Cybermobbing: Rund 600.000 Betroffene entwickelten Suizidgedanken
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDigitale Schikanen und Ausgrenzung stellen den Schulalltag vor anhaltende Herausforderungen. Erhebungen verdeutlichen, dass Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen zunimmt und schwerwiegende psychische Folgen nach sich zieht.
Eine von Uwe Leest für das Bündnis gegen Cybermobbing vorgestellte Untersuchung zeigt, dass 20,7 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler bereits mindestens einmal Ziel solcher Attacken waren. Die Übergriffe reichen bis hin zu gravierenden Belastungen für die mentale Gesundheit: Rund 600.000 Betroffene entwickelten infolge der Nachstellungen bereits Suizidgedanken.
Verbreitung digitaler Angriffe und der Einfluss von KI
Internationale Daten bestätigen den Trend zunehmender Aggressionen im Internet. Der für das Schuljahr 2025–2026 vorgelegte achte Bericht von Fundación ANAR und Fundación Mutua Madrileña weist aus, dass 14,1 Prozent der Schüler angeben, selbst oder über Mitschüler von Mobbing oder Cybermobbing betroffen zu sein, nach 12,3 Prozent im vorherigen Schuljahr.
Differenziert nach den Formen entfielen dabei 7,9 Prozent auf reines Präsenzmobbing, 3,0 Prozent auf Cybermobbing sowie 3,2 Prozent auf eine Kombination beider Varianten. Bei 22,8 Prozent der Cybermobbing-Fälle und 27,6 Prozent des Präsenzmobbings hielten die Schikanen länger als ein Jahr an.
Zudem greifen Angreifer vermehrt auf moderne Technologien zurück. Laut dem Bericht kam in 23,5 Prozent der erfassten Cybermobbing-Fälle Künstliche Intelligenz zum Einsatz, was einem Anstieg um 9,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert von 14,2 Prozent entspricht. Im Mittelpunkt standen dabei Bild- und Videofälschungen sowie Identitätsdiebstahl.
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Konkret machten Fotomanipulationen 79,5 Prozent und Stimmmanipulationen 57,5 Prozent der KI-gestützten Angriffe aus. Mädchen stellten mit 60,3 Prozent den größten Anteil der Opfer dar. Zu den am häufigsten genutzten Plattformen für Nachstellungen zählten WhatsApp mit 78,4 Prozent, TikTok mit 65,6 Prozent sowie Instagram mit 50,4 Prozent.
Motive, Rollenbilder und Dynamiken im Klassenzimmer
Die Datengrundlage der spanischen Erhebung umfasst 9.127 Schulkinder der fünften und sechsten Primarstufe sowie der ersten beiden Stufen der Sekundarschule (ESO) und 412 Lehrkräfte. Die Urheber stammten zu 66,7 Prozent aus der eigenen Schulklasse.
Als wesentliche Beweggründe nannten die Befragten das äußere Erscheinungsbild (78,9 Prozent), Herkunft, ethnische Zugehörigkeit oder Religion (54,9 Prozent) sowie das Verhalten der betroffenen Person (50,3 Prozent). Im digitalen Raum äußerten sich die Vorfälle primär durch das Streuen von Gerüchten (71,0 Prozent), Aufnahmen von tätlichen Angriffen (59,5 Prozent) und Drohbotschaften (54,2 Prozent).
Im Schulkollegium identifizierten die Lehrkräfte vor allem Gruppendruck (89,3 Prozent), den Missbrauch von Technologien (87,9 Prozent), eine zunehmende Normalisierung von Gewalt (87,4 Prozent) sowie mangelnden Respekt (87,1 Prozent) als Hauptursachen. 37,7 Prozent des Schulpersonals stuften das schulseitige Management dieser Konflikte als gut ein.
Dennoch schätzen 30,0 Prozent der Schüler das Weiterleiten entwürdigender Beiträge nicht als Mittäterschaft ein, während 27,7 Prozent aus Furcht davor zurückschreckten, Vorfälle zu melden. Gleichzeitig erklärten 77,7 Prozent der Jugendlichen, Angriffe an Lehrkräfte weiterzugeben, und 77,5 Prozent wollten Betroffene aktiv unterstützen.
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Präventionsmaßnahmen und rechtliche Rahmenbedingungen
Zur Eindämmung dieser Dynamiken existieren verschiedene Aufklärungs- und Unterstützungsinitiativen. Das Bündnis gegen Cybermobbing stellt Hilfsangebote für Erziehende und Lehrkräfte bereit.
Behördliche Zahlen der portugiesischen Nationalgarde (GNR) dokumentieren für das Schuljahr 2025/2026 insgesamt 1.845 Sensibilisierungsmaßnahmen, die 67.117 Kinder und Jugendliche erreichten – ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für das Jahr 2026 registrierte die GNR 1.657 Straftaten im schulischen Umfeld ihres Zuständigkeitsbereichs, darunter 72 Fälle klassischen Mobbings und 6 registrierte Cybermobbing-Vorfälle. Da Bullying und Cybermobbing im portugiesischen Strafrecht nicht als eigenständige Delikte typisiert sind, erfolgt die statistische Erfassung über allgemeine Straftatbestände mit entsprechendem Modus Operandi.
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Zur Schadensbegrenzung empfehlen Fachleute Betroffenen, Nachweise und Beweise zu sichern, Täter umgehend zu blockieren und Sicherheitsoptionen der Nutzerkonten zu überprüfen. Demütigende Dateien sollten nicht weiterverbreitet werden; zudem bieten Beschwerdestellen, Fachberatungen wie INCIBE sowie die polizeilichen Dienststellen Anlaufpunkte für Gegenmaßnahmen.
