Darm-Haut-Achse, Psoriasis-Risiko

Darm-Haut-Achse: 35% höheres Psoriasis-Risiko bei Reizdarm

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Reizdarm erhöht Psoriasis-Risiko um 35 Prozent. TCM und Probiotika zeigen vielversprechende Ansätze in der Therapie.

Darm-Haut-Achse: Neue Studien belegen Zusammenhang zwischen Reizdarm und Psoriasis
Ein minimalistischer Holztisch mit Mörser, Stößel und getrockneten Heilkräutern in einer hellen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftliche Untersuchungen und klinische Publikationen aus dem Jahr 2026 verdeutlichen zunehmend die Korrelation zwischen dem gastrointestinalen System und dermatologischen Beschwerdebildern. Dabei rücken insbesondere die sogenannte Darm-Haut-Achse sowie komplementärmedizinische Ansätze der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in den Fokus der medizinischen Fachwelt.

Klinische Evidenz zur Verbindung von Reizdarm und Psoriasis

Eine großangelegte Studie der China Capital Medical University, die im Journal of Global Health veröffentlicht wurde, belegt signifikante Zusammenhänge zwischen dem Reizdarmsyndrom (IBS) und chronischen Hauterkrankungen.

Auf Basis der Daten von 437.170 Erwachsenen aus der UK Biobank und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 14,4 Jahren stellten die Forscher fest, dass Patienten mit einem Reizdarmsyndrom ein um 35 Prozent höheres Risiko für die Entwicklung einer Psoriasis aufweisen. Die kumulative Inzidenz lag bei IBS-Patienten bei 0,88 Prozent im Vergleich zu 0,69 Prozent in der Kontrollgruppe ohne entsprechende Darmbeschwerden.

Fachleute weisen darauf hin, dass rund 70 Prozent des menschlichen Immunsystems im Darm lokalisiert sind. Schätzungen zufolge leiden zudem etwa 70 Prozent aller Psoriasis-Patienten unter begleitenden Verdauungsproblemen.

Auch bei anderen Hautzuständen wie Akne, Rosazea oder Ekzemen wird eine Verbindung zur Darmgesundheit beobachtet. So zeigen Untersuchungen, dass bestimmte Probiotika wie Lactobacillus paracasei zur Verbesserung von Akne-Symptomen beitragen können.

Phytotherapie und TCM bei gastrointestinalen Störungen

Eine in Phytotherapy Research publizierte Metaanalyse, die 60 Studien mit insgesamt 6.329 Teilnehmern auswertete, bestätigt die Wirksamkeit von Pfefferminzöl und speziellen TCM-Präparaten bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms. Während Ballaststoffe wie Flohsamen zwar unterstützend wirken, jedoch keine statistische Signifikanz erreichten, erwies sich Aloe vera in den untersuchten Fällen als wirkungslos.

Ergänzend dazu untersuchte eine im Jahr 2024 in der Zeitschrift für Gastroenterologie veröffentlichte klinische Studie den Einsatz von PMA-Zeolith (Klinoptilolith).

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Bei 204 Patienten führte die achtwöchige Anwendung zu einer signifikanten Verbesserung in sieben von acht Lebensqualitätsbereichen sowie zu einer Reduktion von Bauchschmerzen und Blähungen. Rund 85 Prozent der beteiligten Mediziner berichteten von einer spürbaren Symptomverbesserung bei ihren Patienten.

Molekulare Mechanismen der Hautbarriere

Neuere molekularbiologische Forschungen beleuchten die Mechanismen hinter Entzündungsprozessen der Haut. Eine Studie in iScience vom August 2026 zeigt auf, wie das Interleukin-4 (IL-4) die epidermale Kohäsion bei atopischer Dermatitis beeinträchtigt.

Durch die Reduktion von Desmoglein-1 und die Aktivierung spezifischer Signalwege wie ERK1/2 werden Adhäsionsdefekte in der Haut provoziert. Eine Blockade dieser Wege könnte künftig neue Therapieoptionen eröffnen.

Zusätzlich beschreibt eine im März 2026 in Nature veröffentlichte Arbeit, wie Keratinozyten bei UV-Strahlung oder Infektionen den Stoff Farnesylpyrophosphat (FPP) freisetzen. Dieser aktiviert den TRPV3-Kanal, was zur Produktion von Entzündungsbotenstoffen führt. Diese Prozesse sind insbesondere bei Patienten mit Lupus hyperaktiv. Natürliche Stoffe wie Carvacrol oder Kampfer könnten hier als Modulatoren des TRPV3-Kanals eine Rolle spielen.

Ganzheitliche und technologische Therapieansätze

Die Integration von TCM-Prinzipien in die moderne Dermatologie gewinnt ebenfalls an Bedeutung. In China werden vermehrt Technologien eingesetzt, die durch die Analyse zahlreicher Gesichtsindikatoren personalisierte Hautpflegepläne auf Basis der TCM erstellen.

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Parallel dazu gewinnt die Exosomen-Therapie an Aufmerksamkeit, die durch Zellkommunikation die Kollagenstimulation und Entzündungshemmung fördern soll, wenngleich hier noch standardisierte Protokolle fehlen.

In der täglichen Praxis werden zudem nicht-invasive Methoden zur Unterstützung der Verdauung diskutiert. Die TCM nutzt hierfür unter anderem Akupressur an definierten Punkten wie ST36 oder LI4, um den Energiefluss (Qi) zu fördern.

Eine Studie aus dem Jahr 2026 im World Journal Psychiatry untersuchte zudem die Wirkung der Bauch-Tuina-Vibration bei Prädiabetes. Eine Frequenz von etwa 10 Hz zeigte dabei die besten Ergebnisse zur Verbesserung von Stresssymptomen und der Insulinresistenz.

Zusätzlich zur inneren Anwendung werden spezifische Inhaltsstoffe für die topische Anwendung relevant. Kojicsäure wird aufgrund ihrer tyrosinase-blockierenden Eigenschaften zur Reduktion von Pigmentflecken eingesetzt, während Extrakte aus Yucca Schidigera, die reich an Saponinen und Polyphenolen sind, in der Tierhaltung bereits erfolgreich zur Stabilisierung der Darmflora und Reduktion von Emissionen genutzt werden.

Definition und Rahmenbedingungen der Darmgesundheit

Um die Forschung in diesem Bereich zu vereinheitlichen, hat die International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) ein Konsens-Rahmenwerk für den Begriff „Darmgesundheit“ etabliert. Dieser wird als normaler gastrointestinaler Funktionszustand ohne aktive Erkrankung definiert.

Als entscheidende Biomarker gelten hierbei das Mikrobiom, die Integrität der Darmbarriere, die Immunaktivität sowie die Darm-Hirn-Interaktion. Experten betonen jedoch, dass kommerzielle Mikrobiom-Tests für die klinische Diagnose derzeit nur begrenzt nützlich sind.

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