Darm-Gehirn-Achse, Probiotika

Darm-Gehirn-Achse: Probiotika verbessern Stimmung bei Depressionen

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 19:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Darm-Hirn-Achse beeinflusst Stimmung und Stress. Probiotika zeigen vielversprechende Wirkung bei Depressionen und Alzheimer.

Darm-Hirn-Achse: Wie Bakterien unsere Psyche beeinflussen
Darm-Gehirn-Achse - Eine stilisierte Darstellung der Darm-Hirn-Achse, die ein Gehirn und einen Darm mit leuchtenden neuronalen Pfaden verbindet. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein bidirektionales Kommunikationsnetzwerk aus Nervenbahnen, Hormonen und Immunsignalen verbindet beide Organe – mit dem Vagusnerv als zentraler Datenautobahn. Das enterische Nervensystem, oft „zweites Gehirn“ genannt, sendet permanent Signale nach oben. Störungen dieser Leitung können chronische Erschöpfung und eine beeinträchtigte Stressreaktion auslösen.

Bakterien als Stimmungsmacher

Das Mikrobiom im Darm produziert einen Großteil des körpereigenen Serotonins sowie bedeutende Mengen an Dopamin und GABA. Diese Botenstoffe beeinflussen direkt unsere Stimmung. Gleichzeitig reguliert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse) die Stressreaktion. Chronische Entzündungen im Darm können den Cortisolspiegel erhöhen und Schmerznetzwerke im Gehirn verstärken.

Ein Ungleichgewicht der Darmflora – Fachleute sprechen von Dysbiose – wird daher mit Brain Fog, Reizdarm sowie psychiatrischen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Autismus in Verbindung gebracht.

Probiotika gegen Depressionen?

Die klinische Forschung liefert vielversprechende Ansätze. Eine Studie mit 58 Erwachsenen über 60 Jahre mit Depressionen zeigte: Die zusätzliche Gabe von Probiotika (Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum) zu herkömmlichen Antidepressiva verbesserte über zwölf Wochen die Stimmung. Zudem stieg der BDNF-Spiegel, ein Wachstumsfaktor für Nervenzellen.

Auch die Industrie reagiert. Das japanische Unternehmen Morinaga Milk erhielt in den USA den GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) für den postbiotischen Inhaltsstoff LAC-Living+™. Klinische Studien bescheinigen eine Verbesserung des psychischen Wohlbefindens bei Alltagsstress.

Forschende der Southeast University Nanjing entdeckten im Mausmodell, dass der Wirkstoff Liraglutid seine antidepressive Wirkung maßgeblich über das Mikrobiom entfaltet. Der GLP-1-Rezeptor-Agonist erhöht das Vorkommen von Lactobacillus delbrueckii und hemmt so die neuronale Aktivierung in Emotionsregionen des Gehirns.

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Die 30-Pflanzen-Regel

Die tägliche Nahrung bestimmt maßgeblich die Vielfalt der Darmbakterien. Fachleute empfehlen die „30-Pflanzen-Formel“: mindestens 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche. Ballaststoffe und Polyphenole dienen nützlichen Bakterien als Nahrung, die entzündungshemmende kurzkettige Fettsäuren produzieren.

Eine Untersuchung mit über 3.000 Personen in England zeigt eine Korrelation zwischen mediterraner Ernährung – reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Fisch – und höherem psychischen Wohlbefinden.

Gleichzeitig warnen Fachleute vor synthetischen Inhaltsstoffen. Eine Metaanalyse der Tufts University legt nahe, dass nicht-nutritive Süßstoffe wie Aspartam oder Saccharin das Mikrobiom verändern. Die Folge: verschlechterte Insulinempfindlichkeit und ein erhöhtes Risiko für kardiometabolische Erkrankungen.

Frühwarnsystem aus dem Darm

Im Bereich der Alzheimer-Früherkennung erreichen Bluttests auf p-Tau217 eine Genauigkeit von über 90 Prozent. Interessanterweise scheint auch hier die Darmgesundheit eine Rolle zu spielen: Der Darmmetabolit Urolithin B wird als potenzieller präventiver Ansatz diskutiert.

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Forschende aus Ulm und Frankfurt veröffentlichten in Molecular Psychiatry zudem Hinweise auf generationsübergreifende Effekte von Umweltbakterien. Die Behandlung von Muttertieren mit Mycobacterium vaccae verbesserte im Mausmodell die Stressresilienz der männlichen Nachkommen. Mikrobielle Einflüsse prägen offenbar die Stressanfälligkeit über Generationen hinweg.

In der Onkologie deuten Studien aus Guangzhou darauf hin, dass Bifidobacterium animalis das Wachstum von Melanomen hemmen kann – durch Aktivierung von CD8?-T-Zellen. Das Mikrobiom könnte damit zum unterstützenden Faktor bei Immuntherapien werden.

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