Cyberangriffe, Windows-Tool-Seiten

Cyberangriffe: Über 70 gefälschte Windows-Tool-Seiten entdeckt

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 08:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sicherheitsforscher warnen vor gefälschten Download-Seiten, manipulierten Apps und DNS-Attacken in Hotel-WLANs.

Cyberangriffe auf Windows und macOS: Neue Betrugswelle entdeckt
Digitales Vorhängeschloss auf einer Leiterplatte als Symbol für Cybersicherheit und den Schutz vor gefälschten Apps. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsforscher decken eine Welle hochspezialisierter Cyberangriffe auf – sie treffen sowohl Windows- als auch macOS-Nutzer. Die Methoden reichen von gefälschten Download-Portalen über manipulierte App-Stores bis hin zu DNS-Attacken in Hotel-WLANs.

Über 70 gefälschte Webseiten für Windows-Tools

Eine weitreichende Operation zielt auf Nutzer populärer Windows-Programme. Angreifer betreiben über 70 täuschend echte Webseiten für Tools wie Wintoys, PowerToys, WinUtil und CrystalDiskInfo. Die Domains heißen etwa wintoys.app oder powertools.app.

Das Vorgehen ist zweistufig: Zunächst leiten die Seiten auf legitime Downloads weiter, um Vertrauen aufzubauen. Später ersetzen die Betreiber die Links durch präparierte Installer, die Fernwartungs-Trojaner (Remote Access Trojans) auf den Systemen installieren. Ermittler fanden heraus: 72 dieser Domains wurden über eine identische WHOIS-Adresse registriert. Trotz Beschwerden bei Registraren nutzen die Betreiber Dienste wie Cloudflare und wechseln mehrfach den Anbieter, um die Abschaltung zu erschweren.

Millionenklage gegen Apple: Gefälschte Wallet-App im App Store

Parallel dazu gerät Apple unter Druck. Drei US-Kunden – James Ramirez, Christopher Ellis und Jalen Delgado – reichten Klage ein. Sie verloren durch eine gefälschte Bitcoin-Wallet-App namens Sparrow Wallet insgesamt rund 1,8 Millionen US-Dollar. Ramirez verlor 875.000 Dollar, Ellis 840.000 Dollar, Delgado 120.000 Dollar.

Die Verluste ereigneten sich zwischen Mai und August 2025. Das Problem: Eine offizielle Sparrow-Wallet für iOS existiert gar nicht. Apple entfernte die betrügerischen Apps und sperrte die Entwicklerkonten erst nach Meldungen der Geschädigten. Der Konzern verweist darauf, im Jahr 2025 rund 193.000 betrügerische Konten gesperrt und Transaktionen im Wert von 2,2 Milliarden Dollar verhindert zu haben.

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Hotel-WLANs als Einfallstor für Microsoft-365-Angriffe

Eine weitere Bedrohung richtet sich gezielt gegen Geschäftsreisende. Seit Juni beobachten Sicherheitsanalysten Angriffe auf WLAN-Gateways in Hotels und Konferenzzentren – primär in den USA, Indien und Saudi-Arabien. Die Angreifer, teilweise der Gruppe APT28 zugeordnet, manipulieren die DNS-Einstellungen der Router. So leiten sie Anfragen an Microsoft 365 auf gefälschte Login-Seiten um.

Durch den Missbrauch des Device-Code-Flows umgehen die Täter selbst die Multifaktor-Authentifizierung (MFA). Besonders betroffen sind Führungskräfte aus Finanzen, Gesundheitswesen und Energie. Parallel nutzt die Gruppe ZeroBEC seit Februar 2026 gefälschte Microsoft-Teams-Dokumente, um legitime Fernwartungstools für kriminelle Zwecke zu installieren.

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macOS: Gatekeeper-Lücke bleibt ungepatcht

Auch macOS ist betroffen. Sicherheitsforscher wie Talal Haj Bakry und Tommy Mysk dokumentierten einen Weg, den Sicherheitsmechanismus Gatekeeper zu umgehen. Wenn eine App archiviert, gelöscht und anschließend wiederhergestellt wird, lässt sich der ausführbare Code austauschen – ohne erneute Prüfung durch das System.

Apple wurde Mitte Juli informiert, stufte das Verhalten jedoch nicht als kritische Sicherheitslücke ein. Begründung: Für den Angriff sind bereits bestehende Benutzerrechte auf einem kompromittierten System nötig. Experten raten Nutzern dennoch zur Vorsicht – etwa durch VPN-Verbindungen mit vollständiger Tunnelung und die Deaktivierung veralteter Protokolle wie WPAD.

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