Curcumin und Piperin: Wirkstoffaufnahme steigt bis auf das 2000-Fache
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflanzliche Naturstoffe rücken zunehmend in den Fokus der kardiovaskulären Forschung. Eine am 20. August 2026 in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research veröffentlichte Übersichtsarbeit eines chinesischen Forschungsteams fasst den aktuellen Wissensstand zu sekundären Pflanzenstoffen zusammen.
Die wissenschaftliche Arbeit beschreibt mögliche präventive und therapeutische Effekte verschiedener pflanzlicher Verbindungen gegen Bluthochdruck und beleuchtet zugleich die pharmakologischen Hürden, die einem breiten therapeutischen Einsatz bislang im Weg stehen.
Vielfältige Signalwege und bioaktive Substanzen
Zu den in der Arbeit untersuchten bioaktiven Substanzen gehören unter anderem Quercetin, Hesperidin, Luteolin, Kaempferol, Berberin, Curcumin sowie Resveratrol. Diesen Verbindungen werden gefäßschützende und blutdruckregulierende Eigenschaften zugeschrieben. Den Forschern zufolge entfalten die pflanzlichen Moleküle ihre Wirkungen über mehrere komplexe Signalwege im Körper.
Trotz der im Labor und in Tiermodellen beobachteten Effekte betonen die Wissenschaftler jedoch erhebliche praktische Einschränkungen: Vor allem die geringe Bioverfügbarkeit vieler dieser Stoffe erschwert eine zielgerichtete medizinische Anwendung. Um die tatsächliche therapeutische Relevanz und sichere Dosierungen beim Menschen verlässlich zu bestimmen, seien weitere klinische Studien zwingend erforderlich.
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Herausforderung Bioverfügbarkeit am Beispiel Curcumin
Wie stark die Aufnahme pflanzlicher Wirkstoffe limitiert sein kann, zeigt sich besonders deutlich am Polyphenol Curcumin, dem Hauptbestandteil von Kurkuma. Der menschliche Organismus nimmt Curcumin nur sehr schlecht auf und scheidet ohne Hilfsmittel über 90 Prozent des Wirkstoffs ungenutzt wieder aus.
Zwar lässt sich die Bioverfügbarkeit durch die Zugabe von Piperin bis auf das 2000-Fache steigern, dies kann jedoch unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beeinflussen.
Zudem birgt die Zufuhr von hochdosierten Extrakten Risiken: Bei einer Veranlagung zu Calciumoxalatsteinen können hochkonzentrierte Kurkuma-Präparate das Risiko für Nierensteine erhöhen. Während der Verzehr üblicher Küchenmengen als unbedenklich eingestuft wird, raten Fachleute bei bestehenden Nierenerkrankungen oder einer dauerhaften Medikamenteneinnahme dazu, Nahrungsergänzungsmittel ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache einzusetzen.
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Moderate Effekte bei Grüntee und traditionellen Heilpflanzen
Auch andere pflanzliche Produkte werden hinsichtlich ihrer kardiovaskulären Wirkungen untersucht. Eine Auswertung von 55 klinischen Studien ergab, dass regelmäßiger Konsum von grünem Tee das LDL-Cholesterin um durchschnittlich 5,8 mg/dl und das Gesamtcholesterin um 7,6 mg/dl senken konnte, während das gefäßschützende HDL leicht anstieg.
Zudem verzeichnete die Analyse leichte Rückgänge beim Nüchternblutzucker, beim Langzeitblutzuckerwert HbA1c sowie beim diastolischen Blutdruck. Die beobachteten Effekte blieben jedoch moderat und waren maßgeblich von der Konsumdauer, der Dosierung und den individuellen Ausgangswerten abhängig.
Für traditionell genutzte Pflanzen wie Herzgespann (Leonurus cardiaca), das historisch bei Herzklopfen, Angst und Schlaflosigkeit angewendet wird, verweisen Labor- und Tiermodelle auf beruhigende, antioxidative und entzündungshemmende Mechanismen. Allerdings existieren hierzu bislang nur wenige klinische Studien am Menschen.
Zudem gilt die Anwendung in der Schwangerschaft aufgrund möglicher Gebärmutterkontraktionen als kontraindiziert. Die Studienlage unterstreicht damit, dass pflanzliche Wirkstoffe zwar therapeutisches Potenzial besitzen, eine fundierte klinische Prüfung vor konkreten Empfehlungen jedoch unerlässlich bleibt.
