Covid-19: Bei fast jedem zweiten Patienten reaktivieren sich schlafende Viren
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen im Rahmen der US-amerikanischen IMPACC-Studie, die Anfang August 2026 im Fachjournal Nature veröffentlicht wurden, geben neue Einblicke in die komplexen Prozesse bei schweren SARS-CoV-2-Infektionen. Den Ergebnissen zufolge kommt es bei fast jedem zweiten Patienten, der aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden muss, zur Reaktivierung zuvor „schlafender“ Viren im Körper. Dieser Prozess wird mit schwereren Krankheitsverläufen und langfristigen gesundheitlichen Folgen assoziiert.
Umfangreiche Datenbasis aus 20 US-Kliniken
Die Analyse stützt sich auf Daten von 1.154 Patienten, die in der Zeit von Mai 2020 bis März 2021 in insgesamt 20 US-Kliniken stationär behandelt wurden. Bei den Probanden handelte es sich um ungeimpfte Personen. Die Forscher untersuchten im Rahmen der IMPACC-Studie (Immunophenotyping Assessment in a COVID-19 Cohort) das Vorkommen von 11 verschiedenen Virustypen, die typischerweise nach einer Erstinfektion lebenslang latent im menschlichen Körper verbleiben können.
In der Auswertung zeigte sich, dass bei 47,9 Prozent der untersuchten Fälle – konkret bei 550 von 1.148 Patienten – mindestens ein Virus reaktiviert wurde. Zu den am häufigsten nachgewiesenen Erregern gehörten das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1), Vertreter der Anelloviridae-Familie, das Epstein-Barr-Virus (EBV) sowie das Zytomegalievirus (CMV).
Auswirkungen auf Mortalität und Long Covid
Die Reaktivierung dieser latenten Erreger ist den Studiendaten zufolge kein bloßes Begleitphänomen, sondern korreliert signifikant mit dem klinischen Ausgang der Erkrankung. Patienten, bei denen eine solche Virusaktivierung festgestellt wurde, wiesen tendenziell schwerere Verläufe auf. Besonders deutlich wurde dieser Zusammenhang bei der Betrachtung der langfristigen Überlebenschancen: Eine Reaktivierung von EBV oder CMV war laut der Untersuchung mit einer erhöhten Sterblichkeit innerhalb eines Jahres nach der Infektion verbunden.
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Darüber hinaus liefert die Studie Hinweise auf die Entstehung von Langzeitfolgen. Insbesondere der Nachweis von reaktivierten Anelloviren wurde mit dem Auftreten von Long Covid in Verbindung gebracht. Die betroffenen Patienten klagten demnach häufiger über anhaltende körperliche Defizite nach der akuten Infektionsphase.
Entzündungsprozesse als wahrscheinlicher Auslöser
Ein zentrales Ergebnis der im August 2026 vorgestellten Analyse betrifft den Mechanismus hinter der Virusreaktivierung. Entgegen früherer Annahmen, die eine generelle Immunschwäche als Hauptursache vermuteten, deuten die Daten darauf hin, dass eine systemische Entzündungsreaktion des Körpers auf SARS-CoV-2 den entscheidenden Faktor darstellt.
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Die Forscher beobachteten eine klare Korrelation zwischen dem Grad der Entzündung und der Wahrscheinlichkeit einer Virusreaktivierung, während eine klassische Immunsuppression nicht im gleichen Maße als Auslöser identifiziert werden konnte. Die Autoren der Studie betonten jedoch, dass trotz der starken statistischen Zusammenhänge eine direkte Kausalität durch die vorliegenden Daten noch nicht abschließend belegt ist. Weitere Forschungsarbeiten seien notwendig, um die genauen Wechselwirkungen zwischen der Entzündungsreaktion und den reaktivierten Erregern zu entschlüsseln.
