Cyberkriminalität, Google

Cyberkriminalität: Google verklagt Outsider Enterprise wegen 2,5 Mio. SMS

12.06.2026 - 16:45:05 | boerse-global.de

Google reicht Zivilklage gegen die Gruppe Outsider Enterprise ein, die Gemini für automatisierte Phishing-Angriffe auf Android-Nutzer nutzte.

Google verklagt chinesische Hacker: KI-Missbrauch für Phishing-Welle
Cyberkriminalität - A digital shield made of interconnected data points, with red, shadowy figures attempting to breach its defenses. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Google hat eine Zivilklage gegen die chinesische Cyberkriminellen-Gruppe „Outsider Enterprise" eingereicht. Der Vorwurf: Die Bande nutzte Googles eigene KI Gemini, um massenhaft Phishing-Angriffe auf Android-Nutzer zu automatisieren. Die Klage wurde am Donnerstag beim US-Bezirksgericht für den Südbezirk von New York eingereicht.

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Das Geschäftsmodell der Gruppe ist erschreckend professionell. „Outsider Enterprise" betrieb eine „Phishing-as-a-Service"-Plattform – Abo-Preise ab umgerechnet rund 80 Euro pro Woche. Kunden erhielten Zugriff auf mehr als 290 Vorlagen für gefälschte Webseiten, die Banken und Behörden täuschend echt nachahmten.

Die KI spielte dabei eine zentrale Rolle: Gemini generierte den Code für betrügerische Websites und Phishing-Nachrichten. Zwischen November 2025 und April 2026 identifizierte Google rund 1,59 Millionen eindeutige URLs, die mit dem Netzwerk in Verbindung stehen. Insgesamt entstanden so 9.000 Fake-Webseiten – koordiniert über den Messenger-Dienst Telegram.

Alarmierende Zahlen: 2,5 Millionen SMS in zwei Wochen

Besonders besorgniserregend ist die jüngste Entwicklung. Allein in zwei Wochen im Mai 2026 verschickte die Gruppe 2,5 Millionen betrügerische SMS mit schädlichen Links an Android-Nutzer. Die Folge: mehr als 55.000 Spam-Meldungen von betroffenen Anwendern.

Google reagierte nicht nur juristisch. In Zusammenarbeit mit dem FBI und den großen US-Telekommunikationsanbietern AT&T, T-Mobile und Verizon gelang es, die technische Infrastruktur des Netzwerks zu stören. Die Klage fordert Schadenersatz und eine einstweilige Verfügung – gestützt auf Verstöße gegen das RICO-Gesetz (Bekämpfung organisierter Kriminalität) und das Lanham-Gesetz (Markenrechtsverletzung).

Zweite Klage: 100 Millionen Kreditkarten gefährdet

Doch damit nicht genug: Parallel reichte Google eine weitere Zivilklage gegen 25 unbekannte Beschuldigte ein. Diese sollen hinter der Plattform „Lighthouse" stecken, die auch unter den Namen „Darcula" und „Smishing Triad" bekannt ist. Die Schadensbilanz ist atemberaubend: Zwischen 15 und 100 Millionen US-Kreditkarten sollen kompromittiert worden sein – der finanzielle Schaden liegt bei über einer Milliarde Euro.

Die juristische Offensive kommt nicht von ungefähr. Bereits am Mittwoch beschlagnahmte das FBI 13 Domains eines anderen chinesischen Netzwerks, das US-Regierungsmitarbeiter mit Sicherheitsfreigaben durch gefälschte Jobangebote auf LinkedIn ins Visier genommen hatte.

Google fordert schärfere Gesetze

Der Konzern bleibt nicht bei juristischen Schritten stehen. Google macht sich für strengere bundesweite Schutzmaßnahmen gegen digitale Betrugsmethoden stark. Das Unternehmen unterstützt mehrere parteiübergreifende Gesetzesvorschläge, darunter den „Stop SCAMS Act". Ziel: internationale Cyberkriminalität eindämmen und Verbraucher vor KI-gesteuerten Angriffen schützen.

Die Frage, die sich stellt: Wie sicher sind unsere Daten noch, wenn Kriminelle dieselbe KI nutzen wie die Technologiekonzerne selbst?

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