Cyberkriminalität: 19.400 Betrugsseiten entfernt – 279% mehr Phishing
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 14:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die australische Wertpapier- und Investitionskommission (ASIC) hat ihre Maßnahmen gegen betrügerische Online-Infrastrukturen im vergangenen Geschäftsjahr massiv ausgeweitet.
Wie die Behörde im Rahmen ihres jüngsten Berichts mitteilte, wurden im Zeitraum des Fiskaljahres 2026 insgesamt 3.106 Krypto-Investment-Scams entfernt. Dies entspricht einer Steigerung von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert einen neuen Höchststand bei der Bekämpfung digitaler Finanzkriminalität.
Massive Zunahme bei Phishing und gefälschten Plattformen
Die Aktivitäten der ASIC beschränkten sich nicht nur auf den Kryptosektor. Insgesamt verzeichnete die Kommission 19.400 Takedowns von Online-Betrugsseiten, was einem Zuwachs von 182 Prozent entspricht. Besonders deutlich stieg die Zahl der identifizierten Phishing-Links, die mit 5.476 Fällen ein Plus von 279 Prozent erreichten. Zudem wurden 7.051 gefälschte Investment-Plattformen abgeschaltet, was einer Zunahme von 151 Prozent gleichkommt.
Ein wachsendes Problem stellen dabei KI-gestützte Deepfakes und die Imitation prominenter Persönlichkeiten dar. Nach Angaben des National Anti-Scam Centre verursachten Betrugsmaschen mit den zehn am häufigsten imitierten Personen einen Gesamtschaden von 7,4 Millionen Australischen Dollar.
ASIC-Chefin Sarah Court warnte in diesem Zusammenhang, dass eine einfache Online-Suche für Anleger nicht mehr ausreiche, um die Seriosität eines Angebots zu prüfen.
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Internationale Razzien und Zerschlagung von Callcentern
Parallel zu den digitalen Maßnahmen gab es weltweit koordinierte physische Einsätze gegen Betrüger-Netzwerke. In Pakistan führte die nationale Behörde NCCIA am 19. August 2026 eine Razzia in einem Callcenter in Islamabad durch. Dabei wurden 276 ausländische Staatsangehörige festgenommen, darunter 74 Chinesen, 71 Indonesier und 69 Vietnamesen.
Die unter dem Namen „Aofu Group“ firmierende Organisation steht unter Verdacht, Online-Betrug und sexuelle Ausbeutung betrieben zu haben. Bereits in der Vorwoche waren in ähnlichen Einsätzen 406 Personen festgenommen worden.
Auch in Nigeria gingen die Behörden massiv gegen Krypto-Betrüger vor. Bei einer großflächigen Razzia wurden 792 Personen verhaftet. Unter den Verdächtigen befinden sich chinesische und philippinische Staatsangehörige, die gezielt Opfer in Nordamerika und Europa ins Visier genommen haben sollen.
Flankierend dazu ordnete ein Bundesgericht in Lagos am 13. August 2026 das Einfrieren von 71 Bankkonten an, über die unbefugte Transfers in Höhe von 1,34 Milliarden Nigerianischen Naira abgewickelt worden sein sollen.
Cyber-Sklaverei und Geldwäsche-Netzwerke in Südasien
In Indien deckten Ermittlungsbehörden komplexe Strukturen der Cyber-Kriminalität auf. Die Cyber-Polizei in Beed identifizierte ein Netzwerk für illegale Geldtransfers über sogenannte „Money Mules“. Über ein einziges Konto wurden zwischen September 2025 und April 2026 Transaktionen in Höhe von 23,73 Crore Indischen Rupien abgewickelt.
Zudem verhaftete das Central Bureau of Investigation (CBI) am 19. August 2026 eine männliche Person in Delhi, die in ein Netzwerk für Cyber-Sklaverei verwickelt sein soll.
Den Ermittlungen zufolge wurden mindestens vier Opfer aus der Region Hisar im Jahr 2025 nach Myanmar und Kambodscha geschleust, um dort unter Zwang für Betrugszentren zu arbeiten. Die Ermittler prüfen derzeit Krypto-Transaktionen, die als Provisionen für diese Taten gezahlt wurden.
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Technologische Abwehr und regulatorische Verschärfung
Während Kriminelle zunehmend Werkzeuge wie GitHub Copilot und Claude Code nutzen, setzen auch Dienstleister auf technologische Aufrüstung. Die Krypto-Börse Bybit gab bekannt, dass ihre KI-gestützten Sicherheitssysteme zwischen dem 1. Januar und dem 15. Juni 2026 potenzielle Verluste in Höhe von über 700 Millionen US-Dollar verhindert haben. Dabei wurden rund 30.000 verdächtige Abhebungen gestoppt.
Auf regulatorischer Ebene reagieren weitere Staaten. In Brasilien trat die „Operation Carbono Oculto“ in eine neue Phase: Ab Januar 2027 wird das Land Krypto-Transaktionsdaten aus dem Ausland nach OECD-Standard erhalten.
Fintech-Unternehmen müssen dort zudem bis Mai 2026 eine Lizenz beantragen. In den USA unterzeichnete der Gouverneur von Georgia ein Gesetz, das Betreiber von Krypto-Kiosken ab dem 1. Juli verpflichtet, explizite Warnhinweise vor Betrugsmaschen anzuzeigen.
