d-you startet 2. Januar: Deutschlands digitale Brieftasche kommt
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 20:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute weisen auf eine wachsende Gefahr durch den Missbrauch signierter Daten in digitalen Brieftaschen auf Smartphones hin. Die zunehmende Nutzung dieser Wallets für Identitätsnachweise steigert laut Expertenberichten die Attraktivität für Identitätsdiebstahl erheblich. Diese Sicherheitsbedenken begleiten die Vorbereitungen für die Einführung der neuen europäischen digitalen Identität in Deutschland.
Sicherheitsbedenken im Vorfeld des „d-you“-Starts
Im Zentrum der Kritik steht das Risiko, das durch die Verwendung signierter Daten in mobilen Anwendungen entstehen kann. Ein kritischer Aspekt der aktuellen Entwicklung ist zudem der Zeitplan für die Sicherheitszertifizierung: Die entsprechenden Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werden voraussichtlich erst kurz vor dem geplanten Start der Anwendung finalisiert.
In Deutschland soll die nationale Umsetzung der EUDI-Wallet unter dem Namen „d-you“ erfolgen. Digitalminister Wildberger stellte die Bezeichnung für die Anwendung am 9. September 2026 vor. Der offizielle Starttermin für die App ist für den 2. Januar 2027 vorgesehen.
Um die Sicherheit des Systems trotz der bestehenden Risiken zu gewährleisten, wurde der Quellcode der „d-you“-App bereits offengelegt. Zudem ist ein Bug-Bounty-Programm geplant, bei dem Hacker gezielt nach Schwachstellen suchen sollen, um diese vor der breiten Nutzung zu beheben.
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Funktionen und Kooperationspartner zum Start
Die Anwendung soll zum Start am 2. Januar 2027 verschiedene Funktionen bündeln. Nutzer können damit unter anderem ihr Alter nachweisen, Verträge abschließen oder Bankkonten eröffnen. Bundesdigitalminister Wildberger plant, die App schrittweise zu einer zentralen Lösung für den Personalausweis, den Führerschein und die Krankenkassenkarte auszubauen. Die Speicherung der Daten erfolgt verschlüsselt direkt auf dem Endgerät der Nutzer.
Für die erste Ausbaustufe konnten etwa 40 Launch-Partner gewonnen werden. Dazu zählen Unternehmen wie Vodafone, Eon und Rossmann sowie die Deutsche Post. Auch staatliche Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung sind beteiligt. Des Weiteren unterstützen der Sparkassen- und Giroverband sowie wissenschaftliche Einrichtungen wie die TU München und die FU Berlin das Vorhaben.
Freiwilligkeit und Marktakzeptanz
Trotz der geplanten Weiterentwicklung der BundID zur sogenannten DeutschlandID bleibt die Nutzung der digitalen Brieftasche für die Bürger freiwillig und kostenlos. Zwar sieht der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD perspektivisch ein verpflichtendes Bürgerkonto vor, doch eine gesetzliche Pflicht zur Nutzung digitaler Nutzerkonten besteht gemäß dem Onlinezugangsgesetz (OZG) bislang nicht.
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Das Interesse an der Technologie ist dennoch vorhanden: Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom vom Frühjahr 2026 beabsichtigen 54 Prozent der Bürger, die Anwendung zu nutzen. Projektleiter Lodderstedt gab an, dass man für das nächste Jahr Nutzerzahlen im Bereich von mehreren Millionen erwarte. Die ersten drei Monate des Jahres 2027 sind dabei als Einführungsphase vorgesehen.
Für die Förderung entsprechender Projekte zur digitalen Identität hat Deutschland bis zum Jahr 2026 rund 79,3 Millionen Euro bereitgestellt. Auf europäischer Ebene wird angestrebt, die digitale ID bis zum Jahr 2030 flächendeckend zu etablieren.
Ein entsprechender Referentenentwurf aus dem Bundesdigitalministerium sieht vor, dass die technischen Systeme bis Ende 2026 bereitstehen sollen, um ab 2027 den digitalen Alltag zu unterstützen. Dabei wird den Behörden ein Ermessensspielraum bei der konkreten Ausgestaltung eingeräumt.
