Cyberangriff legt 150 französische Supermärkte lahm
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 17:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Französische Märkte entsorgen Lebensmittel
- Bei Les Mousquetaires mit Intermarché und Netto waren etwa 150 Geschäfte in ganz Frankreich betroffen.
- Carrefour meldete Störungen vor allem in 80 Supermärkten seines Netzes mit insgesamt 6.000 Geschäften.
- Die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
Eine groß angelegte Cyberattacke hat in der Nacht zu Montag Kühl- und Gefrierschränke mehrerer französischer Handelsketten in den Auftaumodus versetzt.
Angriff trifft mehrere Handelsketten
Ein Sprecher der Handelsgruppe Les Mousquetaires, zu der Intermarché und Netto gehören, sagte, die Hacker hätten die Kühlanlagen umgestellt; etwa 150 Geschäfte seien betroffen.
Carrefour teilte mit, die Störung betreffe hauptsächlich 80 Supermärkte. Das Unternehmen betreibt insgesamt 6.000 Geschäfte. Auch Coopérative U bestätigte eine Attacke auf Kühlanlagen in mehreren Märkten.
Danfoss als gemeinsamer Dienstleister
Nach Angaben von Les Mousquetaires richtete sich der Angriff gegen den dänischen Technik-Dienstleister Danfoss, mit dem mehrere Lebensmittelhändler arbeiten.
Danfoss erklärte, über die Vorfälle in Frankreich informiert zu sein. Betroffen seien eine begrenzte Anzahl von Kühlsystemen, überwiegend ältere Produkte. Das Unternehmen nehme die Situation ernst.
Waren müssen entsorgt werden
Viele Lebensmittel müssten weggeworfen werden, sagte der Sprecher von Les Mousquetaires. Die Höhe des Schadens sei noch nicht absehbar.
Bei Coopérative U arbeiteten Teams gemeinsam mit Kältetechnikern an der schnellstmöglichen Wiederherstellung der Anlagen. Gruppenleiter Dominique Schelcher bezeichnete die Attacke als beispiellos und inakzeptabel.
Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Cyberkriminalitäts-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Untersuchung. Nach Angaben der Behörde wurden auch Brandausbrüche gemeldet.
Die Ermittlungen sollen Opfer erfassen und mögliche Zusammenhänge mit den von ihnen gemeldeten Schäden klären.
Angriff auf digitale Kühltechnik
Der Vorfall zeigt, dass Cyberangriffe nicht nur klassische IT-Dienste, Kassen oder Logistiksysteme treffen können. Werden vernetzte Steuerungen von Kühlanlagen manipuliert, entsteht innerhalb weniger Stunden ein unmittelbares Problem für die Warenversorgung und die Lebensmittelsicherheit.
Besonders relevant ist die Konzentration auf einen technischen Dienstleister, dessen Systeme von mehreren Handelsketten genutzt werden. Ein gemeinsamer Angriffspunkt kann dadurch gleichzeitig Unternehmen mit unterschiedlichen Filialnetzen erreichen. Die betroffenen Größenordnungen bei Intermarché, Netto und Carrefour verdeutlichen, dass bereits eine begrenzte Zahl kompromittierter Systeme erhebliche wirtschaftliche Folgen auslösen kann.
Folgen für Handel und Verbraucher
Für die Händler stehen zunächst die Wiederherstellung der Kühlung, die Prüfung der Waren und die Entsorgung verdorbener Produkte im Vordergrund. Für Verbraucher kann der Vorfall vorübergehend zu Lücken bei gekühlten und tiefgefrorenen Lebensmitteln führen, auch wenn die dpa-Meldung keine landesweiten Versorgungsengpässe nennt.
Die Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft sollen den Kreis der Geschädigten erfassen und mögliche Zusammenhänge mit gemeldeten Bränden prüfen. Entscheidend wird sein, ob eine einzelne technische Schwachstelle, ein kompromittierter Zugang oder mehrere Angriffsschritte die Störung ermöglichten. Der Fall erhöht damit den Druck auf Handelsketten und Technologieanbieter, Fernzugriffe, ältere Geräte und Notfallverfahren besonders sorgfältig abzusichern.
