Cyberattacke Berlin: Zwei Verwaltungen seit 14. August offline
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 23:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Berliner Senatsverwaltungen sind nach einer Cyberattacke auf das Landesnetz seit Freitag, dem 14. August 2026, vollständig vom Netz getrennt. Betroffen sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Verwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Während die Behörden versuchen, den Dienstbetrieb aufrechtzuerhalten, werden Forderungen nach einer grundlegenden Reform der Berliner IT-Sicherheit laut.
Massive Einschränkungen im Dienstbetrieb und bei Bürgerleistungen
Die technische Isolation der beiden Verwaltungen führt zu weitreichenden Beeinträchtigungen im Arbeitsalltag. Mitarbeiter sind laut Medienberichten praktisch arbeitsunfähig, da weder externe E-Mails empfangen noch Homeoffice-Angebote genutzt werden können. Die Kommunikation ist derzeit auf Telefon, SMS und Fax beschränkt.
Der Ausfall hat auch konkrete Folgen für die Bürger der Hauptstadt. So ist die Auszahlung von Wohngeld für mehr als 50.000 Haushalte gefährdet. Zudem sind Online-Anträge für die Briefwahl gestört.
Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen am 20. September 2026 teilte die Verwaltung jedoch mit, dass die Durchführung der Wahl nach aktuellem Stand nicht gefährdet sei. Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) sei von dem Angriff nicht unmittelbar betroffen.
Widersprüchliche Angaben zum Ausmaß des Datenabflusses
Über das tatsächliche Ausmaß des Vorfalls gibt es derzeit unterschiedliche Informationen. Eine Sprecherin des Senats erklärte, dass nach jetzigem Kenntnisstand keine sensiblen Informationen abgeflossen seien.
Bei der Bauverwaltung betreffe der Datenabfluss lediglich öffentlich zugängliche Daten. Demgegenüber stehen Berichte des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), wonach Angreifer sehr sensible Daten erbeutet hätten. Die Hacker nutzten offenbar eine Sicherheitslücke im IT-System der Bauverwaltung aus.
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Zur Aufklärung des Vorfalls wurden das Landeskriminalamt (LKA), die Staatsanwaltschaft sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet. Ein Notfallkrisenstab wurde eingerichtet, um die Ermittlungen zu koordinieren und die Systeme schrittweise wieder sicher in Betrieb zu nehmen. Der Senat informierte am Mittwochnachmittag über den aktuellen Stand der Untersuchungen.
Kritik an Sicherheitskonzepten und Forderungen nach Reformen
Der Vorfall löst eine Debatte über den Zustand der Berliner IT-Infrastruktur aus. Ein IT-Experte kritisierte die Cybersicherheit des Landes als unzureichend und bemängelte, dass notwendige Verbesserungen in der Vergangenheit nicht umgesetzt worden seien. Zudem wurde die Krisenkommunikation der Verwaltung beanstandet, da unter anderem eine zentrale Informationsseite für Betroffene fehle.
Auch der Landesrechnungshof sieht erhebliche Defizite. In einer Stellungnahme wurden fehlende Konzepte, ungeschützte Serverräume sowie eine chronische Unterfinanzierung der IT-Sicherheit angeführt. Das ITDZ sei zudem seit Jahrzehnten nicht vollständig den notwendigen Kontrollen unterstellt. Statistiken verdeutlichen den Druck auf die Systeme: Das Security Operations Center (SOC) erkannte allein im Jahr 2025 rund 10 Millionen Zugriffsversuche.
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Angesichts der Serie von IT-Sicherheitsvorfällen in den letzten Jahren – darunter Angriffe auf die Justizsenatorin und das Portal berlin.de im Jahr 2025 sowie auf das Kammergericht im Jahr 2019 – fordert die Politik Konsequenzen.
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