Cybersicherheit, Bundesamt

Cybersicherheit: Neues Bundesamt startet am 1. Oktober mit Koordinierungsrolle

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Österreich meldete 2025 insgesamt 63.459 Cybercrime-Delikte; ab Oktober koordiniert eine neue Bundesbehörde den Schutz vor großen Cyberangriffen.

Steirischer Sicherheitsgipfel berät über Cybercrime und Extremismus
Ein heller, minimalistischer Innenraum mit hohen Bogengewölben und natürlichem Lichteinfall in einem historischen Gebäude. Illustration mit AI erstellt.

Im Weißen Saal der Grazer Burg haben Spitzenvertreter der steirischen Landespolitik sowie Experten aus Sicherheitsbehörden und dem Innenministerium über aktuelle Bedrohungsszenarien beraten. Der Sicherheitsgipfel zum Thema „Extremismus und Cybersicherheit“ markiert den zweiten Expertenaustausch dieser Art im laufenden Jahr.

Landeshauptmann Mario Kunasek und seine Stellvertreterin Manuela Khom erörterten dabei gemeinsam mit Vertretern der Polizei, des Staatsschutzes und des Militärs Strategien gegen die zunehmende Verlagerung krimineller und extremistischer Aktivitäten in den digitalen Raum.

Steigende Fallzahlen und neue Behördenstrukturen

Die Dringlichkeit des Austausches wird durch aktuelle Daten aus dem Innenministerium unterstrichen. Für das Jahr 2025 wurden in Österreich insgesamt 63.459 Delikte im Bereich Cybercrime zur Anzeige gebracht.

Während klassische Felder wie Internetbetrug und Erpressung im Netz zuletzt rückläufig waren, verzeichneten die Behörden bei Cyberangriffen im engeren Sinne – also gezielten Attacken auf IT-Systeme – einen Anstieg. Positiv hervorgehoben wurde eine verbesserte Aufklärungsquote bei diesen Straftaten.

Um der Komplexität dieser Bedrohungen zu begegnen, nimmt mit dem 1. Oktober das neue Bundesamt für Cybersicherheit (BCS) seine Arbeit auf. Die auf Basis des Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes (NISG 2026) geschaffene Behörde soll künftig eine koordinierende Rolle bei großflächigen Angriffen einnehmen. Der Fokus liegt dabei auf dem Schutz kritischer Sektoren wie Energieversorgung, Verkehrswesen, Gesundheit und der digitalen Infrastruktur.

Prävention gegen Radikalisierung in sozialen Netzwerken

Ein zentraler Aspekt des Gipfels in Graz war die Beobachtung, dass Radikalisierungsprozesse zunehmend früher einsetzen und in einer höheren Geschwindigkeit ablaufen. Landespolizeidirektor Gerald Ortner erläuterte, dass sich diese Prozesse fast vollständig in den digitalen Raum verlagert haben. Als größte Bedrohung in der Steiermark wird derzeit der islamistische Extremismus, insbesondere in Form von Salafismus und Jihadismus, eingestuft.

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LSE-Chef Rupert Meixner bestätigte diesen Trend und wies darauf hin, dass die Rekrutierung und Ideologisierung vornehmlich über soziale Medien und geschlossene Gruppen im Internet erfolge. Das Land Steiermark reagiert auf diese Entwicklung mit einer technischen Aufrüstung seiner eigenen IT-Infrastruktur.

Zum Einsatz kommen mehrstufige Schutzsysteme, segmentierte Netzwerke und abgesicherte Rechenzentren. Zudem lässt die Landesverwaltung ihre Systeme regelmäßigen Penetrationstests unterziehen und verfolgt eine Zertifizierungsstrategie nach ISO-27001.

Künstliche Intelligenz als zweischneidiges Schwert in der Abwehr

Parallel zum Gipfel in Graz findet am 28. und 29. September im Vienna Airport Conference Center die Veranstaltung „Tage der kritischen Infrastruktur“ statt. Vor über 350 Teilnehmern aus Wissenschaft und Wirtschaft betonte Innenminister Gerhard Karner dort die Realität und Komplexität moderner Bedrohungsszenarien.

Der Flughafen Wien investiert laut eigenen Angaben bereits jährlich hohe zweistellige Millionensummen in Sicherheitstechnik und betreibt unter anderem ein eigenes System zur Drohnen-Aufspürung.

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Die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) wird dabei von Fachleuten differenziert bewertet. Martina Lindorfer, Professorin für Security und Privacy an der TU Wien, erklärte, dass KI die Cybersicherheit auf beiden Seiten grundlegend verändere. Während Angreifer die Technologie nutzen, um Schadcode schneller zu generieren, setzen Sicherheitsforscher KI zur effizienten Erkennung von Malware ein.

Trotz des technologischen Fortschritts bleibe jedoch der Mensch ein kritischer Sicherheitsfaktor. Phishing-Versuche und der Einsatz von Deepfakes seien weiterhin verbreitete Einfallstore. Zudem warnte die Expertin vor vernetzten Geräten im Internet der Dinge (IoT), wie Druckern oder Routern, für die häufig keine Sicherheitsupdates zur Verfügung stünden.

Studien zeigen laut Lindorfer, dass viele aktuelle Schwachstellen auf technischen Problemen basieren, die der Fachwelt bereits seit über einem Jahrzehnt bekannt sind. Eine menschliche Kontrolle müsse daher auch bei zunehmender Komplexität und Abhängigkeit von KI-Systemen zwingender Bestandteil der Cybersecurity-Strategien bleiben.

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