Cyberkriminalität: 764-Netzwerk zielt auf Kinder zwischen 8 und 17 Jahren
25.06.2026 - 03:31:38 | boerse-global.de
Am 24. Juni 2026 schlugen Ermittler in mehreren Ländern Alarm: Immer mehr Kinder werden über Gaming-Plattformen und verschlüsselte Messenger-Dienste zur Zielscheibe von Erpressung, Betrug und extremistischer Indoktrination.
Festnahme auf Kreta: 17-Jähriger soll Teil internationaler Täter-Netzwerke sein
Die griechische Polizei nahm auf Kreta einen 17-Jährigen fest. Er steht im Verdacht, Teil des internationalen „764“-Netzwerks zu sein. Die Gruppe, die 2021 gegründet wurde, hat sich auf die gezielte Ansprache von Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren spezialisiert. Nach Angaben der griechischen Cybercrime-Behörden, die mit US-Ermittlern zusammenarbeiten, nutzt das Netzwerk Plattformen wie Discord, Telegram und Roblox für sogenanntes Sextortion (sexuelle Erpressung), Doxing (Veröffentlichung privater Daten) und Swatting (falsche Polizeimeldungen). Die Ermittler sehen in der Gruppe einen zentralen Akteur des nihilistischen gewalttätigen Extremismus.
Die Gefahr der Online-Radikalisierung zeigte sich auch nach einem Schulmassaker auf den Philippinen. Am 22. Juni 2026 tötete ein Täter in Tacloban drei Menschen. Nur einen Tag später begannen philippinische Ermittler, Verbindungen zwischen den Verdächtigen und extremistischen Inhalten auf Gaming- und Messenger-Apps zu prüfen. Die Behörden verboten vorübergehend eine bestimmte Gaming-App, die für ihre grafische Gewaltdarstellung bekannt ist, und untersuchen, ob die Täter durch dasselbe „764“-Netzwerk beeinflusst wurden.
Indien: Telegram im Fokus der Ermittler
In Indien schlägt das Innenministerium Alarm. Ein Bericht des Indian Cyber Crime Coordination Centre (I4C) vom Juni 2026 zeigt: Telegram wird massiv für die Verbreitung von Kindesmissbrauchsmaterial und Finanzbetrug genutzt. Allein zwischen Januar und Mai 2026 gingen 1.556 Beschwerden ein, die mit der Plattform in Verbindung stehen. Seit 2023 summiert sich die Zahl der Beschwerden auf über 688.000.
Gaming-Sucht als Einfallstor für Betrug
Die Polizei im indischen Hyderabad warnte Eltern am 24. Juni 2026 vor einer Zunahme von Cyberbetrug im Zusammenhang mit Spielsucht bei Jungen zwischen 10 und 17 Jahren. Polizeichef V.C. Sajjanar berichtet von zahlreichen Fällen, in denen Kinder unerlaubte In-App-Käufe tätigen. Die Transaktionen laufen oft über die Mobilgeräte älterer Familienmitglieder, bei denen Zahlungsdaten noch gespeichert sind.
Eine Visa-Studie aus dem Frühjahr 2026 untermauert diese Sorgen. In 17 Märkten gaben 76 Prozent der Eltern an, dass ihre Kinder Schwierigkeiten haben, Online-Betrug zu erkennen. 62 Prozent berichteten, dass ein Kind in ihrem Umfeld bereits beim Gaming oder Online-Shopping betrogen wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Gaming-Störungen inzwischen als Krankheit ein. Die Polizei empfiehlt Eltern daher, biometrische Authentifizierung für alle digitalen Zahlungen zu aktivieren und strenge Bildschirmzeitlimits festzulegen.
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Neue Gesetze: USA, Malaysia und Deutschland ziehen nach
Der 24. Juni 2026 war ein Tag der Gesetzesinitiativen. In den USA, Malaysia und Deutschland gab es bedeutende Ankündigungen:
Vereinigte Staaten: Der Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses brachte den parteiübergreifenden Kids Internet and Digital Safety (KIDS) Act ein. Das Gesetz sieht eine verpflichtende Altersverifikation für pornografische Websites und standardmäßige Privatsphäre-Einstellungen für Minderjährige vor. Allerdings fehlt eine „Sorgfaltspflicht“-Klausel, die die Senatsversion enthält. Beobachter erwarten daher Konflikte zwischen den Kammern. Bereits am 23. Juni wurde der SAFE KIDS Act eingebracht, der Risikobewertungen für KI-Chatbots vorschreibt, bevor diese mit Kindern interagieren dürfen.
Malaysia: Die Regierung legte den Cybercrime Bill 2026 vor, der das Computer Crimes Act von 1997 ersetzen soll. Das neue Gesetz stellt die nicht-einvernehmliche Verbreitung intimer Bilder und Deepfake-Inhalte unter Strafe – mit bis zu fünf Jahren Haft.
Deutschland: Eine Expertenkommission legte 56 Empfehlungen vor. Darunter: ein Mindestalter von 13 Jahren für soziale Medien und ein Verbot privater Smartphone-Nutzung in Schulen bis zur siebten Klasse.
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Justiz und Tech-Konzerne: Erste Erfolge vor Gericht
Auch die Justiz wird aktiv. YouTube einigte sich am 23. Juni 2026 vertraulich mit einem Teenager aus Florida. Der Jugendliche hatte behauptet, die Algorithmen der Plattform hätten zu schwerer Social-Media-Sucht und psychischen Problemen geführt. Der Vergleich reiht sich in eine wachsende Zahl von Klagen gegen Tech-Konzerne ein. Bereits im März 2026 hatte ein Gericht in einem ähnlichen Verfahren sechs Millionen Dollar Schadensersatz gegen große Social-Media-Anbieter zugesprochen.
