COURAGE-Studie: 75 mg Trevogrumab erhalten 42,5 Prozent mehr Magermasse
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Abnehmspritzen auf Basis von GLP-1-Wirkstoffen gelten als Durchbruch in der Adipositastherapie, bringen aber einen unerwünschten Nebeneffekt mit sich: den Verlust an Magermasse, also überwiegend Muskelgewebe.
Auf der 62. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand, die vom 28. September bis 2. Oktober 2026 stattfand, präsentierte Regeneron gemeinsam mit dem Bildgebungsunternehmen AMRA Medical neue Daten, die zeigen sollen, wie sich dieser Effekt gezielt abmildern lässt.
Die COURAGE-Studie im Detail
Im Zentrum steht die Phase-2-Studie COURAGE, an der laut Regeneron 975 Menschen mit Adipositas im Alter von 18 bis 65 Jahren teilnahmen. Untersucht wurde der Antikörper Trevogrumab als Zusatztherapie zu Semaglutid 2,4 mg über 52 Wochen. Nach dieser Zeit hatten Teilnehmende unter Placebo plus Semaglutid per DXA-Messung 7,3 Prozent Magermasse verloren.
Mit Trevogrumab 25 mg zusätzlich zu Semaglutid lag der Verlust bei 5,8 Prozent, was einem Erhalt von 20,5 Prozent relativ zur Placebogruppe entspricht. Bei der 75-mg-Dosis betrug der Verlust 4,2 Prozent, was einem Erhalt von 42,5 Prozent entspricht.
Quantitative MRT-Messungen des Oberschenkelmuskelvolumens bestätigten den Trend: Nach 52 Wochen lag der Muskelerhalt gegenüber Placebo plus Semaglutid bei 71,8 Prozent unter der 25-mg-Dosis und bei 68,9 Prozent unter der 75-mg-Dosis.
Bereits nach 26 Wochen zeigten sich Unterschiede: Der Magermasseverlust betrug 6,7 Prozent unter Semaglutid allein, 4,7 Prozent mit Trevogrumab 25 mg und 3,3 Prozent mit 75 mg.
In einem weiteren Studienarm mit höheren Dosierungen lag der Verlust nach 26 Wochen bei 6,6 Prozent mit Semaglutid plus Placebo, 3,4 Prozent mit Trevogrumab 200 mg und 3,9 Prozent mit 400 mg; unter zusätzlicher Gabe von Garetosmab sank der Wert auf 2,1 Prozent.
Verträglichkeit und Sicherheitssignale
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Niedrig dosiertes Trevogrumab war laut den vorgestellten Daten im Allgemeinen gut verträglich: Mindestens ein unerwünschtes Ereignis trat bei 77 Prozent der Teilnehmenden auf, gegenüber 82 Prozent unter Placebo.
Deutlich problematischer verlief die Kombination aus Trevogrumab 400 mg und Garetosmab 10 mg/kg: Hier kam es zu mehr schweren Nebenwirkungen und Therapieabbrüchen, darunter Muskelkrämpfe. In diesem Studienarm traten zwei Todesfälle auf, für die laut Regeneron kein ursächlicher Zusammenhang mit der Behandlung festgestellt wurde.
Die COURAGE-Ergebnisse wurden in Mailand vorgestellt und sind zudem im Druck bei The Lancet. Regeneron kündigte an, eine weitere Phase-2-Studie bei älteren Erwachsenen mit Adipositas und geringer Muskelmasse beziehungsweise -kraft zu planen, ergänzt um Untersuchungen zur 75-mg-Dosis im wöchentlichen Intervall sowie bei über 65-Jährigen.
Die Rolle der Bildgebung
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Ein wesentlicher Teil der Mailänder Präsentation entfiel auf methodische Fragen der Muskeldiagnostik. AMRA-Chefwissenschaftlerin Jennifer Linge stellte unter dem Titel „COURAGE Body Composition: Muscle Composition Assessed by MRI“ vor, wie quantitative MRT-Verfahren Muskel-Fettinfiltration und körpergrößenbezogenes Muskelvolumen getrennt erfassen können.
Beide Biomarker seien in früheren AMRA-Studien unabhängig voneinander mit Langzeitresultaten wie Gesamtmortalität und körperlicher Funktion verknüpft gewesen, wobei die Fettinfiltration meist der stärkere Prädiktor war.
Frühere MRT-Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass sich die Muskelzusammensetzung verbessern kann, selbst wenn das Muskelvolumen insgesamt sinkt – ein Hinweis darauf, dass reine Gewichts- oder Massenmessungen allein kein vollständiges Bild liefern.
Einordnung des Nutzens
Für die Entwicklung von Begleittherapien wie Trevogrumab liegt die Relevanz darin, dass DXA-Messungen zwar den Gesamtverlust an Magermasse erfassen, MRT-Daten aber zusätzlich Aufschluss über die tatsächliche Muskelqualität geben können.
Die in Mailand vorgestellten Resultate deuten darauf hin, dass eine gezielte pharmakologische Unterstützung den Anteil an Magermasseverlust während einer Semaglutid-Therapie spürbar reduzieren kann, ohne dass die Gewichtsabnahme selbst beeinträchtigt wird.
Ob sich dieser Effekt in späteren, größeren Studienphasen bestätigt und welche Dosierung sich als praxistauglich erweist, bleibt angesichts der angekündigten Folgestudien bei älteren Erwachsenen mit geringer Muskelmasse ein offener Punkt der weiteren Forschung.
