Cyberkriminalität, Opfer

Cyberkriminalität: Jeder zehnte Deutsche wurde schon Opfer

02.07.2026 - 14:31:32 | boerse-global.de

Finanzinstitute setzen auf Gesichtserkennung und Echtzeit-Warnungen. Jeder zehnte Deutsche wurde bereits Opfer von Cyberkriminalität.

Banken verschärfen Sicherheit: Biometrie und Warnsysteme gegen Cyberbetrug
Cyberkriminalität - Nahaufnahme einer Hand, die ein Smartphone mit einer Banking-App und einem Symbol für Gesichtserkennung hält, das Cybersicherheit und Betrugsprävention symbolisiert. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Biometrie, Warnsysteme und strengere Regeln: Finanzinstitute reagieren auf die wachsende Bedrohung durch Cyberkriminalität. Die Schadenssummen steigen, die Angriffsmethoden werden raffinierter.

Neue Hürden für Betrüger

Mehrere Institute haben zu Beginn des zweiten Halbjahres ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die vietnamesische Bank SHB führte Anfang Juli eine neue Warnfunktion ein. Das System gleicht Transaktionen in Echtzeit mit einer Sperrliste des Ministeriums für öffentliche Sicherheit ab. Kunden werden vor Überweisungen auf verdächtige Konten gewarnt. Die finale Entscheidung bleibt beim Nutzer.

Auch für Firmenkunden gibt es neue Vorgaben. Unternehmen müssen bei Überweisungen ab umgerechnet 50 Millionen VND eine biometrische Gesichtserkennung des gesetzlichen Vertreters durchführen. Banken wie ABBank, ACB und TPBank setzen dies bereits um.

Jeder zehnte Bundesbürger betroffen

Die Dringlichkeit der Maßnahmen zeigt der BSI Cybersicherheitsmonitor 2026: Bereits jeder zehnte Deutsche wurde Opfer von Cyberkriminalität. Eine Umfrage des Zahlungsdienstleisters Adyen belegt zudem, dass jeder vierte Konsument beim Online-Shopping von Zahlungsbetrug betroffen war. Der durchschnittliche Verlust pro Vorfall: 395 Euro.

Besonders Phishing bleibt eine enorme Gefahr. Aktuell kursiert eine Welle gefälschter E-Mails im Namen der Zürcher Kantonalbank. Die Täter versuchen unter dem Vorwand einer notwendigen Telefonnummer-Bestätigung, Zugangsdaten und Aktivierungsbriefe fürs E-Banking zu stehlen.

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BaFin verschärft Regeln

Die Aufsichtsbehörden reagieren auf die veränderte Risikolage. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) veröffentlichte Ende Juni die neunte Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Sie sieht eine stärkere Berücksichtigung von ESG-Risiken vor und nähert sich dem Digital Operational Resilience Act (DORA) an. Kleinere Institute mit einer Bilanzsumme unter einer Milliarde Euro erhalten Erleichterungen. Die Umsetzungsfrist läuft bis Anfang 2027.

Ein bewährtes Instrument bleibt die KUNO-Sperrdatei. Im vergangenen Jahr wurden über dieses System – betrieben von Polizei und Handelswirtschaft – 150.314 gestohlene oder verlorene Debitkarten für das Lastschriftverfahren gesperrt. Das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schwachstelle KI-Chatbot

Trotz technischer Aufrüstung zeigen sich Probleme in der automatisierten Kundenkommunikation. Eine Untersuchung der Firma DECTA wertete rund 159.600 Bewertungen europäischer Banking-Apps aus. Ergebnis: Die Beschwerden über KI-basierte Chatbots stiegen um über 55 Prozent im Jahresvergleich. Nur 11,4 Prozent der Kundenanliegen konnten die Systeme erfolgreich lösen. Hauptprobleme waren Identitätsverifizierung, abgelehnte Transaktionen und Zugriffsprobleme.

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Experten raten daher zu einer Kombination aus technischem Schutz und persönlicher Wachsamkeit. Multifaktor-Authentifizierung und Verhaltensanalyse durch die Banken sind wichtig. Doch das Erkennen von Social Engineering – etwa durch vorgetäuschte Dringlichkeit in betrügerischen Anrufen – bleibt die zentrale Säule der Prävention.

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