Cyberangriffe: EZB verlangt von 110 Banken Aktionspläne bis Oktober
Veröffentlicht am: 09.07.2026 um 14:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Ransomware-Gruppe namens Unsafe behauptet, sensible Mitarbeiterdaten erbeutet zu haben. Betroffen ist eine Marketing-Plattform, die von Vertriebspartnern der Bank in Deutschland genutzt wird.
Die Erpresserbande veröffentlichte Screenshots als Beleg für den Datendiebstahl. Nach Informationen von Anfang der Woche sollen darunter E-Mail-Adressen, Passwort-Hashes, Privatanschriften und der Beschäftigungsstatus von Mitarbeitern sein.
Bank beruhigt: Eigene Systeme nicht betroffen
Die Deutsche Bank erklärte, es gebe derzeit keine Hinweise auf eine Kompromittierung der eigenen internen Systeme. Der Vorfall beschränke sich auf die Umgebung des externen Marketing-Anbieters.
Die Gruppe Unsafe agiert als sogenanntes Ransomware-as-a-Service (RaaS) – sie stellt ihre Erpressungssoftware anderen Kriminellen zur Verfügung. Branchenbeobachter stellten fest, dass die Gruppe nach einer Phase der Inaktivität im Dezember 2025 wieder aufgetaucht ist. Der Vorfall reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Angriffen auf die Lieferketten der Finanzbranche. Immer häufiger werden Schwachstellen bei Drittanbietern ausgenutzt, um Druck auf große Institute auszuüben.
Mehrere Großkonzerne zeitgleich betroffen
Die Ermittlungen bei der Deutschen Bank fallen in eine Woche weiterer Sicherheitsvorfälle. Erst Anfang der Woche bestätigte Accenture einen Datendiebstahl. Ein Hacker mit dem Pseudonym „888" behauptet, 35 Gigabyte an Daten gestohlen zu haben. Zum Verkauf angeboten wurden demnach Quellcode, Azure-Zugangstoken, RSA/SSH-Schlüssel und Konfigurationsdateien.
Accenture bezeichnete den Vorfall als isoliertes Ereignis, das bereits behoben sei. Der unbefugte Zugriff habe nur die Daten von drei Mitarbeitern betroffen – weder Geschäftsbetrieb noch Kunden seien beeinträchtigt worden.
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Auch der Finanzdienstleister Nayax meldete ungewöhnliche Aktivitäten in einem Cloud-Konto einer Tochtergesellschaft. Die Gruppe „The Syndicate" behauptete, eine große Menge an Kreditkartendaten erbeutet zu haben. Nayax teilte den Aufsichtsbehörden mit, die Aktivität sei erkannt und gestoppt worden – ohne Auswirkungen auf Produktion oder Geschäftsbetrieb.
EZB verschärft Anforderungen an Banken
Die Zunahme komplexer Angriffe hat die europäischen Finanzaufseher auf den Plan gerufen. Bereits im Juni 2026 hob der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) das systemische Cyberrisiko für den Bankensektor von „hoch" auf „schwerwiegend" an.
Die Europäische Zentralbank (EZB) forderte daraufhin 110 große Banken auf, bis zum 31. Oktober 2026 detaillierte Aktionspläne vorzulegen. Diese sollen Maßnahmen gegen KI-gestützte Cyberangriffe enthalten. Die Institute müssen ihre Lieferketten rigoros prüfen und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe verbessern, die künstliche Intelligenz zur Identifizierung von Schwachstellen nutzen.
Rekordzahlen bei Ransomware-Angriffen
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Aktuelle Daten verdeutlichen das Ausmaß der Bedrohung. Im zweiten Quartal 2026 registrierten Marktanalysten weltweit 2.279 Ransomware-Opfer – ein Anstieg um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Rekordverdächtige 91 aktive Erpresserbanden wurden in diesem Zeitraum identifiziert, die in 108 Ländern operieren. Die Gruppen setzen zunehmend künstliche Intelligenz als Produktivitätswerkzeug ein – etwa zur Analyse gestohlener Daten oder zur Steuerung von Lösegeldverhandlungen. Der verarbeitende Sektor bleibt mit 15 Prozent aller Vorfälle das Hauptziel. Doch auch die Finanz- und IT-Branche sehen sich anhaltenden Bedrohungen durch etablierte und neue RaaS-Gruppen ausgesetzt.
