Darm-Hirn-Achse, Prucaloprid

Darm-Hirn-Achse: Prucaloprid verbessert Gedächtnis in 7–10 Tagen

22.06.2026 - 02:28:49 | boerse-global.de

Forschung belegt: Darmmikrobiom beeinflusst Gedächtnis, Emotionen und neurologische Erkrankungen. Alte Medikamente zeigen neue Wirkungen.

Darm-Hirn-Achse: Neue Studien zu kognitiven Effekten
Darm-Hirn-Achse - Eine stilisierte Darstellung der Darm-Hirn-Achse, bei der leuchtende neuronale Netze mit mikroskopischen Darmbakterien verwoben sind. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien aus dem Juni 2026 zeigen, wie stark die mikrobielle Zusammensetzung des Darms kognitive Prozesse, emotionale Wahrnehmung und neurologische Erkrankungen beeinflusst. Forscher weltweit arbeiten daran, diese Erkenntnisse in klinische Anwendungen zu übersetzen.

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Bekanntes Medikament zeigt überraschende Wirkung

Ein altes Mittel gegen Verstopfung könnte neue neurologische Einsatzmöglichkeiten erhalten. Die Universitäten Oxford und Birmingham testeten Prucaloprid an 50 Erwachsenen zwischen 18 und 40 Jahren, die eine Depression überwunden hatten. Das Medikament, ein 5-HT4-Rezeptor-Aktivator, verbesserte nach sieben bis zehn Tagen das Gedächtnis, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die emotionale Wahrnehmung.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht. Studienleiterin Prof. Susannah Murphy betont, dass die Wirkung über den Serotonin-Rezeptor vermittelt wird. Allerdings sei die Stichprobe für eine allgemeine klinische Empfehlung noch zu klein. Weitere Untersuchungen sind nötig.

Psilocybin gegen altersbedingten Abbau?

Parallel startete die UC Berkeley die PLASTICITY-Studie. Forscher untersuchen dort mittels Hirnscans, ob Psilocybin die Neuroplastizität und Vagusnerv-Aktivität fördern kann. Die Teilnehmer sind zwischen 60 und 85 Jahren alt, die Dosierungen liegen zwischen 1 und 30 mg. Ziel ist es, bis Ende 2026 Daten von 20 Probanden zu erfassen.

Könnte der Wirkstoff aus Zauberpilzen tatsächlich vor altersbedingten kognitiven Abbauprozessen schützen? Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Wenn Bakterien ins Gehirn wandern

Die Mechanismen der Darm-Hirn-Kommunikation werden immer klarer. Eine Mausstudie der Emory University liefert Belege dafür, dass Bakterien bei geschädigter Darmbarriere direkt über den Vagusnerv ins Gehirn gelangen können. Das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom könnte so neurologische Folgen haben.

Das Journal Nature veröffentlichte zudem Erkenntnisse über das Langzeitgedächtnis von Darmstammzellen. Sie speichern Informationen über Entzündungen für mehr als 100 Tage. Das erklärt möglicherweise, warum chronische Entzündungsprozesse im Darm langfristige Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.

Ein weiterer Signalweg betrifft den Mikrobiota-Metaboliten Urolithin B. Laut Laboruntersuchungen aktiviert er den PI3K/Akt-Signalweg und fördert so das Überleben von Neuronen. Besonders bei altersbedingten neurologischen Defiziten könnte das relevant sein.

Neue Risikofaktoren für Darmerkrankungen

In der Diagnostik wurden ebenfalls Fortschritte erzielt. Eine Analyse von 43.000 Patienten im New England Journal of Medicine identifizierte die Genvariante HLA-DRB1*01:03 als signifikanten Risikofaktor für chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Bei einer Teilgruppe der Patienten wurde zudem eine spezifische Autoimmunreaktion gegen Interleukin-10 festgestellt.

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Auch in der Onkologie gibt es Neuigkeiten: Forscher entdeckten ein unbekanntes Virus im Bakterium Bacteroides fragilis, das bei Darmkrebspatienten doppelt so häufig vorkommt. Ein darauf basierender Test erkannte 40,6 Prozent der Darmkrebsfälle bei einer Spezifität von 83,3 Prozent.

Ingenieure des MIT entwickelten zudem einen Nanosensor, der die Konzentration von Indol-3-Propionsäure misst. Das ermöglicht eine bessere Überwachung von Stoffwechselprodukten im Darm.

Zuckerfreie Ernährung schadet überraschenderweise

Nicht alle Ernährungsinterventionen wirken wie erwartet. Eine Studie des Dasman Diabetes Institute in Kuwait untersuchte an Mäusen die Auswirkungen eines vollständigen Saccharose-Verzichts bei gleichzeitig fettarmer Kost. Nach 16 Wochen führte die Diät zu einer Beeinträchtigung der Glukosetoleranz, Insulinresistenz und Leberverfettung.

Der Grund: Der Verlust nützlicher Bakterien und ein Anstieg von Entzündungsmarkern wie IL-1? und IL-6. Ein klares Beispiel dafür, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Mikrobiom sind.

Yoga hilft Alzheimer-Patienten

Ein 12-wöchiges Yoga-Programm am AIIMS Delhi zeigte positive Effekte auf die Darmflora von Alzheimer-Patienten. Besonders die Konzentrationen von Bifidobacterium und Akkermansia stiegen an.

Kritisch bewertet wurde hingegen die Qualität kommerzieller Probiotika. Eine Untersuchung der University Virginia an 352 Produkten bemängelte die unzureichende Qualität vieler im Handel erhältlicher Präparate. Wer auf Probiotika setzt, sollte also genau hinschauen.

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