Cybersicherheit, Hybrid-Angriffe

Cybersicherheit: 87 Prozent fürchten Hybrid-Angriffe auf IT

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lünendonk-Studie zeigt: Bis 2028 dominieren KI, digitale Souveränität und IT-Modernisierung die Strategien deutscher Organisationen. Cybersicherheit bleibt wichtigster Investitionstreiber.

Lünendonk-Studie: KI, Cloud-Souveränität und Cybersicherheit prägen IT-Markt bis 2028
Modernes Rechenzentrum mit abstrakten digitalen Overlays für Cloud-Infrastruktur und IT-Modernisierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche IT-Landschaft steht vor einem grundlegenden Wandel: Bis 2028 dominieren IT-Modernisierung, künstliche Intelligenz und digitale Souveränität die Technologiestrategien hiesiger Organisationen. Das zeigt die am 9. August veröffentlichte Lünendonk-Studie. Unternehmen und öffentliche Hand setzen demnach verstärkt auf agentenbasierte und generative KI, souveräne Cloud-Architekturen sowie cloud-native Betriebsmodelle, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Souveränität als Schlüsselthema im öffentlichen Sektor

Digitale Souveränität hat sich zum zentralen Thema im deutschen IT-Markt entwickelt. Laut der Studie gelten souveräne IT- und Cloud-Architekturen in den kommenden zwei Jahren als kritische Trends. Martin Wibbe, CEO von conet, beschreibt die aktuelle Strategie als Kombination aus Hybrid-Lösungen und Souveränität.

Im öffentlichen Sektor zeigt sich dieser Trend bei der Einführung von Plattformen wie der Delos Cloud. Die SAP-Tochter bietet eine souveräne Cloud-Umgebung für deutsche Behörden auf Basis von Microsoft-Technologie, die den Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entspricht. Migrations- und Integrationsprojekte werden dabei durch Werkzeuge wie Souveränitäts-Kompass und Readiness-Checks unterstützt.

Ergänzend empfiehlt eine Studie des Fraunhofer-Instituts, gefördert vom Bundesinnenministerium, der Bundesverwaltung den Aufbau eigener generativer KI-Systeme. Zwar sehen die Forscher aktuell keine kritische Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, doch sie konstatieren eine starke Nutzung nicht-europäischer Open-Source-Modelle. Ihre Forderung: europäische Open-Source-Sprachmodelle (LLMs) und gemeinsame Infrastrukturen.

Hybrid-Bedrohungen: Die neue sicherheitspolitische Realität

Cybersicherheit bleibt der wichtigste Treiber für IT-Investitionen – und das Bedrohungsszenario verschärft sich. Eine Bitkom-Umfrage aus dem zweiten Quartal 2026 zeigt: 87 Prozent der befragten Unternehmen halten eine ernste Krise durch Hybrid-Angriffe für wahrscheinlich. Doch nur 33 Prozent glauben, dass Deutschland auf solche Szenarien gut vorbereitet ist.

Die Verwundbarkeit bestehender IT-Strukturen wurde zuletzt am 13. Juli 2026 deutlich, als ein fehlerhaftes Software-Update einen erheblichen IT-Ausfall an Berliner Gerichten verursachte. Um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, investiert der Bund zwischen 2023 und 2029 rund 410 Millionen Euro in die Digitalisierung der Justiz.

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Die Wirtschaft reagiert: Die Deutsche Telekom skaliert ihre Sicherheitsanalysen mit KI-Unterstützung. Google Threat Intelligence beobachtet dabei ein zweischneidiges Phänomen: KI hilft zwar, Zero-Day-Schwachstellen effizienter zu identifizieren, wird aber gleichzeitig von Angreifern für Social Engineering und autonome Attacken genutzt. Experten des SANS Institute warnen zudem, dass KI-Agenten strikt abgesichert werden müssen, um ein Entkommen aus kontrollierten Testumgebungen zu verhindern.

Arbeitsmarkt: IT-Spezialisten weiterhin gefragt

Der Bedarf an IT-Fachkräften hat sich spürbar verändert. Der Hays Specialist Index fiel im zweiten Quartal 2026 um 37 Prozentpunkte auf 59 Prozent – ein allgemeiner Rückgang. Doch einzelne Rollen bleiben heiß begehrt: Die Nachfrage nach IT-Sicherheitsexperten erreichte 373 Prozent, Datenbank-Entwickler legten um 9 Punkte auf 322 Prozent zu – angetrieben vom anhaltenden KI-Boom. Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag im Juli 2026 bei 6,4 Prozent.

Trotz konjunktureller Abkühlung zeigt sich der europäische Start-up-Sektor robust: Im Juli 2026 flossen 8,6 Milliarden Euro in 267 Deals. Deutschland erwies sich dabei als stärkster Markt mit 3,5 Milliarden Euro aus 48 Finanzierungsrunden. Mehr als 21 Prozent des Gesamtvolumens entfielen auf KI-Unternehmen.

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KI-Governance und Automatisierung werden Pflicht

Seit dem 2. August 2026 gilt der EU AI Act in vollem Umfang. Organisationen implementieren nun Compliance-Rahmenwerke, um KI-Risiken zu managen. Ein Beispiel: S-Communication Services, Teil der Sparkassen-Finanzgruppe, automatisierte kürzlich redaktionelle Prozesse. Die manuellen Schritte reduzierten sich um mehr als die Hälfte, die Prozessgeschwindigkeit stieg um 10 bis 20 Prozent – bei Einhaltung eines eigenen Compliance-Rahmenwerks.

Im Markt für Unternehmenssoftware sorgte Yonyou am 8. August 2026 mit der Einführung der KI-Plattform BIP 6 für Aufsehen. Das System umfasst 63 branchenspezifische Agenten und mehr als 600 KI-Fähigkeiten. Bemerkenswert: Über 300 Unternehmen haben westliche Systeme durch alternative Lösungen ersetzt – ein deutliches Zeichen für den wachsenden Wettbewerbsdruck im KI- und ERP-Softwaremarkt.

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