Cyberkriminelle, Politiker

Cyberkriminelle jagen Politiker: 8,8 Millionen Euro in Neu-Delhi geraubt

Veröffentlicht am: 21.06.2026 um 17:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Fahndung nach Hackern: Phishing-Attacken auf Abgeordnete und Millionenbetrug per Deepfake erschüttern die Sicherheitsbehörden.

Cyberkriminelle im Visier: Gefälschte News und KI gegen Politiker
A shadowy figure typing on a laptop with digital data streams, symbolizing a sophisticated phishing attack on political figures. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsbehörden in Israel und Indien jagen eine Bande von Cyberkriminellen, die mit perfiden Methoden hohe politische Amtsträger ins Visier nehmen. Die Täter setzen auf gefälschte Nachrichten und Künstliche Intelligenz – und erbeuten Millionenbeträge.

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Angriff auf israelischen Abgeordneten

Am heutigen Sonntag wurde Amit Halevi, Mitglied des mächtigen Außen- und Verteidigungsausschusses der Knesset, Ziel eines gezielten Phishing-Angriffs. Die Täter nutzten das Profilbild von Ayala Ben-Gvir, um über WhatsApp einen manipulierten Zoom-Link zu versenden.

Halevi fiel nicht darauf herein. Er informierte umgehend die Cyber-Einheit des Parlaments, die Ermittlungen aufnahm. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Attacken: Bereits im März wurden Konten eines australischen Abgeordneten und seiner Mitarbeiter gekapert, was zu einer vorübergehenden Sperrung des Webzugriffs auf WhatsApp durch die Parlamentsverwaltung führte.

Millionenraub in Indien

Noch dreister agierten Betrüger in Neu-Delhi. Zwischen dem 12. und 16. Juni gaben sich Kriminelle als Naresh Gujral aus – Sohn des früheren Premierministers I.K. Gujral. Sie täuschten den Finanzvorstand seines Unternehmens und veranlassten vier Überweisungen in Höhe von umgerechnet rund 8,8 Millionen Euro.

Die indische Polizei konnte immerhin knapp die Hälfte der Summe – etwa 4,8 Millionen Euro – einfrieren. Die Spur des Geldes führt über Konten in Maharashtra und Andhra Pradesh zu dutzenden sogenannten "Mule-Konten", die zur Geldwäsche genutzt werden.

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Erst am Freitag nahm die Polizei zudem einen Mann fest, der sich als persönlicher Assistent eines BJP-Funktionärs ausgab und über WhatsApp Zahlungen unter Androhung falscher Anschuldigungen forderte.

Deepfakes: Die neue Waffe gegen Politiker

Doch nicht nur klassischer Betrug bereitet den Sicherheitsbehörden Kopfzerbrechen. Generative KI eröffnet völlig neue Angriffsvektoren. In Großbritannien kündigte die Stadträtin Jill Salt aus Staffordshire nach zwölf Jahren ihren Rücktritt an – ausgelöst durch eine 18 Monate währende Kampagne mit sexualisierten Deepfake-Videos, die ihr Gesicht auf fremde Körper montierten.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte bereits Anfang Mai vor dieser Entwicklung gewarnt und Deepfakes als „gefährliches Werkzeug der Manipulation" bezeichnet. Sie rief die Öffentlichkeit auf, Informationen vor dem Teilen kritisch zu prüfen.

Signal-Präsidentin warnt vor KI-Chatbots

Auch die technische Infrastruktur der Messaging-Dienste selbst gerät in den Fokus. Meredith Whittaker, Präsidentin des verschlüsselten Messengers Signal, warnte am Sonntag vor der Integration von KI-Chatbots in Kommunikationsplattformen. Ihre Begründung: Diese Tools benötigen tiefe Zugriffsrechte auf persönliche Daten wie Kalender und Nachrichten – und könnten als strukturelle Hintertüren wirken, die mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unvereinbar sind.

Sicherheitsexperten empfehlen Politikern und Unternehmen dringend, Multi-Faktor-Authentifizierung und Passwort-Manager einzusetzen. Die britische Regierung hat bereits reagiert und eine Task Force zum Schutz demokratischer Prozesse vor digitaler Einmischung eingerichtet.

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