Cyberkriminalität, Deutschland

Cyberkriminalität in Deutschland steigt drastisch an

14.05.2026 - 11:04:38 | boerse-global.de

Der Cybersecurity Monitor 2026 zeigt einen sprunghaften Anstieg der Betroffenen auf elf Prozent. Besonders der Online-Handel ist betroffen.

Cyberkriminalität in Deutschland steigt drastisch an - Foto: über boerse-global.de
Cyberkriminalität in Deutschland steigt drastisch an - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte Cybersecurity Monitor 2026 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizei. Die Zahl der Betroffenen stieg von sieben auf elf Prozent – ein alarmierender Sprung binnen eines Jahres.

Besonders betroffen ist der Online-Handel: 22 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal beim Einkaufen im Netz betrogen worden zu sein. Unautorisierte Kontozugriffe und Überweisungsbetrug folgen auf den nächsten Plätzen. Insgesamt haben 27 Prozent aller Nutzer bereits mindestens einmal in ihrem Leben Erfahrung mit Cyberkriminalität gemacht.

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Die Folgen sind alles andere als virtuell: 88 Prozent der Opfer erlitten einen konkreten Schaden, ein Drittel davon finanzielle Verluste. Dennoch informieren sich nur 14 Prozent der Nutzer regelmäßig über Sicherheitsrisiken im Netz. Eine gefährliche Lücke – besonders für ältere Menschen.

Strengere Regeln für Banken gefordert

Die Arbeiterkammer Wien schlägt Alarm: Rund 1,4 Millionen Österreicher – etwa jeder fünfte – hatte bereits Probleme mit Online-Überweisungen. Bei drei Viertel der Betroffenen lag der Schaden bei bis zu 600 Euro. Die AK fordert deshalb härtere Regeln für Banken.

Konkret verlangt die Kammer die sofortige Erstattung von gestohlenem Geld bei Phishing-Fällen. Banken sollen künftig nachweisen müssen, dass Kunden „grob fahrlässig" gehandelt haben, bevor sie eine Zahlung verweigern dürfen. Bislang schieben viele Geldhäuser die Verantwortung auf ihre Kunden – mit Verweis auf angeblich fahrlässiges Verhalten.

Auch technisch tut sich etwas: Google kündigte auf der Android-Show am Dienstag eine neue Schutzfunktion an. Künftig soll das Smartphone direkt mit der Banking-App kommunizieren können. Kann die App nicht bestätigen, dass ein legitimes Gespräch läuft, trennt das Telefon den Anrufer automatisch. Die Funktion kommt für Geräte ab Android 11 – zunächst bei Revolut, Itaú und Nubank.

Digitale Kluft: Städte starten Offensiven für Senioren

Während jüngere Generationen mit Smartphones und Apps aufwachsen, tun sich viele Ältere schwer. Eine Bertelsmann-Studie zeigt: 50 Prozent der 60- bis 69-Jährigen bewerten ihre Digitalkenntnisse als gut oder sehr gut – bei den über 70-Jährigen sind es nur noch 36 Prozent.

Mehrere Städte haben deshalb konkrete Hilfsprogramme gestartet:

  • Hamburg: Der NDR startet im Juni eine Workshop-Reihe mit dem Hamburger Seniorenrat. Ab dem 3. Juni lernen Über-65-Jährige, wie sie Fake News und Desinformation erkennen.
  • Schwerin: Das Seniorenbüro sucht „Silver Surfer" – technikaffine Senioren, die ab dem 29. Mai zu Multiplikatoren ausgebildet werden.
  • Griesheim: Polizei und Seniorenbüro luden am Mittwoch zu einem Sicherheitsvortrag über Haustürbetrug und „Schockanrufe".
  • Schrobenhausen: Schüler helfen Senioren am 20. Mai beim Umgang mit Smartphones und Tablets.

Laut einer Bitkom-Umfrage von 2026 nutzen inzwischen drei von vier älteren Menschen das Internet – doch viele brauchen Unterstützung. Der Bundesverband der Seniorenorganisationen (BAGSO) fordert daher ein Recht auf technische Betreuung.

Von Phishing bis Love Scamming: Die neuen Maschen

Ein aktueller Fall aus Köln zeigt, wie raffiniert die Betrüger vorgehen: Eine Frau verlor 300 Euro durch eine gefälschte Park-App aus Kopenhagen. Wochen später bemerkte sie kleine Abbuchungen von 30 bis 50 Euro auf ihrem Konto. Weil sie die TAN manuell eingegeben hatte, verweigerte die Bank die Erstattung.

Die Kölner Polizei warnt: Phishing-Varianten tauchen inzwischen auf Second-Hand-Plattformen und bei Signal auf – oft gezielt gegen Berufsgruppen wie Beamte oder Journalisten.

Banken wie DKB und ING raten zur Skepsis bei jeder Nachricht, die Dringlichkeit suggeriert. Seriöse Geldhäuser fragen niemals per Telefon oder Mail nach sensiblen Daten – und fordern auch nicht zur Installation von Fernwartungssoftware auf.

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Besonders perfide: Love Scamming. Betrüger bauen über soziale Netzwerke emotionale Bindungen auf, erfinden dann finanzielle Notlagen und bitten um Geld. Warnsignale sind schnelle Liebesbekundungen, fehlende überprüfbare Fotos und ständige Ausreden für persönliche Treffen.

Technik-Panne bei Sparkasse Trier

Selbst wer vorsichtig ist, kann Opfer von Technikproblemen werden. Am Dienstag fielen die Online-Banking-Systeme der Sparkasse Trier und weiterer Institute in Rheinland-Pfalz und Bremen zeitweise aus. Kunden konnten weder Apps noch das S-pushTAN-Verfahren nutzen. Die Sparkasse betonte: Kein Cyberangriff, kein Datenverlust – aber die Störung zeigt, wie anfällig die digitale Infrastruktur ist.

Wer seinen PIN vergessen hat oder das Konto gesperrt wurde, kann sich an die Notrufnummer 116 116 wenden. Die Braunschweigische Landessparkasse veröffentlichte am Mittwoch aktualisierte Anleitungen zur PIN-Entsperrung.

Ausblick: KI soll künftig schützen

Die Zukunft des digitalen Schutzes liegt in künstlicher Intelligenz und Biometrie. Google kündigte für die zweite Jahreshälfte 2026 mit Android 17 eine „Live Threat Detection" an: KI soll Schadsoftware in Echtzeit erkennen. Zudem ermöglicht ein verbesserter Diebstahlschutz das Sperren von Geräten per PIN oder biometrischen Daten.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner fordert einfachere Sicherheitslösungen, die keine Technikexperten voraussetzen. Für deutsche Städte bleibt die Herausforderung, eine sichere digitale Infrastruktur mit persönlicher Unterstützung zu verbinden. Denn nur so können alle Bürger – unabhängig vom Alter – sicher im Netz unterwegs sein.

Ein wichtiger Baustein: das Webinar „Sicherheit im Internet" von VBB und BBBank am 20. Mai 2026.

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