allergiker haben häufig eine veränderte Darmbakterien-Zusammensetzung. Eine geringe bakterielle Vielfalt begünstigt allergische Reaktionen wie Heuschnupfen.

Neue Zellart könnte Asthma-Therapie revolutionieren

Der Einfluss des Darms reicht bis ins Gehirn. Eine Mausstudie in Plos Biology vom Juni 2026 zeigt: Lebende Bakterien können bei geschädigter Darmbarriere über den Vagusnerv ins zentrale Nervensystem gelangen – ausgelöst durch fettreiche Ernährung.

In der Asthma-Forschung entdeckten Wissenschaftler der University of Michigan eine neue Zellart: Typ-2-Myeloid (T2M). Diese Zellen im Knochenmark produzieren Entzündungsbotenstoffe, die für steroidresistentes Asthma verantwortlich sein könnten. Parallel dazu fanden Forscher der Washington University im März 2026: Das Protein CLCA1 erhöht die Schleimproduktion in der Lunge, indem es die Verweildauer bestimmter Ionenkanäle verlängert. Ein potenzieller Angriffspunkt für neue Therapien bei Asthma und COPD.

Stress schädigt die Darmbarriere

Die aktualisierten Rom-V-Kriterien für Störungen der Darm-Hirn-Interaktion betonen soziokulturelle Faktoren. Laut Gastroenterology sind bis zu 42 Prozent der Bevölkerung betroffen. Chronischer Stress, finanzielle Unsicherheit und soziale Isolation beeinträchtigen die Barrierefunktion des Darms.

Prof. Agata Mulak von der Universität Breslau plädiert für ganzheitliche Ansätze: Neben der Ernährung sind Stressbewältigung, ausreichend Schlaf und psychologische Unterstützung entscheidend, um das Mikrobiom-Gleichgewicht zu stabilisieren.

Weniger Duftstoffe, mehr Natur für Allergiker

Äußere Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle. In Deutschland leiden etwa acht Millionen Asthmatiker unter Duftstoffen, die allergische Reaktionen oder Atemnot auslösen. Ab dem 31. Juli 2026 müssen 80 Duftstoffe auf Kosmetika deklariert werden – eine deutliche Ausweitung der Kennzeichnungspflicht.

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Ein finnisches Projekt zeigt, wie Stadtplanung helfen kann: Der Ersatz von sterilen Betonflächen durch natürlichen Waldboden in Kindertagesstätten führte zu einer messbar größeren Vielfalt des Haut- und Darmmikrobioms bei Kindern. Die Immunmarker verbesserten sich nachweislich.

Wien startet großes Darmkrebs-Screening

Die Stadt Wien begann im Juni 2026 ein Screening-Programm: Über 540.000 Personen erhalten Einladungen zu Stuhltests, um Darmkrebsvorstufen frühzeitig zu erkennen. Experten betonen: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln und der Verzicht auf hochverarbeitete Produkte bleiben die Basis für ein gesundes Darmmikrobiom – und damit für das gesamte Immunsystem.

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