Cybermobbing, Schulen

Cybermobbing in Schulen: 59% Lehrkräfte sehen massive Belastung

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfragen belegen Wissenslücken bei Jugendlichen und Schulen. Präventionsprojekte sowie EU-Pläne sollen digitalen Jugendschutz stärken.
Ein leerer, modern gestalteter Schulflur mit hellem Holzboden und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Fallzahlen von digitaler Gewalt betonen Fachleute und Bildungsinitiativen die Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche verstärkt durch Aufklärung und pädagogische Begleitung vor den psychischen Folgen von Cybermobbing und Missbrauch zu schützen. Aktuelle Erhebungen und großangelegte Präventionsprojekte verdeutlichen dabei sowohl den Handlungsbedarf als auch die bestehenden Wissenslücken bei den Betroffenen.

Bildungsinitiativen und aktuelle Umfrageergebnisse

Ein zentraler Baustein der Präventionsarbeit sind bundesweite Aufklärungsformate. An einer großangelegten Online-Schulstunde der Initiative klicksafe nahmen 65.820 Schülerinnen und Schüler in 2.194 Schulklassen der Jahrgangsstufen 5 bis 8 teil.

Allein aus Rheinland-Pfalz waren 230 Schulen vertreten. Das Programm, das im Media:TURM in Ludwigshafen aufgezeichnet wurde, entstand in Kooperation mit Aktion Mensch und Nummer gegen Kummer e.V. und wurde erstmals auch in Gebärdensprache sowie in Leichter Sprache angeboten.

Im Rahmen dieser Veranstaltung durchgeführte Live-Umfragen unterstrichen die Dringlichkeit der Thematik: Von über 20.000 abgegebenen Stimmen gab nur knapp die Hälfte der Teilnehmenden an, zu wissen, wie sie Betroffenen von Cybermobbing konkret helfen können. Dies deckt sich mit den Befunden der JIM-Studie 2025, wonach zirka 26 % der befragten Jugendlichen bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht haben. Als häufigster Kontext für diese Vorfälle wird das schulische Umfeld genannt.

Herausforderungen im Schulalltag und regionale Präventionsarbeit

Die Belastung der Bildungseinrichtungen durch digitale Konflikte wird auch durch Daten des Branchenverbandes Bitkom gestützt. In einer Befragung von 501 Lehrkräften der Sekundarstufen I und II, die zwischen der 22. und 26. Kalenderwoche 2026 durchgeführt wurde, gaben 59 % der Befragten an, dass Cybermobbing und andere Social-Media-Konflikte den Schulalltag belasten.

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Lediglich 24 % der Lehrkräfte hielten ihre Schulen für ausreichend auf die Vermittlung von Social-Media-Kompetenzen vorbereitet. Während 35 % für eine stärkere Integration des Themas in den Unterricht plädierten, sprachen sich 29 % für ein Verbot der privaten Nutzung aus.

Nur 5 % der Lehrkräfte gaben an, dass es spezielle Medienbildungsangebote für Eltern gibt. Bereits in einer Bitkom-Umfrage vom August sahen zudem 80 % der Befragten eine zu geringe politische Unterstützung für die Digitalisierung.

Auf regionaler Ebene werden verschiedene Ansätze verfolgt, um diesen Defiziten zu begegnen:

  • Dortmund: Das Präventionstheater „Comic On!“ erreichte mit Aufführungen wie „r@usgemobbt 2.0“ im Fritz-Henßler-Haus über 1.800 Kinder und Lehrkräfte. Aufgrund der hohen Nachfrage befinden sich weitere 900 Kinder auf einer Warteliste.
  • Kreis Warendorf: Am 14. September 2026 startete an der Realschule St. Martin in Sendenhorst eine Ausbildung für Medienscouts. Schüler aus acht Schulen nehmen an Workshops zu Themen wie Datenschutz und Social Media teil, koordiniert von der Landesanstalt für Medien NRW.
  • Bayern: Das seit 2021 bestehende Projekt „Digital Streetwork“ setzt auf direkte Beratung im digitalen Raum. Mit einer jährlichen Förderung von rund 1,7 Millionen Euro wurden bisher über 30.000 junge Menschen erreicht und 14.700 Beratungsgespräche geführt.
  • Rheinland-Pfalz: Das Projekt MEDIENTRIXX fördert im Zeitraum 2024/25 zehn Grundschulen und Orientierungsstufen durch kostenfreie Module zur Medienkompetenz.
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Regulatorische Debatten und der EU Kids Act

Auf politischer Ebene wird verstärkt über gesetzliche Altersgrenzen debattiert. Die EU-Kommission stellte Mitte September 2026 den Entwurf des „EU Kids Act“ vor. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte dabei weitreichende Pläne an: Ein generelles Verbot für Kinder unter 13 Jahren sowie elternverwaltete „Mini-Konten“ für die Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen.

Diese Konten sollen eine maximale Nutzungsdauer von einer Stunde täglich vorsehen. Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren ist ein verpflichtendes sicheres Plattform-Design geplant.

Diese Vorhaben stoßen auf ein geteiltes Echo. Während Familienministerin Prien Verbote für Unter-13-Jährige befürwortet und Bundesjustizministerin Hubig rasches Handeln mahnt, warnen Verbände wie eco vor Doppelregulierungen mit bereits bestehenden Richtlinien wie dem Digital Services Act (DSA).

Kritiker, darunter die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) sowie Amnesty International Österreich, halten starre Altersgrenzen für wenig zielführend. Amnesty verwies auf Erfahrungen aus Australien, wo trotz eines Verbots für Unter-16-Jährige seit Januar 2026 weiterhin zwei Drittel der Betroffenen in sozialen Medien aktiv seien.

Die Bundesschüler*innenkonferenz fordert unterdessen, Medienbildung fest im Schulalltag zu verankern und Schüler dauerhaft an Entscheidungsprozessen zum digitalen Jugendschutz zu beteiligen, lehnt jedoch pauschale Verbote von Smartphones oder sozialen Medien ab. Die nächste bundesweite Online-Schulstunde von klicksafe ist für den Safer Internet Day im Februar 2027 geplant.

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